Review

"Das hier ist eine Chronik der Grausamkeit."

"Diary of the Dead" ist George A. Romero's fünfter Film aus der beliebten Zombie-Saga, der durch die Verwendung des Handkamerastils eine jüngere Zielgruppe ansprechen soll.

Für ein College Projekt dreht der Filmstudent Jason (Joshua Close), seine Freundin Debra (Michelle Morgan) und einige weitere Kommilitonen einen Horrorfilm in einem abgelegenen Waldstück. Noch während den Dreharbeiten ist im Radio die Rede von verunglückten Menschen die nach ihrem Tod plötzlich wieder leben und die Bevölkerung angreifen. Im Internet sind bereits erste Aufzeichnungen dieser Ereignisse zu sehen. Daraufhin tritt die Gruppe überhastet die Heimkehr an. Diese erweist sich als Horrortrip, denn die beschriebenen Ereignisse im Radio finden sie schnell auf offener Straße wieder. Menschen die eigentlich tot sein müssten fallen die Gruppe an, die sich gezwungen fühlt sich zu verteidigen. Jason nutzt die schreckliche Wirklichkeit und filmt ihre schockierende Reise, um sie der Bevölkerung über das Internet vorzuführen.

Die Untoten sind nicht tot zu kriegen. Nach dem Relaunch der einst schlurfenden Rohfleisch-Verspeiser durch die "28"-Reihe folgten weitere Filme mit ähnlicher Thematik. Auch Romero fügte mit "Land of the Dead" einen weiteren, actionorientierteren Ableger seiner Reihe hinzu. Nachdem dies kontrovers von den Kritikern aufgenommen wurde, besinnt sich Romero nun wieder seinen Wurzeln. Zumindest was die Präsentation betrifft.

Die Zombies schlurfen wieder, so wie einst. "Diary of the Dead" hat keine flinken Untoten die rennend und zahlreich über die Überlebenden herfallen. Ohne Zusammenhänge zu seinen weiteren Filmen zu ziehen begibt sich Romero wieder zu seinem geschichtlichen Anfang der Saga. Die Toten erwachen gerade aus ihren Gräbern und sind noch nicht so zahlreich wie in späteren Filmen. Der Regisseur tauscht allerdings die Kulisse der 70er gegen eine moderne mit Internet und aktuellen Kommunikationsmöglichkeiten.
Die Nutzung der Handkamera ist gleichfalls ein Zugeständnis an den modernen Horrorfilm sowie der Versuch, den Horror näher am Zuschauer ablaufen zu lassen. So wie schon in "Blairwitch Project" und "[Rec]" soll mehr Nähe zu den Ereignissen entwickelt werden und das Geschehen echter wirken lassen. Im Gegensatz zu den genannten Filmen wurde das Endprodukt allerdings überarbeitet und als authentische Dokumentation mit Kameraeinstellungen von Überwachungsvideos und Handyaufnahmen präsentiert. Dies untermauern die Kommentare der Erzählerin Debra.

Einerseits legt Romero Wert auf Authentizität, die ihm bisweilen auch gelingt. Andererseits unterwandert er diese aber wieder. Für die Zugeständnisse an das junge Publikum opfert er die Atmosphäre, die in seinen früheren Werken so gut zum tragen kam. Grusel- oder Horrorfeeling kommt nur selten auf. Und wenn, dann auf so überspitzte Weise, dass man eher von einem Fun-Splatter-Film sprechen mag.
Viel zu häufig fällt das permanente B-Movie-Flair auf ein so flaches Niveau, wie man es dem Altmeister gar nicht zugetraut hätte. Plumpe Dialoge, mäßige Effekte und Kitsch leiten "Diary of the Dead" auf konventionelle, und bisweilen sogar slapstickhafte Bahnen. Insbesondere das Wenige was an blutigen Details geboten wird, enttäuscht auf lange Strecken. Nicht nur die Anzahl sondern auch die erschreckend einfache Aufmachung dieser Szenen, die dadurch jegliche Glaubwürdigkeit verlieren.
Die Protagonisten wurden genretypisch jung, klischeebeladen und ohne Charaktertiefe generiert. Trotz dem Versuch die Handlung tragisch verlaufen zu lassen stellt sich zu keinem Zeitpunkt eine emotionale Bindung zu den Charakteren her. Erst gegen Ende, wo das Tempo etwas zunimmt, kann man von einer bedrohlichen und annähernd beängstigenden Atmosphäre sprechen, die auch Wirkung zeigt. Ansonsten bleiben die Versuche durch das lahme Storytelling und Vorhersehbarkeit aus.

Wo "Diary of the Dead" punkten kann ist die gern für Zombiefilme angewandte gesellschaftskritische Ebene, in hierigem Fall in Form der modernen Medien. Mehrfach richtet sich die Kamera und die Person, welche dahinter steht, der angewandten Gewalt voll zu. Und mehrfach wird angesprochen, dass der Blick durch die Linse die Realität weit weniger bedrohlich erscheinen lässt als sie wirklich ist. Romero nimmt sich hier dem ernst zunehmenden Thema der Verrohung und neuzeitlichen Berichterstattung an, die immer schneller ist und mit erschreckenden Bildern versucht, den Zuschauer vor den Fernseher zu locken, dabei die Fakten allerdings nicht berücksichtigt oder sie gar verfälscht.

Auf schauspielerischer Ebene tut sich allerdings nicht sonderlich viel. Viel zu sperrig scheinen die Vorlagen der Figuren. Die vorwiegend in Erscheinung tretenden Jungschauspieler sind hier nicht in der Lage auch nur annähernd etwas draus zu machen. Einerseits könnte man dies B-Movie-Verhältnissen noch zureden, andererseits ist es einfach ernüchternd, der verarmten Performance der Darsteller im modernen Gewand zuzusehen.

Auf kritischer Ebene funktioniert "Diary of the Dead", der gesamte Rest erscheint allerdings abgedroschen und veraltet. Das vergleichbare "[Rec]" oder dazu aufgesetzte Remake "Quarantäne" bietet mehr, gerade an Spannung und Tempo. Persönlich empfand ich das fünfte Werk der Zombie-Saga als sehr enttäuschend, gerade im Vergleich zu den Vorgängern. Fanatiker lassen sich vielleicht mit der extrem ausgespielten B-Movie-Atmosphäre noch benebeln, andere am gelegentlichen Spaßfaktor. Zusammen passen wollen diese Komponenten allerdings nicht, zumindest nicht in der hier präsentierten Form.

4 / 10

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