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Eva Mendes spielt eine skrupellose und karrierefixierte Programmredakteurin bei einem zunehmend im Mittelmaß verschwindenden amerikanischen Sender. Doch dann kommt ihr eine Idee: Sie will in einer TV-Show mit mehreren Kandidaten russisches Roulette spielen, bis schließlich einer der Kandidaten ins Gras beißen muss. Anfangs stößt sie bei ihren Kollegen auf Widerstand, doch dann findet sie immer mehr Anhänger und schafft es tatsächlich auf die Mattscheibe.

Die Medien sind bekanntlich ein überaus beliebtes Angriffsziel diverser Satiren und so müssen nach "Natural born killers" einmal mehr die Median als solches dienen und werden erneut als skrupellose Quoten-Jäger dargestellt, die durch Gewalt, Sex und Tod das große Geld verdienen wollen. Doch während die Grundidee relativ verbraucht ist und das Genre nicht gerade neu erfindet, liefert Regisseur Bill Guttentag einige innovative Einfälle, die "Live!" deutlich von anderen Medien-Satiren unterscheidet und ihn deutlich über das Mittelmaß hebt. Guttentag, der zuvor lediglich durch einen Dokumentarfilm in Erscheinung treten konnte, inszeniert auch "Live!" im Stil einer Dokumentation und setzt so beispielsweise ausschließlich auf Handkamera, die anfangs etwas gewöhnungsbedürftig wirkt, den Film aber auch realistischer und damit härter wirken lässt. Da mit Handkamera gefilmt wird und sich der Kameramann, gespielt von David Krumholtz, des Öfteren in das Geschehen einmischt, funktioniert diese Art der Inszenierung wirklich gut. Darüber hinaus entpuppt es sich als gute Idee, zwischendurch immer wieder die Vorstellungs-Clips der Kandidaten einzuspielen, damit der Zuschauer seinen eigenen Favoriten sucht und am Ende des Films selbst in die Rolle des Voyeurs schlüpft, der vorm Fernseher sitzt und darauf wartet, dass sich einer der Kandidaten in den Kopf schießt, auch wenn teilweise etwas zu dick aufgetragen wird. Auf Hintergrundmusik wird natürlich verzichtet, damit der Film seinen Realismus und die Nähe zum Geschehen waren kann, womit über weite Strecken keine gespannte Atmosphäre aufgebaut werden kann. Beim Finale, bei dem jeder der Kandidaten sterben könnte, wird es dafür umso spannender. Da Guttentag das Erzähltempo sehr hoch hält, kann "Live!" bestens unterhalten und ist damit auf jeden Fall empfehlenswert. Einzig und allein der hektische Schnitt, der "Live!" stellenweise zu sprung- und episodenhaft wirken lässt und einige Sequenzen schwach abschließt, bleibt ein Kritikpunkt.

Der Sarkasmus kommt stellenweise etwas zu kurz, aber allein die Grundidee um eine TV-Show, in der die Kandidaten russisches Roulette spielen ist erschütternd genug und, wenn man sich diverse Spiel-Shows aus Amerika oder Japan ansieht, gar nicht mal so unglaublich weit hergeholt. Die Charakterkonstruktion von Mendes ist dabei klischeehaft und über das typische Bild der quotengeilen, karrierefixierten TV-Mitarbeiterin hinaus liefert der Film leider nicht sonderlich viel. Die Wendungen sind ordentlich und geschickt verteilt, womit der Film die ganze Zeit über ein bisschen Spannung und Dramatik aufbauen kann. Leider gibt es keinen einzigen Lacher, da die Satire einfach zu Ernst ist und die Medienkritik durch Übertreibungen und nicht durch Wortwitz geäußert wird. Die Story ist damit solide, aber nicht atemberaubend.

Eva Mendes kommt mit ihrem souveränen und selbstbewussten Auftreten mit ihrer Rolle sehr gut zu Recht und liefert als Programmredakteurin eine gute Leistung ab. Mit ihrer steifen und skrupellosen Art liefert sie ein perfektes Feindbild und ist mit ihrem tadellosen Äußeren die optimale Besetzung für die Hauptrolle. Nachdem sie zuletzt in eher schwachen Filmen wie "Ghost Rider" oder "Liebe ist Nervensache" zu sehen war, kommt sie mit "Live!" noch einmal über das Mittelmaß hinaus. David Krumholtz, der vor allem durch die Serie "Numbers" in Erscheinung treten konnte, spielt als Kameramann, der eine Dokumentation über Mendes dreht, solide, geht bei der hohen Leinwandpräsenz der rassigen Latina jedoch hoffnungslos unter. Die übrigen Nebendarsteller sind gut, wobei vor allem die sechs Kandidaten glänzen können, die bei den Vorstellungsvideos und in der Show mit überzeugenden Leistungen beeindrucken.

Fazit:
Auch wenn die Story nicht sonderlich innovativ ist und das Genre nicht neu erfindet ist "Live" eine gelungene und empfehlenswerte Medien-Satire, die vor allem durch ihre starke Inszenierung, die mit einem dokumentarischen Stil und ihrem hohen Tempo überzeugt und die starke Eva Mendes durchaus sehenswert ist.

80%

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