Review

Was muss man zu diesem Hammer - Werk, im wahrsten Sinne des Wortes noch schreiben? Wahrlich nichts, denn kennen tut den prägenden Christopher Lee Dracula ohnehin jeder und auch die dort vorzuweisenden Reviews, nehmen alles nahezu vorweg, was diesen klassischen, aber dennoch genauso zeitlosen Gruselklassiker so ausmacht. Dennoch bedarf es einer minimalen Auffrischung, schliesslich wurde ihm, aufgrund passender Jahreszeit, auf dem Vierten eine Wiedergeburt gehuldigt.

Bereits zu Beginn macht sich der stetig typische Hammercharme breit, denn allein die Anfangssequenz, die Reise des Jonathan Harker umgeben dieser trostlos kalten Gegend versprüht schon eine derartige Kälte, dass der geneigte Filmfan, mulmig verpackt im warmen Sessel, selbst dann noch zu frieren beginnt. Es ist untertrieben zu sagen, dass Hammers Verfilmung ein klarer Schritt in Richtung modernes Horrorkino war, schliesslich prägten sie in den Folgejahren bis zum tragischen Ende Mitte der 70er Jahre eine komplette Filmgeschichte und ein klassisches Genre des wohlwollig kaltblütigen Grusels: dem Gothichorror.

The Horror of Dracula steigt dann ohne jede Vorgeschichte ins Geschehen ein, da bedarf es auch ohnehin nicht lange, bis der erste Biss fällt, auch wenn sich des Grafen Edelmut am Anfang recht bizarr auftut. Davon konnte sich Harker letztendlich blenden lassen, denn er wird freilich Opfer Draculas Untertanin, die so auch die Dominanz weiblichen Charmes verkörpert. Den weiteren Verlauf sollte man kennen, auch wenn man hier gewisse Vorlagen des Bram Stokchen Romans aussen vorlässt. Der fliegenfressende Verrückte fehlt indessen komplett, macht aber nichts, denn Dracula überzeugt auch so, mit einer lockeren Inszenierung, auch wenn das heute, gefühlte 51 Jahre und unzählige Neuverfilmungen danach, allzu abgedroschen und altbacken wirkt.

Die Atmosphäre passt, denn die düsteren Kulissen und nebelbehangenen Wälder sorgen für die reichlich angebrachte Kühle, wobei bisweilen der Zuschauer durch zeitlich recht untypische und aufgrund der laschen FSK 12 Ausgabe explizite und blutige Details überrascht wird. Drastisch ist das Ganze, natürlich für sein Alter schon, zumindest ist es der erforderliche Leckerbissen, der den anfänglich recht human, dennoch unheimlich wirkenden Dracula intensiver und auch als solches, als Vampir wirken lässt. Blutunterlaufende Lippen, Blutverschmierte aufgespitze Zähne, eine Mimik direkt aus der Hölle umhüllt von dem Schleier der Kälte, die sich selbst auch so bemerkbar macht. Christopher Lee's (HDR Saroman) Verkörperung Draculas ist dabei exzellent und füllt bisweilen das aus, was Darsteller wie Bela Lugosi eher unfreiwillig komisch rüberbrachten. Und allgemein gesehen, ist Dracula in seiner Zeigung diverser Anhaltspunkte dem reichlich biederen und der Selbstzensur verfallendem Dracula (1931) reichlich übelegen, denn bisweilen sehen wir die nötigen Details wie blutige Bisswunden und butige Pfählungen. Doch allein die Endszene wirkt in Anbetracht des Filmalters schon beachtlicht, denn Dracula verfällt recht schick in Szene gesetzt zu Staub, wodurch sein Körper Schritt für Schritt verdürrt und schrumpelt. Und damit wär auch wieder Alles gesagt, was zu sagen wäre, der Inhalt des Romans und seine typischen Schematas sind ohnehin allgegenwärtig.

Fazit:
Zeitlose, aber unter heutigen Gesichtpunkten, reichlich abgedroschene Verfilmung, die mit der Hammertypischen düstergrauen Atmosphäre des Gothicflairs punktet und zwei Darsteller an Bord hat (Christopher Lee & Peter Cushing), die so nicht hätte besser verwendet werden können. Ein Must See der Filmgeschichte, auch obwohl der Vorhersehbarkeit.

80%

Gore - O - Meter: 31%

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