Eine Edelnutte droht damit, ihre angesehenen Kunden wie Richter und Politiker zu outen.
Mit entsprechender Dramaturgie ausgestattet, ließe sich daraus ein solider Polit-Thriller basteln, doch herausgekommen ist ein TV-Krimi, der von Beginn an nicht packt.
Es fehlt an Brisanz und anständiger Figurenkonfiguration, aber auch an Glaubwürdigkeit.
Möglicherweise inspiriert durch einen Fall Mitte der 90er, als die Edelhure Heidi Fleiss verhaftet wurde und damit ihre Kundenkartei mit namhaften Hollywoodschauspielern drohte, an die Öffentlichkeit zu gelangen.
Hier sind die Kunden Richter des obersten Gerichtshofs, Politiker und sogar der Gouverneur soll sich bedient haben lassen.
Ihre Dienstleistungen hat Edelhure Gabrielle (Mädchen Amick) stets heimlich mitgefilmt, nach einem von ihr arrangierten Polizeieinsatz landen die Bänder und die Liste der potentiellen Kunden bei dem frisch beförderten Gerichtspräsidenten Miller (Ryan O`Neal).
Dieser steckt nun in der Bredouille, soll er seinen Freunden und Berufskollegen die Existenz zerstören oder gewissenhaft seine berufliche Pflicht erfüllen.
Als der erste Richter ermordet wird und auch Miller und seine Familie Drohungen erhalten, wird die Zeit knapp.
Da sind also sämtliche Leute in gehobenen Positionen korrupt und jeder ist bei der besagten Edelnutte gewesen, - ohne Ausnahme, die muss auf ihrem Gebiet also richtig doll sein.
Zumindest spricht eine recht frühe Szene dafür, als ein fettleibiger Richter sich einem masochistischen Spiel hingibt und ein Schmunzeln beim Zuschauer nicht ausbleibt.
Das ist allerdings auch, - so armselig die Tatsache ist – der einzige Höhepunkt, den die Handlung hervorbringen kann.
Da werden zahlreiche Namen in den Storytopf geworfen, es wird kräftig umgerührt und am Ende kann man nahezu alle Figuren vergessen, da kaum einer von ihnen einen Einfluss auf den Verlauf hat.
Hier und da werden ein paar Verdachtsmomente gestreut, etliche Male beraten sich die Richter am Diskussionstisch und nicht selten wird ein Blick in Richter Millers Familienleben geworfen, was grundsätzlich mit Langeweile verbunden ist.
Zwar gibt es gegen Ende noch einen Plot-Twist zu vermelden, aber der lässt sich bei genauerem Hinsehen vorausahnen und der Showdown fällt entsprechend unspektakulär aus.
Einen großen Anteil am Misslingen dieses Thrillers tragen neben der lahmen Inszenierung auch die Darsteller bei.
Mädchen Amick agiert lustlos und ist in der Rolle der Edelnutte absolut unterfordert, bemüht sich jedoch auch nicht, ihrem Part etwas Besonderes zu verleihen.
Nicht besser steht es um Ryan O´Neal, den ich seit „Love Story“ eigentlich nicht mehr wahrgenommen habe. Den müssen sie irgendwo ausgegraben haben, denn die Schauspielerei hat er inzwischen weitestgehend verlernt und hölzert unbeholfen durch die Gegend.
Irgendwie war mir mal wieder nach so einem Film, der dreckige Machenschaften hoher Tiere aufdeckt. Aber weder das Schicksal der Herren Richter, noch das der Hure ging mir in irgendeiner Form ans Herz.
„The List“ ist alles andere als brisant, die Dramaturgie verheddert sich früh in zu viele oberflächliche Charaktere, die allesamt zu ruhig agieren.
Schlicht und ergreifend: langweilig.
3 von 10 Punkten