Der letzte Coup der Dalton-Gang (1979) von Dan Curtis
...1876, Montgomery County (Kansas): Die Brüder Grattan "Grat", Robert "Bob" und Emmett sind noch artige Jungs, als sich eines Tages 3 Reiter der kleinen Farm ihrer Eltern nähern. Kurz darauf trifft auch ihr ältester Bruder Frank ein, der inzwischen Marshal ist. Nach einer kurzen Unterredung mit ihm ziehen die 3 Fremden aber wieder weiter und ihr Vater klärt die Jungs sogleich darüber auf, dass dies ihre beiden Cousins Frank und Jesse James sind und der Dritte Cole Younger ist. Voller Stolz blicken Grat, Bob und Emmett den Reitern hinterher - sie, die Daltons sind also mit den berühmten James-Brüdern der James-Younger-Gang verwandt!
14 Jahre später, am 23.10.1890 erschießt Bob (Cliff Potts) bei einem Duell im Saloon von Coffeyville einen Mann, da dieser den alten Dalton beleidigt hat. Frank ist sehr verärgert über seine Brüder und mahnt sie zur Vernunft. Kurze Zeit später wird Frank Dalton in der Ausübung als Marshal von Charles Montgomery erschossen. Noch auf dem Friedhof, unmittelbar nach der Beerdigung ernennt Richter Isaac Parker (Dale Robertson) - der "Galgenrichter" - Grat, Bob und Emmett zu Deputies seines Distrikts. In ihrer ersten Amtshandlung wollen die Drei den Mörder ihres Bruders suchen und ins Jenseits befördern. Doch in letzter Sekunde kommt ihnen ein gewisser Will Smith (Jack Palance) - Leiter der "Californian Pacific Eisenbahn"-Polizei - zuvor, da Montgomery wegen Eisenbahnraub gesucht wurde. Noch können die Daltons nicht ahnen, wie verhängnisvoll die Tätigkeit dieses Detektivs für sie werden sollte!
Am Heiligabend 1890 lassen sich die 3 Deputies in einen größeren Pferdediebstahl mit hineinziehen, wodurch Bob seine Liebe Florence "Flo" Quick (Sharon Farrell) kennenlernt, die neben ihres Etablissements einen Pferdehandel betreibt. Aber auch wenn sich die Daltons nun notgedrungen zu ihrem Bruder William "Bill" nach Kalifornien begeben, der dort gerade für das Amt des Gouverneurs kandidiert, können sie damit nicht verhindern, dass sie immer mehr auf die schiefe Bahn geraten. Als jedoch Grat (Randy Quaid) durch das "Engagement" von Detektiv Smith vorübergehend eingeknastet wird, sinnen die Brüder auf Rache! Und so verbreiten sie in den kommenden Monaten Angst und Schrecken - als die berühmt-berüchtigte "Dalton-Gang"...
Ja genau, ihr Heinis vom deutschen Synchronstudio - hier geht es eigentlich um die "Daltons" - und nicht um die "Delltens" oder "Dältons"! Wenn man ständig nur "Delltens" hört, nervt das schon fast so, als würde der eigene Name immer wieder falsch ausgesprochen! Das englische "a" von "Dalton" klingt in diesem Fall wie bei "Squaw" oder "Outlaw". Im Zweifel hätte man seinerzeit ja auch im Originalton probehören können - aber ein bisschen Vorbereitung ist wohl zu viel verlangt!? :(
Also liebe Leser, ihr seid NICHT im falschen Film - hier geht es tatsächlich um die waghalsigen Abenteuer der berüchtigten Dalton-Bande! ;) Und damit sind wir zunächst bei den Schwächen dieser Umsetzung, mit denen ich diesmal mein Review beginnen möchte.
Während "Blind Justice" (1994) ebenfalls ein TV-Film ist, wirkt dieser aber absolut professionell und nur das 4:3 Vollbild deutet auf eine TV-Produktion hin.
Bei "Der letzte Coup der Dalton-Gang" von 1979 hingegen finden wir neben dem 4:3 Bild doch einige Makel, die die Umsetzung mehr oder weniger unprofessionell, bzw. billig erscheinen lassen.
- Neben der falschen Aussprache von "Dalton(s)" hören sich auch ein paar Stimmen nach Billigsynchro an. Große Ausnahme Hans Paetsch, der hier den gealterten Emmett Dalton spricht und auch manche geschichtliche Einlagen erzählt oder Horst Frank, der Jack Palance seine Stimme lieh. Die Soundeffekte sind aber gut und die Schüsse knallen schön laut.
- Die Darsteller - egal ob bekannt oder nicht - haben auf mich fast alle null Ausstrahlung. Ausgenommen Jack Palance, Dale Robertson, Randy Quaid und Sharon Farrell. Witzig auch Bubba Smith in 2 kurzen Auftritten zu sehen - den "Moses Hightower" aus "Police Academy"! ^^
- Kameramäßig ist Vieles sehr oberflächlich gehalten und es fehlt an Brillanz. Zudem kommt in 10-20 Minuten Abständen immer für etwa 1 Sekunde ein schwarzes Bild, wodurch man meinen könnte, man hätte einzelne Teile einer Serie aneinander gereiht.
- Dazu haben die Innenaufnahmen meist erdfarbene Bilder (viel grün, gelb, beige, braun). Unschön auch die mäßige Schärfe des Bildes - eher schlechtes VHS-Niveau. Immerhin ist das Bild größtenteils praktisch frei von Störungen - könnte eine Restaurierung hinter sich haben, nur wie gesagt die Farben und die leichte Unschärfe verderben oft das visuelle Vergnügen. Bei Außenaufnahmen kommt das Blau des Himmels jedoch schön zur Geltung.
- Der Soundtrack, bzw. die Titelmelodie ist sowas von unpassend und blödelmäßig, dass ich anfangs schon dachte, dies wäre eine Westernkomödie! Und leider wird diese auch noch mehrmals wiederholt...
Gibt es auch was Positives? Hat Jack Palance eine tragende Rolle?? Lohnt sich ein etwaiger Kauf der DVD??? Erfreulicherweise 3 x JA! ;)
Gleich am Anfang wird darauf verwiesen, dass diese Verfilmung KEINE exakte Darstellung historischer Fakten ist. Und in der Tat, stolpert man über so manch falsche Details. Aber der gesamte Verlauf dieses Films - der aber in keiner Weise mit einer Dokumentation zu verwechseln ist - hat so viele historisch korrekte Stationen mit eingebaut, dass man ihn sich durchaus als einigermaßen stimmige "Action-Biografie" vorstellen kann.
Die ersten 6 Minuten sind im Jahr 1934, quasi in der Gegenwart angesiedelt. Emmett Dalton, der letzte noch lebende Dalton-Bruder, schildert im Beisein von George "Bitter Creek" Newcomb, einem damaligen Bandenmitglied, die Geschichte als Rückblende. Jedoch springt der Film schon ab der 11. Minute zurück zum 23.10.1890, sodass wir hier eigentlich nur noch die rund letzten 2 Jahre der Daltons mitbekommen - inhaltlich aber wohl der interessanteste Teil dieser "Hollywood-Biografie" über die berühmten Brüder und ihre haarsträubenden Abenteuer!? Und ab der 73. Minute, ziemlich genau in der Hälfte der Laufzeit, sind wir am 14.12.1891 angelangt, an dem sich die Dalton-Brüder als "Dalton-Gang" nun endgültig auf der anderen Seite des Gesetzes befinden.
Also inhaltlich durchaus interessant, sofern man sich für die Darstellung der Dalton-Brüder und der späteren Dalton-Bande interessiert.
Obwohl die Umsetzung auf Basis einer TV-Produktion so ihre (typischen) Schwächen hat, sind die rund 140 Minuten zwar selten richtig spannend, aber dennoch äußerst kurzweilig, da einfach viele und einigermaßen gut inszenierte Stationen verbaut sind. Eine Ballerorgie ist es auch nicht, aber die Vielseitigkeit der Geschehnisse machen insgesamt Spaß und lassen praktisch keine Langeweile aufkommen. Die einzelnen Kapitel, mit ihren tatsächlich zugetragenen Ereignissen, wirken durch die insgesamt damals zeitgemäße Aufmachung, insbesondere der Garderobe, Haar- und Barttracht, sehr authentisch.
Wenn man jedoch ein wenig im Internetz recherchiert, weichen dann einige Filmfakten von den realen Fakten ab - bspw.:
- Die Dalton-Mutter ist eine geborene "Younger" und damit eine Tante der Younger-Brüder, der späteren James-Younger-Gang. Von einer Verwandschaft zu den James-Brüdern habe ich jedoch keinerlei Belege gefunden.
- Frank Dalton ist 1890 noch am Leben und starb hier mit 42 Jahren. In Wirklichkeit starb er bereits 1887 mit nur 28 Jahren.
- Florence "Flo" Quick, war angeblich eines von mehreren Pseudonymen der späteren Frau von Bob Dalton. Sie wurde am 09.05.1868 mit dem bürgerlichen Namen "Lucy Ann Johnson" geboren und nicht wie im Film behauptet als "Virginia Wade". Manche Quellen behaupten zudem, sie starb mit den beiden Dalton-Brüdern 1892, andere sehen sie noch deutlich länger am Leben.
- Während es den Richter Isaac Charles Parker - auch "Hanging Judge" genannt wirklich gab, ist die Figur des "Will Smith" u.U. nur erfunden.
- Auch einen George Newcomb, das 1. Bandmitglied gab es wirklich, allerdings hatte er den Spitznamen "Bittersweet" und nicht "Bitter Creek". Außerdem starb er schon 1895 und konnte somit nicht 1934 Emmett Dalton auf der Straße begegnen. ^^
Naja, drücken wir also bei der Aussprache von "Dalton(s)", Alters- und Jahresangaben sowie sonstigen kleinen Details mal ein Auge zu und lassen uns einfach von dieser Umsetzung unterhalten, zumal die vielen Eckpunkte im Kern ja wirklich wahr sind. Außerdem gibt es bis dato keine bessere Verfilmung, die noch mehr Abschnitte und präzisiere Fakten der Dalton-Brüder liefert.
Obwohl Jack Palance eher weiter unten in der Besetzung auftaucht, hat er hier eine tragende Rolle. Er mimt zwar keinen Bösewicht, ist aber auf jeden Fall ein negativer Faktor - somit der eigentliche Feind der Daltons (in diesem Film).
Wie ich mir persönlich gut vorstellen kann, zeichnet "Der letzte Coup der Dalton-Gang" auch ein Bild von 5 Brüdern, die eigentlich einen besseren Lebenslauf verdient hätten. Frank war ein angesehener Marshal der im Dienst starb, Bill hingegen wollte tatsächlich Gouverneur werden. Grat, Bob und Emmett waren sicherlich keine eiskalten Killer, sondern wohl einfach nur abenteuerlustig, chaotisch, leichtsinnig und risikobereit (und wahrscheinlich auch öfters knapp bei Kasse?). Besondere Umstände brachten zunächst diese 3 und später auch Bill immer mehr in Teufels Küche - was evtl. noch fehlende Charakterstärke begünstigt hat!?
Die Eisenbahnüberfälle sind leider in ihrer Inszenierung knapp gehalten, bzw. abgewürgt. Actionszenen und insbesondere Schießereien gibt es jedoch mehrere. Diese sind bis auf die letzte zwar auch nicht unbedingt extrem spannend und meist oberflächlich inszeniert, dafür aber so heftig und bleihaltig, dass man sich wundern muss, wie wenig Tote daraus hervorgehen. Bei der letzten, sehr intensiven Schießerei sieht man zudem einige Szenen in Zeitlupe, was eine willkommene Steigerung darstellt, wie ich finde! Auch entdeckt man Einschusslöcher in den Leibern der Opfer.
Obwohl der eine oder andere von euch den dramatischen Ausgang kennt oder erahnt, hat diese Verfilmung aber noch eine wirkliche Überraschung am Schluss zu bieten! ;)
Fazit: Für Interessierte der Daltons, bzw. der Dalton-Bande, ist diese biografieähnliche Umsetzung bestimmt eine gute Ergänzung. Auch Freunde von Jack Palance müssten hier eigentlich auf ihre Kosten kommen. Wenn man von den Schwächen absieht, kann dieser Western auch ziemlich gut unterhalten, da er wie gesagt nie langweilig und stellenweise extrem bleihaltig ist. Ich persönlich habe aber mehr erwartet - nicht inhaltlich, da gab es genug interessante Stationen - aber einfach besser umgesetzt. Schade! Dank der Thematik, den Schießereien und Jack Palance schaffte es "Der letzte Coup der Dalton-Gang" mit 6 von 10 Punkten aber gerade noch in die Hälfte der guten Western!
Hier noch der Übersicht halber die Geburts- und Sterbedaten - soweit bekannt:
Franklin "Frank" *08.06.1859
Grattan "Grat" *30.03.1861
William "Bill" *1863/66(?)
Robert "Bob" *13.05.1869
Emmett *03.05.1871
Frank +27.11.1887 (28)
Grat +05.10.1892 (31)
Bob + 05.10.1892 (23)
Bill +08.06.1894 (28/31)
Emmett +13.07.1937 (66)
Tja, das muss für die Mutter schon bitter gewesen sein! Innerhalb von 7 Jahren wurden 4 ihrer 5 Söhne erschossen, nur der jüngste mit mindestens einem Dutzend Kugeln im Leib, überlebt schwerverletzt und schließlich auch sie.
Ansonsten findet man im Internetz mit den Schlagwörtern "Dalton" und "Bande" viele Treffer, Texte und Bilder.
Leider gibt es (bisher) zu den Daltons keine echte Westernperle, wie etwa bei Jesse James, bzw. der James-Younger-Gang (bspw. "Jesse James - Mann ohne Gesetz", "Long Riders", "American Outlaws").
Ich habe aber mal einige, teils lohnende Titel zusammengetragen, wenn man noch mehr über die Daltons und ihr bewegtes Leben sehen und erfahren will.
Abgesehen von dem LUCKY-LUKE-Comic Band 81 "Die Gesetzlosen", der sich übrigens als einziger mit den echten Daltons befasst (in den anderen Bänden sind es deren Vetter).
- "Die Bande der Fünf" (1940, s/w). Meiner Meinung nach die beste Verfilmung, die auf dem Buch basiert, welches Emmett Dalton geschrieben hat! Bzgl. historischer Fakten neben "Der letzte Coup der Dalton-Gang" (1979) auch sehr zu empfehlen.
- "The Dalton Gang" (1954, s/w). Eine Episode auf der DVD "Eisenbahndetektiv Matt Clark" - kurz und knackig ihr letzter Coup!
- "Die Schönste von Montana" (1952)
- "Flucht vor dem Tode" (1952). Blöderweise heißen die Daltons in der dt. Synchro plötzlich "Kingstons"!!!
- "Flintenweiber - The Dalton Girls" (1957, s/w)
- "Land ohne Gesetz" (1946, s/w). Habe ich leider noch nicht gesehen!
- "Der Schrecken von Texas" (1948, s/w). Kenne ich leider auch noch nicht!
- "Die Stadt der toten Seelen" aka "Die vier Gesetzlosen" (1954). Handelt NICHT von den Daltons, sondern den Reno-Brüdern, wäre aber sonst eine gute Alternative.
Und nun viel Spaß und gute Unterhaltung beim letzten Coup der Dalton-Gang! ;)