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DIE UNBEKANNTE beginnt wie ein hochwertiger Giallo und sofort wird man an diverse Großmeister dieses Genres erinnert. Das dauert allerdings nicht lange und der Film entwickelt eine ganz eigene Bildsprache, die wie unten erklärt nicht immer zu seinem Vorteil gelingt. Aber die Geschichte an sich ist sehr gut und unverbraucht, relativ komplex und mit einer Reihe von unvorhersehbaren Wendungen gestaltet, so dass ich DIE UNBEKANNTE für Thrillerfreunde mit Hang zu besonderen Stories und expliziter Härte durchaus empfehlen kann.

Die Geschichte (OHNE SPOILER!) von Irena aus der Ukraine mit einer schrecklichen Vergangenheit die mit seltsamen Methoden versucht einen Job bei einem reichen Paar zu bekommen, wirkt aber trotz der guten genannten Punkte etwas überkonstruiert und kann auch einige Längen nicht vermeiden. Dennoch wird man im Laufe der Handlung immer mehr sogartig in das Geschehen einbezogen und will dann natürlich auch wissen  wie es weitergeht.

Aus formalen und stilistischen Gründen überzeugt mich DIE UNBEKANNTE überhaupt nicht. Ständig wird man mit im Verhältnis zu lauter und viel zu dramatischer Musik berieselt, die einen fast eher aus dem Geschehen rausholt. Zusätzlich versucht man noch mit brachialen Soundeffekten hier und da unnötigerweise emotionale Schauer zu erzeugen. Weniger wäre hier mehr gewesen und man sich mal bei Michael Haneke dazu beraten lassen.

Desweiteren wird die eigentlich sehr gute und ruhige Kameraführung durch plötzlich eintretende blitzartige Schnitte zu den Rückblenden und anderen Motiven immer wieder unterbrochen und passt sich nicht stimmig zum Rest des Films. Dies wird auch im Rahmen der vielen Rückblenden so inflationär genutzt, dass es schon fast abstößt und für mich seine Wirkung ins Gegenteil verkehrt. Diese formalen Dinge ändern aber nichts daran, das DIE UNBEKANNTE ein interessanter und etwas außergewöhnlicher Thrillerbeitrag ist der hiermit eine zarte Empfehlung bekommen soll.

6/10 Punkten

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