Review

Wenn zum austauschbaren Stoff ein passender Titel fehlt, nimmt man besser einen, der nicht allzu viel über den Inhalt aussagt. Gute Begriffe sind da: Darkness, Fear, Nightmare oder eben „House“.
In diesem geht zwar allerlei Spuk und Dämonisches ab, doch eine klare Linie fährt der Streifen nicht.

In jenem einsam gelegenen Haus am Waldrand sieht man zu Beginn, wie ein Typ seine Frau mit einem Gewehr abknallt. Kurz darauf finden sich hier über Umwege zwei einander fremde Paare ein, die sich zunächst im Hotel wähnen und allenfalls Gedanken über die drei merkwürdigen Gastgeber machen. Doch dann werden die vier mit dem persönlichen Trauma ihrer Vergangenheit konfrontiert, während draußen ein Vermummter versucht, ins Gebäude einzudringen: Wenn drei überleben wollen, muss es vor Sonnenaufgang einen Toten geben…

So eine Geschichte steht und fällt größtenteils mit seinen Sympathieträgern und hiervon ist auf weiter Flur niemand auszumachen. Jack und Steph, welche während des Vorlaufs im Mittelpunkt stehen und die während ihrer Autofahrt begleitet werden, zicken sich gegenseitig an; sie macht ihm dauernd Vorwürfe, sich verfahren zu haben und lässt die Diva einer (augenscheinlich eher unbekannten) Country-Sängerin raushängen, während Jack zu wenig Kontra gibt und innerhalb einer Autopanne mit zwei Platten (man ahnt es: Eine Falle…) kaum Eigeninitiative zeigt. Die beiden, die sich bereits im großräumigen Haus befinden, erhalten noch weniger Profil: Sie ist angehende Psychologin (nimmt man ihr kaum ab) und er hat was mit Hotels und Finanzen zu tun, aber eine Vorgeschichte erhalten beide nicht.

Das ist insofern schade, als dass die Stimmung beim Betreten des Hauses an alte Gruselklassiker erinnert. Die alte Betty beispielsweise könnte auch die Hauswirtin in einer Variante von „Bis das Blut gefriert“ sein und das bereits aufgetischte Gedeck für die vier erinnert frappierend an „Blut für Dracula“. Überhaupt gefällt das Interieur des Gebäudes, denn es wirkt einerseits morbide und angestaubt, andererseits entfaltet es etwas Bedrückendes, welches sich auch auf die Stimmung der Protagonisten überträgt.
Gleichermaßen auf den Zuschauer, der gespannt ist, was es denn nun mit den merkwürdigen Gastgebern und ihren dubiosen Andeutungen auf sich hat.

Diese Stimmung kann leider nicht gehalten werden, als sich die Gruppe aufgrund der Mitteilung durch den Belagerer trennt (der bereits mit dem Gewehr ohne Erfolg ins Haus ballerte) und nach und nach Flashbacks in die Realität übergehen. Steph erlebt den Unfalltod ihrer Tochter noch einmal und muss gegen steigendes Wasser in einer Kammer ankämpfen, während ihr Mann Jack jenen Unfall aus seiner damaligen Perspektive noch einmal erlebt, aber nicht aktiv eingreifen kann.
Worauf die Sache hinauslaufen könnte, mag man sich an dieser Stelle zwar bereits ausmalen, doch die Umsetzung jener Konfrontationen mit der Vergangenheit lässt auf dramaturgischer Ebene stark zu wünschen übrig.

Dummerweise nimmt der Spannungspegel bereits ab da ab, als man weiß, dass möglichst alle vier ums Leben kommen sollen, denn an sich, sollte von dort an das Mitfiebern erst richtig losgehen. Stattdessen kommt man im letzten Drittel noch mit einem dämonischen Doppelgänger, einem dubiosen Mädchen (Geist, Dämon, verlorene Seele…) und bringt einen finalen Plot Twist, den man in dieser Form innerhalb der letzten Jahre schon einige Male erleben konnte, - inszenatorisch wirkt er zumindest nicht wie mit der Brechstange auf den Punkt gebracht und während des Showdowns ist immerhin eine leichte Temposteigerung zu verzeichnen.

Trotz mindestens zwei bekannteren Gesichtern (Bill Moseley als einer der zwielichtigen Gastgeber und Michael Madsen als noch dubioserer Cop) wird man kaum mit den Figuren warm und gruselt sich allenfalls während der Exposition im gleichnamigen Haus, als man noch nicht weiß, worauf die Chose hinausläuft, aber Geheimniskrämerei und Misstrauen im Vordergrund stehen.
Danach verstrickt sich das Skript und verliert seine klare Linie, verliert zudem Figuren aus den Augen und bindet sie erst viel zu spät wieder ins Geschehen ein, als man jene beinahe schon unter den Opfern gesehen hat.
Nette und auch atmosphärische Ansätze, handwerklich grundsolide, aber im Endeffekt zu unausgewogen erzählt, um konstant bei Laune zu halten.
5,5 von 10

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