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Die fünf Teenager werfen sich lachend in ihr motorbetriebenes Schlauchboot und brechen Richtung Sonnenuntergang zu ihrem kleinen Abenteuer auf. Doch rasch folgt für Mike (Clay Rogers), Bobby (Michael Bon), Margareth (Sharon Twomey), Dorothy (Laura di Palma) und Julie (Ann Wolf) die Ernüchterung. Das Benzin ist alle! So treiben sie hilflos im Meer weit vor der Küste Miamis, die Nacht ist hereingebrochen, und dann setzt auch noch so starker Regen ein, daß sie mit dem Wasserschöpfen fast nicht mehr nachkommen. Daß neben ihrem Boot eine übel zugerichtete Leiche auftaucht, hebt die Stimmung auch nicht wirklich. Da sehen sie die Rettung plötzlich vor sich. Ein Forschungsschiff des Oceanographic Research Institutes! Flugs klettern sie an Bord und stellen fest, daß der Kahn scheinbar verlassen ist. Die in Behältern, in Gläsern und im Kühlschrank aufbewahrten Fischmutationen lassen auf merkwürdige Experimente schließen, doch davon läßt sich unser Quintett erstmal nicht beunruhigen und tut das, was wohl ein jeder in ihrer Situation tun würde. Sie lassen eine Party steigen, trinken Wein und schlagen sich die Bäuche voll. Leider entgeht ihnen, daß sie von irgendjemand oder irgendetwas beobachtet werden. Und dabei handelt es sich nicht um den völlig verstörten Wissenschaftler Clark (Deran Sarafian), den sie zufällig in einem Versteck finden. Etwas Seltsames geht auf diesem Schiff vor. Und daß sich eines der Mädels nach Verzehr von Fisch die Seele (und noch so einiges mehr) aus dem Leib kotzt, ist nur der Beginn einer Nacht des Schreckens.

Spätestens wenn Mike den irren Wissenschaftler (in der amerikanischen Synchronfassung) mit ernster Miene fragt, "Professor, how long you have been fucking fish?", und dieser sich ungerührt rechtfertigt, "They were old enough!", sollte selbst dem letzten Zweifler klar sein, daß man bei Al Passeris Plankton keine herkömmlichen Maßstäbe anlegen sollte. Anfangs zählt diese fischige Sause noch zur Gattung der Dümpler. Der Streifen dümpelt mehr oder weniger ziellos dahin, hält den Zuschauer mit Andeutungen (es gibt immer mal wieder kurze, nicht sonderlich aufschlußreiche Zwischenschnitte auf das, was auf dem Schiff passiert ist), netten POV-Sequenzen (mit einer Fischaugenlinse), spärlich bekleideten Babes (Bikinis), selbstzweckhaften Boob-Shots (es wird geduscht), hirnverbrannten Dialogen (nahezu alles, was aus Bobbys Mund kommt) und lachhaft bescheuertem Verhalten (und wieder Bobby, besonders wenn er einen auf cool macht) bei Laune. Dazu kommen die grausig schlechten Darbietungen der Schauspieler-Imitatoren, welche den Unterhaltungswert beträchtlich steigern. Folgerichtig war es für vier der fünf Teenager-Darsteller der erste und einzige Auftritt vor einer Filmkamera; lediglich die hübsche Irin Sharon Twomey (A Fish Called Wanda) konnte noch ein paar weitere Credits sammeln. Ich habe ja den Eindruck, daß es am Set dieses unfaßbaren Machwerkes vor Dilettanten nur so wimmelte, was aber überhaupt nicht schlimm ist, da sie alle offensichtlich mit viel Herz und spürbarem Enthusiasmus bei der Sache waren. Zwei Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann.

Ja, Plankton dümpelt lange Zeit recht launig dahin, bis so gegen Mitte, als plötzlich ein scheinbar toter Fisch aus einem Glasbehälter der geschockten Margareth nach einem kurzen Sondierungsflug zielsicher an die Gurgel hopst und sich dort festbeißt! Das ist quasi der Startschuß für ein sensationell durchgeknalltes Schlockfest der Spitzenklasse. Passeri entledigt sich seiner Zurückhaltung wie eines alten, zerschlissenen Mantels und zündet ein fast schon monumentales Trashfeuerwerk, welches selbst bei erfahrensten Trashologen für offene Münder, entgleiste Gesichtszüge und verschämte Tränen des Glücks sorgen sollte. In einer lupenreinen WTF-Szene verwandelt sich Bobby während dem Sex in ein groteskes Fischmonster. Seine blonde Fickpartnerin Julie quittiert diese bizarre Transformation (die man mit eigenen Augen sehen muß, um sie zu glauben) mit Gekreische, was durchaus nachvollziehbar ist, woraufhin Bobbys linkes Auge aus der Höhle flutscht und in ihrem offenen Mund landet. Selbst nachdem die Arme in die Bewußtlosigkeit gedriftet ist, vögelt die Bobby-Kreatur wie besessen weiter. Aber dieses wilde, perverse Set-Piece ist nur eines von zahlreichen dubiosen Highlights. Weiters darf man bestaunen: ein vollautomatisiertes Badezimmer, das verrücktspielt; eine Blitzschwangerschaft mit darauffolgender "Geburt"; mörderische Tentakelaction; einen angepißten Burschen im sinnlosen Zerstörungsrausch; schleimtriefende Monster; viel Gekreische; tragische Wendungen; lustiges Stop-Motion & lausiges CGI; schmerzhafte Wahrheiten (Sie: "I have to go to my sister" - Er: "You have no more sister!"); und noch so einiges mehr.

Der Regisseur dieses wahnwitzigen Creature Features all'italiana heißt Al Passeri (aka Alvaro Passeri), und wenn man sich Plankton zu Gemüte führt, so muß man dem guten Mann attestieren, daß er das Zeug gehabt hätte, eine Laufbahn à la Bruno Mattei (1931 – 2007) einzuschlagen. Dazu ist es leider nicht gekommen. Er drehte mit The Mummy Theme Park (Die Mumie schlägt zurück, 2000) und Flight to Hell (2003) noch zwei weitere Filme, dann hängte er seine Regiekarriere an den berühmten Nagel. Wenn man der Internet Movie Database Glauben schenken kann, dann arbeitete Passeri bei Jesus of Nazareth (Jesus von Nazareth), I predatori di Atlantide (Atlantis Inferno), I guerrieri dell'anno 2072 (Die Schlacht der Centurions), Donne con le gonne, Chicken Park, Nuovo Cinema Paradiso (Cinema Paradiso) und der TV-Serie Quo Vadis? in den Bereichen Produktionsdesign, Spezialeffekte respektive Animation mit. Hartnäckig hält sich zudem das Gerücht, daß Filmemacher Massimiliano Cerchi (Brainmaster, Satan Claus, Carnage Road, Hellbilly...) und Al Passeri ein und dieselbe Person seien. Trotz Recherchen im Netz kann ich dieses Gerücht nicht entkräften, tendiere aber stark zu der Annahme, daß dem nicht so ist. Erwähnen möchte ich noch, daß der Wissenschaftler Clark von Deran Sarafian gespielt wird, der bereits einige Jahre zuvor eine recht erfolgreiche Regielaufbahn einschlug. Auf sein Konto gehen z. B. Alien Predators, Interzone, To Die For, Terminal Velocity und The Road Killers. Außerdem drehte er fleißig fürs Fernsehen und inszenierte die eine oder andere Episode von TV-Serien wie Buffy the Vampire Slayer, Cold Case, House M.D., Lost und The Strain.

Das Drehbuch zu diesem ungeheuerlichen Spektakel stammt von einem gewissen Richard Baumann; es blieb leider sein einziger literarischer Erguß, der es zu filmischen Ehren schaffte. Sehr schade, wie ich finde, wobei es unklar ist, ob die genial-bescheuerten Einfälle dieses Heulers auf sein Konto gehen, oder ob diese doch erst beim Drehen auf Signore Passeris Mist gewachsen sind. Auch kann ich nur mutmaßen, ob man sich heimlich an halluzinogenen Pilzen vergriffen hat oder nicht. Es ist allerdings schwer vorstellbar, wie man sonst z. B. auf eine niedlich-scheußliche Wanduhr kommt, welche die Vorbeigehenden unaufhörlich mit blöden Kommentaren nervt. Auch die Idee mit der Duschkabine, in der eine Frau auf einem Videobildschirm den Benützer ermuntert, doch mal ein wenig zu masturbieren, kommt üblicherweise nicht aus heiterem Himmel. Al Passeri und Richard Baumann haben mit Plankton jedenfalls ein fischig müffelndes Trashfest von kolossalen Ausmaßen geschaffen, das zum Lustigsten, Irrsten und Unterhaltsamsten zählt, was in Italien während der 1990er-Jahre auf Zelluloid gebannt wurde. Wer also unvergeßliche Kracher wie Andrea Bianchis Le notti del terrore (Die Rückkehr der Zombies), Bruno Matteis Rats - Notte di terrore (The Riffs III - Die Ratten von Manhattan), Umberto Lenzis Le porte dell'inferno (Gates of Hell) oder Claudio Fragassos Troll 2 abfeiert, der sollte sich auch diese turbulente Achterbahnfahrt durch Schlockhausen auf keinen Fall entgehen lassen.

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