Review

Wohin sich die BRD zwischen den Swinging Sixties und den desillusionierten 80-ern entwickelt hat, lässt sich gut an "Jede Menge Kohle" ablesen, der einen Typen ähnlich der Figur des Martin, später Charly, in "Zur Sache, Schätzchen" bzw. dem Quasi-Sequel "Nicht fummeln, Liebling" porträtiert. Während die beiden Superhits des „Jungen Deutschen Films“ ihren Antihelden beim Ausbruch aus der Spießerwelt der Bürgerlichkeit zeigen und bei der Ausgestaltung eines neuen Lebensgefühls, ringt der ganz ähnlich angelegte "Katlewski" in Adolf Winkelmanns Ruhrpott-Posse mit wirtschaftlichen Nöten.
Katlewski wird dabei mit einer Aussteiger-Mentalität gezeichnet, die in unseren Geld- und Karriere-fixierten Zeiten kaum noch nachvollziehbar ist, die leck-mich-an-meinem-dürren-Arsch-Haltung von damals aber gut einfängt.
Das Ganze in feinstem Ruhrpöttisch mit tollen Darstellern wie Hermann Lause, Martin Lüttge und der wundervollen, einzigartigen Tana Schanzara.
Der Film bedient sich dabei eines Tonfalls, dem man als Pottversion des magischen Realismus bezeichnen könnte.
Dadurch, dass die Hauptfigur ständig neue Jobs annimmt, um ihren Kredit abzustottern, entwickelt sich die Story allerdings relativ episodenhaft und will sich nicht so recht zu einem zwingenden Ganzen fügen, sondern bleibt austauschbar. Genauso gut Katlewski auch in einer Kneipe, einem Klamottenladen oder als Taxifahrer arbeiten können.
Außerdem nervt der Soundtrack dieses ersten deutschen Films in Dolby Stereo, so fieses Rock-Gegniedel.
Hab lange überlegt, ob ich fünf oder sechs Punkte gebe. Den Ausschlag gab schließlich, dass ich mich gefragt habe, wie ich "Jede Menge Kohle" bewerten würde, wenn es ein, sagen wir französischer Film wäre. Dann hätte mich das nämlich wohl alles kaum interessiert, ich hätte sicherlich nicht zu Ende geschaut und vier Punkte vergeben. So sind es dann fünf geworden.

Details
Ähnliche Filme