Nur ein Jahr nachdem die Hammer Studios mit „The Curse of Frankenstein“ einer klassischen Figur ein neues Gesicht gaben und bei Erwähnung des Namens für viele auch heute noch immer die Bilder des Films als erste Assoziation vor Augen haben, gelang es das selbe noch einmal zu wiederholen. Wieder war es ein klassischer Roman der Horrorliteratur, dieses mal Bram Stokers Dracula, der als Vorlage diente und wieder gelang es einen Film zu drehen, der bis heute unser Bild von Dracula geprägt hat.
Die Geschichte wurde abgeändert, gestrafft und angepasst an das erstaunlich kleine Budget. So ist hier Jonathan Harker selber Vampirjäger, im Dienste von Van Helsing, der bei Graf Dracula eine Stelle annimmt um diesen zu vernichten. Doch Harker gelingt es nicht den Grafen zu stoppen und er wird selber zum Vampir. So bleibt es doch an Van Helsing hängen, den Blutsauger in London aufzuspüren und letztlich im heimischen Schloss zu vernichten.
Terence Fisher verlässt sich dabei ganz auf seine Erfahrung und Routine. Trotz nur knappen 80 Minuten Laufzeit, kommt einem der Film nie gehetzt vor. Die Story entwickelt sich im genau richtigen tempo, bietet die ein oder andere Überraschung und bleibt doch immer wieder relativ nahe am Roman. Längen gibt es keine und Fisher zeigt ein durchaus beeindruckendes Gefühl für Timing. Wundervoll sind auch einmal mehr die Sets und Kulissen gestaltet. Auf diesem Gebiet war Hammer ja schon immer eine wahre Pracht für die Augen des Zuschauers. Liebevoll und Detail verliebt wurde die Stimmung vergangener Zeiten eingefangen. Kunstnebel wabert über düstere Friedhöfe und man meint förmlich die Kälte und Düsternis greifen zu können. Auf diesem Gebiet war Hammer einfach unschlagbar.
Unbestritten der größte Garant für den Kultstatus und Erfolg des Films ist aber die nahezu perfekte Besetzung der beiden tragenden Rollen mit den wohl größten Stars der Hammerstudios, die auch schon in „Curse of Frankenstein“ gemeinsam vor der Kamera agierten. Christopher Lee und Peter Cushing waren zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits seit Jahrzehnten als Schauspieler tätig und konnten so nicht nur eine große Erfahrung einbringen, sie konnten auch die Rollen mit Leben füllen. So gelang es Christopher Lee mit seiner Vorstellung als Graf Dracula wohl für immer als DER Vampir gesehen zu werden. Er hat dieser Rolle mit seinem puren Auftreten (seine Dialoge beschränken sich auf wenige Worte) und seiner puren Präsenz zu einer der herausragendsten Figuren der Filmgeschichte gemacht. Auch wenn viele Bela Lugosi als den klassischen Vampirdarsteller sehen, so muss man Lee doch ganz klar zu gestehen, das er der Rolle eine enorme Düsternis abgewinnen konnte und sich mit dieser Vorstellung selbst ein Denkmal gesetzt hat.
Gleiches kann man auch für Peter Cushing festhalten. Nachdem er mit seiner leicht arrogant und very british wirkenden Art zuvor schon der Figur des Dr. Frankenstein neues Leben eingehaucht hat, gelingt es ihm hier als kühler, immer logisch denkender Van Helsing, eine seiner wohl besten Leistungen abzurufen. Auch wenn er die Rolle in den folgenden Jahren noch oft spielen sollte, so einen beeindruckenden Vampirjäger sucht man doch vergebens.
„Dracula“ ist auch heute, da er auf sein 50.Jubiläum zu geht, noch immer eine der besten Verfilmungen der Romanvorlage. Der Film ist kurzweilig, gruselig, atmosphärisch, bietet zwei herausragende Akteure, er ist blutig, tricktechnisch auch heute noch faszinierend und einfach auch unglaublich unterhaltsam. Terence Fisher ist hier mit Tatkräftiger Unterstützung der Herren Lee und Cushing ein zeitloser Klassiker gelungen, den man sich immer wieder gerne ansieht und sich doch nie langweilt. Daher 9,5 von 10 Punkten.