Auch wenn Tony Scott den Film inszeniert hat, die Handschrift von Quentin Tarantino ist auch hier unverkennbar, gerade wenn man spätere Filme von ihm kennt, nicht zuletzt der großartige "Kill Bill"; auch wenn Tarantino die Story noch zu Videotheks-Zeiten erdacht hat, seinem Stil ist er treu geblieben:
Der Film spielt in einer eigenen Welt, im Grunde ist es wieder die "Film"-Welt, in der auch "Pulp Fiction", "Reservoir Dogs", "Jackie Brown" und "Kill Bill" spielen. Eine Welt jenseits von Realismus, keine Fantasy, kein Märchen, einfach die Tarantino-Welt. Und Clarence Worley ist vielleicht so eine Art Alter Ego von QT, der in eben dieser Welt lebt. Clarence liebt wie QT Elvis, Comics, er arbeitet in einem Comicladen, steht auf asiatische Kampfsportfilme und schaut sich an seinem Geburtstag drei Sunny Chiba Filme an, dem persönlichen Helden von QT, dem er mit "Kill Bill Vol. 1" ein filmisches Denkmal setzte. Clarence orientiert sich an seinen Leinwandhelden und Elvis ist sein persönlicher Mentor, der ihm sagt, ob er recht tut oder nicht, im Grunde ist Elvis sein Gewissen. Wer anderes außer Quentin Tarantino könnte sich so etwas ausdenken, wer könnte so geniale Dialoge schreiben ohne dass sie plump oder langweilig klingen!
Selbstverständlich ist der Big-Kahuna-Burger der beste Burger, natürlich gibt es richtige Explosionen der Gewalt und diese jeweils begleitet von toller Musik, auch wenn hier ein Original-Score vorliegt, der aber großartig von Hans Zimmer komponiert wurde.
In einer Szene schaut Alabame mit Clarence "A Better Tomorrow II" und der Showdown von "True Romance" ist mit all seiner nihilistischen Härte -keiner überlebt außer Clarence, Alabama und Dick- eine Reminiszenz an eben jenen megabrutalen Showdown von John Woos "A Better Tomorrow II".
Auch das von QT geliebte Blaxploitation-Kino findet kurz Erwähnung, "Der Macker" läuft in Drexels Bordell im Fernseher, bevor Clarence Drexel erschießt.
Bis in die kleinste Nebenrolle sind Topstars besetzt und liefern großartige Leistungen ab:
Christopher Walken als Mafiosi und Dennis Hopper als Clarence´s Vater (und Good Guy) liefern sich ein irres Psycho-Duell, an Genialität kaum zu übertreffen ("Sizilianer sind halbe Nigger..."), Brad Pitt schockt als zugedröhnter Kumpel von Dick Ritchie, Gray Oldman als abgefuckter Zuhälter, Samuel L. Jackson in einem Kurzauftritt wird gleich erschossen und Val Kilmer als Gewissen Elvis, als Polizisten überzeugen zudem Chris Penn und Tom Sizemore - einen seiner besten Auftritte hat allerdings James Gandolfini als schmieriger Mafia-Killer.
An dem Film stimmt einfach alles, Musik, Besetzung, Story, auch wenn diese eine Variante des Bonnie&Clyde Stoffes ist, aber nie wurde der Stoff besser verfilmt!
Unbedingt zu empfehlendes kleines Meisterwerk, das jeder Tarantino-Freak nicht nur einmal gesehen haben sollte.
10/10, weil es eine höhere Wertung leider nicht gibt!