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Jonathan Harker erreicht nach langer Reise das entlegene Schloss Draculas, um als Bibliothekar bei diesem zu arbeiten. Insgeheim ist sein Plan ein anderer, nämlich der Schreckensherrschaft des Vampirfürsten ein Ende zu bereiten. Der Überraschungsmoment hält sich in Grenzen, denn eine junge Frau, die ihn um Hilfe bittet, entpuppt sich ebenfalls als Vampir und der gutgläubige Harker wird, ohne dass man es schlüssig im Zweikampf sieht, von Graf Dracula zu einem weiteren Geschöpf der Nacht gemacht. Dessen Blutdurst erstreckt sich im weiteren Verlauf auf die Heimat Harkers, wo auch die Braut Lucy als Ziel der vampirischen Begierde lebt, dazwischen stellt sich der unerschrockene Wissenschaftler Van Helsing, soweit zur gemeinhin bekannten Story. Die fußt nur in Grundzügen auf Bram Stokers Buch und nimmt sich so manche Freiheit heraus, um allerdings im Kern die emotionale und sexuelle Komponente betont zu übernehmen. Christopher Lee, der im Übrigen im gesamten Mittelteil gar nicht in Erscheinung tritt, spielt zum ersten Mal die Rolle, mit der er berühmt werden sollte, nämlich die vom Frauen verschlingenden Blutsauger. Sehr gentlemanlike wie in einigen Fortsetzungen, wirkt er noch nicht so recht, wenn er eine Nebenbuhlerin im Streit um die Halsschlagader durch den Raum schleudert, Lee hat sichtlich noch nicht sein erhabenes Spiel späterer Jahre parat. Davon abgesehen bleibt dieser Klassiker des Genres über weite Strecken harmlos in der Darstellungsweise, gewiss nicht für die Entstehungszeit, doch heute zu Recht ab 12 Jahren freigegeben. Lee hat zwar oftmals Blut in den Mundwinkeln, doch der düstere Gothictouch ist bei weitem noch nicht so ausgeprägt, wie etwa in einigen Sequels, die Aufarbeitung für das Kino durch Drehbuchautor Jimmy Sangster wirkt aus heutiger Sicht nicht nur anheimelnd altmodisch, sondern auch etwas naiv, sowohl bei den Gewaltakten, als auch in der Dramaturgie. Der Zwist um das Leben der Frauen in Harkers Umfeld ringt dem Betrachter so manches Schmunzeln ab, wenn die Regeln zur Vampirjagd abgeklopft werden und Knoblauch, Kruzifix und Holzpflock zum Einsatz kommen. Die grandiose Ausstattung in den Hammer Studios sorgt auch für wohlig nostalgisches Gruselflair, gefilmt in Technicolor ein Kammerspiel, das mit kleiner Besetzung große Wirkung erzielt. Ein Produktionsteam, das schon ein Jahr vorher mit "Frankensteins Fluch" großen Erfolg hatte, brachte nun endlich die beiden Größen und zukünftigen Aushängeschilder der Hammer Filme Christopher Lee und Peter Cushing als Dracula und Van Helsing zusammen, ein Traumduo, dem es zuzusehen noch immer Spaß macht.

Fazit: Terence Fisher läutet mit dieser Adaption des weltbekanntesten Vampirs eine neue Ära im Genrefilm ein, der Anfang einer bezaubernden Hammer Serie für die kalten Winterabende. 7/10 Punkte

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