Christian Slater spielt einen jungen Mann, der sich in ein Callgirl, gespielt von Patricia Arquette, verliebt. Als Slater bei deren Zuhälter, gespielt von Gary Oldman, deren Sachen abholen will, nimmt er versehentlich einen Koffer, gefüllt mit Kokain mit, den er nun zusammen mit einem Freund verkaufen will. Es dauert jedoch nicht lang, bis ihm die Polizei und ein paar gefährliche Gangster im Nacken sitzen.
Auch wenn er nicht selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm und nur die Hälfte des Drehbuchs verfasste, merkt man doch mehr als offensichtlich, dass der Film auf seinem Mist gewachsen sein muss und einmal mehr kann ich mir nicht erklären, wie sein Werk zum Kult avancieren konnte. Die Rede ist natürlich von Quentin Tarantino, dessen Werke mir nie gefallen haben und auch bei diesem Film kann ich mir den Sprung in die vorderen Plätze der OFDb beim besten Willen nicht erklären, da ich mich nicht einmal sonderlich unterhalten gefühlt habe.
Zunächst einmal stören die typischen Tarantino-Dialoge. Sie sind sinnlos, sie sind nervig, sie bremsen den Film aus, nehmen ihm den nötigen Ernst und sind, auch wenn seine Fans das ganz anders sehen würden, schlicht und einfach überflüssig. Die Love-Story um die beiden Hauptfiguren ist sicherlich romantisch und erfüllt im Film ihren Zweck, jeder andere Filmemacher wäre für diese kitschig aufgetischte Liebesbeziehung von Kritikern und Zuschauern zerrissen worden, aber Tarantino darf bekanntlich alles. Die restliche Handlung ist nicht gerade neu, immerhin durften bereits "Bonnie und Clyde" gegen alle anderen ankämpfen und, dass es im Finale schließlich hart auf hart kommen wird ist damit genauso vorhersehbar wie der Ausgang des Films, zumal man ja weiß, dass das Werk von Scott schließlich mit Oliver Stones "Natural Born Killers" weitergeführt werden sollte, der demselben Drehbuch entstammt. Ansonsten wimmelt es im Film von typischen amerikanischen Polizisten und 0815-Gangstern und so sehr ich mich auch bemühe, ich kann dem ach so genialen Skript nicht sonderlich viel Innovation entnehmen, auch wenn manch einer behaupten mag, dass Tarantino die Klischees bewusst verwendet und variiert, um damit etwas Eigenes zu schaffen.
Tony Scot ist ohne Frage ein guter Regisseur, mit einem Auge für fulminante Action, das er schon in "Top Gun" und "Last Boy Scout" zeigte und einem Gespür, sowie einem hervorragenden Timing für gute Gags. Die Action-Szenen sind auch hier sehr ansehnlich geworden, typisch für Scott gekonnt, ohne sonderlich schnellen Schnitt, mit starken Zweikämpfen und bei Gewaltdarstellungen nicht gerade zimperlich in Szene gesetzt, wobei sie in meinen Augen zu sparsam dosiert wurden. Mit Hans Zimmer hatte Scott nach "Tage des Donners" erneut einen hervorragenden Komponisten an seiner Seite und der Score ist, wenn auch vielleicht ein bisschen zu kitschig, typisch für Zimmer einfach klasse und baut anfangs durchaus eine romantische Wohlfühlatmosphäre auf. Wenn man jedoch ein und dasselbe Stück so oft serviert bekommt, wie es bei "True Romance" der Fall ist, nervt es irgendwann, hier wäre ein sparsame Dosierung auf jeden Fall besser gewesen, denn irgendwann ist der Soundtrack schlimmer als Klingeltonwerbung anzuhören.
Das Erzähltempo hält Scott genau richtig, teilweise wirkt der Film vielleicht ein bisschen kurzweilig, aber gehastet wirkt er auf keinen Fall. Dramaturgisch krankt der Film leider an denselben Problemen, wie andere Roadmovies, der Film wirkt teilweise einfach ein bisschen unzusammenhängend und episodenhaft und das kann auch Scott nicht verhindern. Während anfangs noch eine emotionale Wohlfühlatmosphäre erzeugt wurde, hätte diese zum Ende hin einer gespannten Atmosphäre weichen sollen, damit der Spannungsbogen stimmt, aber Scott bekommt die Kurve nicht und spielt lieber noch einmal die altbekannte Musik von Zimmer. Immerhin stimmt die Optik mit einem Hauch von Erotik und dem abwechslungsreichen Kulissenwechsel auf dem Roadtrip, damit ist Scotts Inszenierung auch nicht schlecht, zumal er aus der Vorlage nicht mehr machen konnte, "Last Boy Scout" und "Top Gun" waren in meinen Augen dennoch besser.
Der Cast ist schon beim bloßen Durchlesen sehr beeindruckend, da sich die Hollywood-Stars hier regelrecht die Klinke in die Hand drücken. Christian Slater, der seit "Der Name der Rose" einige Erfahrung sammeln konnte und Patricia Arquette, die vor "True Romance" kaum in Erscheinung treten konnte, geben das perfekte Traumpaar ab und spielen beide locker und sympathisch auf. Die Chemie stimmt offensichtlich und damit ist der eine oder andere romantische Moment sicher, zumal sie mit dieser liebenswerten Art zumindest teilweise Gefühlskitsch verhindern können. Gary Oldman, hier nach seiner Galavorstellung in "Bram Stokers Dracula" zu sehen, macht sich als gemeiner Gangster hervorragend, genauso, wie Dennis Hopper als amüsanter und sympathischer Vater, Val Kilmer als Mentor und Christopher Walken als brutaler Mafioso. Weitere Nebenrollen sind mit Stars wie Brad Pitt, Samuel L. Jackson, Tom Sizemore und James Gandolfini besetzt und so gibt es darstellerisch rein gar nichts zu bemängeln.
Fazit:
Mag ja sein, dass Tony Scotts Action-Romanze den allgemeinen Filmgeschmack trifft, aber ich sehe in ihm nichts Besonderes. Die Story ist frei nach dem Klischee zusammengeschustert, die Inszenierung ist zwar handwerklich einwandfrei, will aber dennoch keine Spannung und keine Atmosphäre erzeugen und auch der gute Soundtrack nervt nach mehrfacher Verwendung, zudem stören mich persönlich einmal mehr die sinnfreien Tarantino-Dialoge. Was bleibt ist der namenhafte und grandios aufspielende Cast, die guten Action-Szenen und die starke Optik.
49%