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„True Romance“ ist eine eigenwillige Kombination, aber sie funktioniert: Auf der einen Seite die Regie von Actionspezialist Tony Scott, auf der anderen Seite das Script von Quentin Tarantino, das wiederum auf Ideen seines Kumpels Roger Avary basiert.
Clarence Worley (Christian Slater) ist schon direkt als ein Alter Ego Tarantinos zu erkennen: Ein medienbegeisterter Sonderling, der in einem Comicladen arbeitet, Unmengen an Filmen kennt und totaler Elvisfan ist. An seinem Geburtstag feiert er auch, indem er in ein Sonny Chiba Triple Feature geht. So erweisen sich die ersten Minuten auch als die persönlichsten, ehe der Film Clarence zu einem typischen, eher unglaubwürdigen, weil zu coolen Tarantino-Charakter macht.
Im Kino lernt Clarence auch Alabama (Patricia Arquette) kennen verbringt die Nacht mit ihr. Anschließend beichtet sie ihm, sie sei ein Callgirl und sei als Geburtstaggeschenk von seinem Chef zu ihr geschickt worden. Doch sie habe sich in ihn verliebt. Da der gute Jung auch so empfindet, wird flugs geheiratet, die titelgebende wahre Romanze hat begonnen und man kann endlich in den Thrillerpart einsteigen.

Clarence will Alabamas Zuhälter Drexl Spivey (Gary Oldman) noch verklickern, dass sie jetzt frei ist, doch der reagiert gewalttätig, worauf Clarence ihn erschießt. Dabei fällt dem Paar ein Riesenkoffer Heroin in die Hände, den sie in Los Angeles verkaufen wollen, um sich ein besseres Leben zu ermöglichen. Allerdings sind auch Gangster, denen das Zeug eigentlich gehört, bald hinter ihnen her…
Die verschiedenen Stile Scotts und Tarantinos machen sich in „True Romance“ bemerkbar, jeder auf seine Weise. Tony Scott zeigt sich vor allem für die schmissige Inszenierung verantwortlich, zelebriert Gegenlichtaufnahmen ebenso wie Zeitlupen und verleiht dem Film seine typische Ästhetik. Für den Fan derartiger Streifen natürlich ein echter Leckerbissen, denn die Inszenierung macht wirklich Laune und wird noch von einem erstklassigen Soundtrack unterstützt. Dabei tönen, passend zu Clarence’ Musikvorlieben, vor allem Rockklänge, die alle wunderbar gewählt sind (besonders toll: Billy Idols „White Wedding“ kurz nach der Hochzeit von Clarence und Alabama).

Ebenso typisch für Tony Scott sind die erstklassigen Actionszenen, die hier allerdings etwas dünner gesät sind als z.B. in „Last Boy Scout“ oder „Der Staatsfeind Nr. 1“. Doch wenn es einmal rundgeht, dann ordentlich: Blutige Shoot-Outs in Zeitlupe und derbe Zweikämpfe bis aufs letzte, wobei weder das eine noch das andere sonderlich zimperlich ist. Die meisten Szenen sind eher kurz, aber dafür fällt das geniale Final-Shoot-Out umso exzessiver aus.
Eindeutig Tarantino hingegen ist die Gangstergeschichte, die zwar nicht sonderlich wendungsreich ausfällt oder Hochspannung bietet, aber auf ihre geradlinige, simple Weise doch sehr kurzweilig ausfällt. Autor Tarantino und Regisseur Scott drücken kräftig auf die Tube, sodass keine Langeweile aufkommt und gestalten die Reise des Liebespaares durch Scotts Inszenierung und Tarantinos coole Einfälle abwechslungsreich und recht packend.

Neben der Geschichte schlägt sich Tarantinos Einfluss vor allem in den Dialogen nieder: Ständige Anspielungen auf die Popkultur, möglichst coole Sprüche und derber Wortwitz. Vor allem gelungen sind der Dialog von Drexl und Big Don (Samuel L. Jackson) sowie das Rededuell zwischen Vincenzo Coccotti (Christopher Walken) und Clarence’ Vater Cliff (Dennis Hopper), in denen Tarantino seine Fähigkeiten als Schreiber cooler Wortwechsel voll auslebt.
Von der Besetzung her ist „True Romance“ zudem eine echte Granate, denn die Stars geben sich die Klinke in die Hand. Einige, wie Samuel L. Jackson und Christopher Walken, haben leider zu wenig Screentime um zu glänzen, aber dafür machen die Hauptdarsteller Slater und Arquette einen sehr guten Job. Gary Oldman ist mal wieder herrlich fies, Michael Rappaport und Tom Sizemore beweisen, dass sie zu Hollywoods besten Nebendarstellern gehören und auch Tarantino-Spezi Chris Penn gibt sich würdig die Ehre. Brad Pitt hat eine kleine, aber eher untypische Nebenrolle, die schon seine beginnende Abkehr vom Schönlingsimage zeigt. Hinzu kommen noch Unmengen anderer bekannter Schauspieler, die auch alle mit viel Lust ihre schrägen Rollen verkörpern.

Man muss freilich gestehen, dass „True Romance“ nicht sonderlich komplex daherkommt, aber trotzdem sehr unterhaltsames Kino bietet, schräger Dialoge und weniger, aber dafür famoser Shoot-Outs sei dank.

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