Schon mit seinem Debütfilm "Reservoir Dogs" profilierte sich Quentin Tarantino als Meister verrückt-blutiger, aber genialer Unterhaltung, vorzugsweise im Gangster-Genre. Neben seiner Karriere als Regisseur etablierte er sich aber auch als Storylieferant und Drehbuchschreiber. So schrieb er die Storys für die beiden von Setting und Ausgangssituation ähnlich gelagerten Filme "True Romance" und "Natural Born Killers". Und beiden Krachern merkt man ihre Herkunft deutlich an.
So wird in "True Romance" die Geschichte von Clarence (Christian Slater), Fan von Kung-Fu-Filmen, Comics und Elvis, und Alabama (Patricia Arquette), Callgirl, für die er eigentlich nur ein Job sein soll, die sich aber in ihn verliebt, als blutig-brutales Märchen erzählt. Getrieben von fragwürdigen Macho-Attitüden, will Clarence seine Geliebte bei ihrem Zuhälter freikaufen. Die Begegnung endet in einem Mord und plötzlich sind Clarence und Alabama mit einem Koffer voller Drogen auf dem Weg nach Los Angeles - Polizei und Drogenmafia dicht auf den Fersen.
Romantische Szenen, die von zwei einsamen Seelen im Moloch der Großstadt zeugen, die sich finden und einander Halt geben, wechseln sich ab mit harten, fiebrigen Gewaltsequenzen, die zum Großteil von psychopathisch veranlagten Gangsterfiguren getragen werden. Sowohl diese Figurenpsychologie als auch die teilweise extrem vulgären Dialoge zeugen vom typischen Stil ihres geistigen Schöpfers Tarantino.
Doch Regisseur Tony Scott verleiht dem Film auch seine eigene Handschrift. Nicht gerade ruhige aber doch wohl bedachte Kamerafahrten erzeugen ein bedrückendes Bild der jeweiligen Situationen, die von einer grandiosen Darstellerriege dominiert werden: In zahlreichen Nebenrollen tauchen Stars wie Samuel L. Jackson, Gary Oldman, Brad Pitt, Dennis Hopper oder Christopher Walken auf und jeder Einzelne verleiht seiner Figur so viel Überzeugungskraft, dass es ein Genuss ist, ihnen zuzusehen. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei das Dialogduell zwischen Hopper und Walken.
Auch wenn die Story am Anfang ein wenig gedrängt wirken mag, und auch manche Figur zu flüchtig eingeführt wird, bleibt der Film trotz der krassen Gewaltdarstellung und vieler derber Dialoge stets auf hohem inszenatorischen Niveau. Dazu trägt nicht nur die hervorragende Musik von Hans Zimmer bei, die vor allem den ruhigen Liebesszenen eine einfühlsame, verträumte Atmosphäre verleiht, sondern auch die Tatsache, dass Scott wie nebenbei ein Bild des modernen Amerika zeichnet, das radikal mit der Vorstellung vom Amerikanischen Traum bricht: Detroit ist ein einziger Moloch, ständig qualmen im Hintergrund irgendwelche Fabriken, überall liegen Müll und Dreck, die Menschen verkehren beinahe ausschließlich in Ghetto-ähnlichen Gegenden. Und dass in L.A. einige Seitenhiebe auf die korrupte und Koks schniefende High Society abgefeuert werden, ist ja schon beinahe Pflicht.
So erweist sich "True Romance" als einer der abgedrehtesten, wildesten und brutalsten Gangsterfilme seines Jahrzehnts, der trotz allem eine wunderbare Liebesgeschichte erzählt und mit einer irren Starriege beeindruckt. Und die finale Schießerei zwischen allen Parteien ist ein filmisches Glanzstück. Unterhaltsames Gewalt- und Liebeskino, das jeden Freund düsterer Thriller bestens unterhalten dürfte - und Tarantino-Fans sowieso.