Und eine weitere Runde, in der ich im Oeuvre des Psycho-Drehbuchautors Joseph Stefano herum schaue und diesmal hab ich endlich wieder einen kleinen Edelstein an der Hand.
„Home for the Holidays“, produziert 1972, war ebenfalls einer der „ABC Movie of the Week” und damit kein wirklich großes Ding, gewann aber durch eine glückliche Kombination zweier Elemente: man hatte einen mehr als namhaften Cast zusammen gesucht und Stefanos Skript beschrieb einen klassischen Slasher vom Reißbrett, wie man ihn sich schon in den seligen Closed-Space-Mysteries der 30er nicht besser hätte wünschen können.
Der gerade mal 74minütige Thriller erzählt verdichtet von einer unheilvollen Familienzusammenkunft am Vorweihnachtsabend im etwas abgelegenen Landhaus der Morgans. Familienpatriarch Ben hat seine vier Töchter zu sich geladen, weil er seine zweite Ehefrau Elizabeth verdächtigt, ihn vergiften zu wollen – so wie sie es auch schon mit ihrem ersten Mann getan haben soll. Und so versammeln sich äußerst widerstrebend vier unterschiedliche Frauen am Kranken/Totenbett: die sich kümmernde Alex, die bereits mehrfach geschiedene Jo, die psychisch schon komplett angeknackste Frederica und das Nesthäkchen Chris.
Die Situation ist klassisch schlecht, denn die Damen haben ihre eigene Mutter ebenfalls verloren, durch Suizid, für den sie den eigenen Dad verantwortlich machen – und dass die geradezu unnatürlich ruhige Elizabeth ihnen das Essen serviert, macht die Sache auch nicht angenehmer.
Dazu verweigert sich Ben einer Untersuchung durch den netten Landarzt, den Chris anhimmelt und ums Haus tobt die Mutter aller Starkregenstürme los.
Was fehlt da noch? Na klar, der geheimnisvolle Unbekannte im gelben Regelmantel und roten Gummistiefeln, der hier exakt nach 30 Minuten erstmals in die Vollen geht und das mit einer Mistgabel.
Natürlich haben wir es hier nicht mit einem Proto-Gore-Schmuckstück zu tun, dafür waren TV-Filme viel zu restriktiv, aber nachdem die Damen sich inhaltlich mehr als uneinig waren, gibt es noch mehr Tote, ehe nun wirklich niemand mehr jemandem vertraut.
Dabei ist der Cast die eigentliche Bombe, die hier gezündet wird: als der alte Ben hat Oscargewinner Walter Brennan eigentlich nur liegend herzlich wenig zu tun, aber seine Töchter machen einiges her. Herzchen Chris wird gegeben von einer noch backfrischen Sally Field, während die tätige Alex von Eleanor Parker gegeben wird, die seit Kriegsende vom Film Noir bis zum klassischen Hollywooddrama alles abgeräumt hatte. Jill Haworth hatte im Film nicht so viele namhafte Rollen, aber ihre zickige Jo lockert die Dialoge alle enorm auf und als die delirische Freddie darf Jessica Walter von der Kette, die im Jahr zuvor in „Sadistico“ um ein Haar Clint Eastwood den Hahn zugedreht hätte. Das Sahnehäubchen aber ist das Casting von Julie Harris als Elizabeth, der man nicht erst seit ihrer „Eleanor“ aus „Bis das Blut gefriert“ den „nutcase“ unterstellen möchte, sobald sie ihren strapazierten Blick auf die Szenerie wirft.
Wegen der kurzen Lauflänge legt der Film ein beachtliches Tempo vor, spielt innerhalb einer 24-Stunden-Phase und über weite Strecken auf begrenztem Raum, ehe Sally Field im letzten Drittel noch ein paar Abenteuer im Wald erleben kann.
Ein wenig uneinheitlich sind die üblichen „Day-for-Night“-Aufnahmen mit Blaufilter, die nicht so zielsicher eingesetzt werden und das Finale, welches im Gegensatz zur flotten Hysterie einen ungewöhnlichen Schlusstwist setzt.
Wer einigermaßen mit Figuren spielen kann, ahnt natürlich lange vorher, wer hier der Killer ist und vielleicht auch warum, aber das schmälert das Vergnügen kaum: „Home for the Holidays“ ist ein hübscher kleiner Thriller, der sein Publikum über die volle Laufzeit ohne große Längen bei der Stange hält und ein gerüttelt Maß an Atmo, Spannung und Suspense mitliefert. Und wenn dann mit genervtem Blick das Motiv vor Polizei, Überlebenden und Zuschauern ausgebreitet wird, dann wirft das auch fünfzig Jahre später wieder einen geradezu prophetisch-kritischen Blick auf eine stark belastete Berufsgruppe. Freundliche 8/10!