Jonathan Harker verschafft sich durch eine Lüge Zutritt zum Schloss des Grafen Dracula. Als Bibliothekar getarnt versucht Harker Dracula aus der Welt zu schaffen. Das misslingt jedoch und Dracula sinnt auf Rache, da Harker noch eine Gefährtin des Grafen töten konnte. Dracula macht sich auf den Weg, um Harkers Braut Lucy zu einer Vampirin zu machen.
Dr. van Helsing, ein Freund Harkers, kommt der Sache jedoch auf die Spur und sucht nun in der ganzen Stadt nach Dracula...
Wie man schon an der Inhaltsangabe sehen kann, ist diese Dracula Adaption relativ frei und die Autoren haben die ein oder andere großzügige Änderung vorgenommen. Auch das Schloss des Grafen muss recht nahegelegen sein, kann er doch im Finale mit einer Kutsche dorthin fliehen.
Nachdem die Hammer Studios mit ihrer Interpretation von Frankenstein einen beachtlichen Erfolg landeten, machte man sich an eine (durchaus gelungene) Neuadaption von Dracula. Verkörpert wird der bekannte Blutsauger von Christopher Lee, der den Vampir so nachhaltig darstellte, das er selbst heut noch darauf angesprochen wird und das obwohl Dracula Maximum 4-5 Sätze zu Beginn spricht. Der Rest wird alleine durch Lees Mimik "getragen". Das der Gute wesentlich mehr auf dem Kasten hat, sollte man nach seinen unzähligen Filmen wissen.
Lee ist die perfekte Besetzung für diese Rolle. Hünenhaft, kühl und diabolisch dreinschauend übertrifft er sogar den ersten offiziellen Dracula Darsteller Bela Lugosi, der den Grafen in den 30er Jahren verkörperte (den grandiosen Max Schreck in der inoffiziellen Draculaverfilmung "Nosferatu" von 1922 lasse ich mal außen vor).
Bei der Auswahl des Gegenparts hat man zum zweiten Mal ein hervorragendes Händchen bewiesen, indem man die Rolle des van Helsing an Peter Cushing vergab. Auch er ist mit der Rolle des Dr. untrennbar verbunden und macht seine Sache fabelhaft. Der Soundtrack arbeitet passend von ruhig und beunruhigend bis zu peitschenden Rhythmen, wenn "Action" angesagt ist.
Die Kulisse und das Ambiente verbreitet eine wunderbare gruselige und gothische Stimmung, wobei alles etwas düsterer hätte sein dürfen.
Ab und an fließt sogar etwas Blut und ein paar, inzwischen leicht angestaubte, Effekte wurden platziert. Ein Manko ist für mich die recht straffe Inszenierung, die auch kaum Zeit lässt die Charaktere aufzubauen. Dadurch wirkt das Handeln der Personen oft nicht nachvollziehbar. Dazu fehlt eben noch die letzte Schippe Düsternis.
Dieser Dracula ebnete den Weg für etliche Nachfolger, wenn auch ein Erfolg aus heutiger Sicht weniger nachvollziehbar erscheint. Das Publikum damals Ende der 50er Jahre musste aber wohl recht geschockt gewesen sein und somit folgten noch weiter (teils bessere) Fortsetzungen mit dem Grafen Dracula.
Für Hammer Fans und Freunde klassischer Grusel- und Horror streifen ein Muss, für viele aber ist diese Dracula Verfilmung sicher etwas zu angestaubt (inzwischen auch mit einer Einstufung FSK 12). Trotzdem ist der Film mit seiner kurzen Laufzeit immer mal wieder ein netter Grusler, den man sich auch bei einem geselligen Abend mit Gleichgesinnten gönnen kann.