Review

Vorsicht vor vereinsamten Parkwächtern, besonders zur Weihnachtszeit!
Das Autorenteam um Alexandre Aja hat erneut zugeschlagen und bietet mit „P2“ einen grundsoliden Survival-Horror ganz im Sinne von „High Tension“, nur eben begrenzt auf den Schauplatz einer Tiefgarage.
Nachdem die anfänglich eher schleppenden Passagen auf Ebene eines Kammerspiels geschafft sind, geschieht dies mit überraschender Härte und nahezu kontinuierlichem Drehen an der Spannungsschraube.

Es ist die denkbar schlichte Ausgangssituation Opfer gegen Stalker, Geschäftsfrau Angela (Rachel Nichols) gegen Parkwächter Thomas (Wes Bentley).
Als eine der letzten ist Angela auf dem Weg in die Tiefgarage, die Weihnachtsfeier bei ihrer Schwester vor Augen. Doch ihr Fahrzeug springt nicht an, sie wendet sich an Thomas und befindet sich nach kurzer Bewusstlosigkeit im frischen Abendkleid und mit dem Bein an einen frisch dekorierten Tisch gekettet in seinem Überwachsraum.

Die Prämisse schreit geradezu nach einer eher dialoglastigen Auseinandersetzung, doch die Machtverteilung ist nur zu Beginn eindeutig festgelegt.
Stalker Thomas wirkt zunächst ein wenig unsicher, reagiert überhaupt nicht auf Angelas Fragen und versucht die Situation als eine völlig alltägliche zu meistern, während Angela zögerlich nach Antworten sucht, jedoch beschwichtigend reagiert, sobald der Psychopath ein wenig gereizt reagiert.
Spätestens als ein nahezu Unbeteiligter zur Zielscheibe Thomas´ wird, reduzieren sich die Dialoge auf ein Minimum und Bewegung liegt im Fokus.

Dabei wird der Schauplatz der Tiefgarage nahezu optimal genutzt, nur wenige Fahrzeuge dienen als Versteck, viele Türen sind verschlossen, düstere Gänge werden passiert, dann Zwischenstation im Fahrstuhl, Besuch von zwei Cops, Notruf mit einem Handy und immer wieder der Versuch, die Handschellen zu entfernen, mit denen Angela zeitweise auf der Flucht ist.
Im Verlauf spielt ein aggressiver Hund eine ebenso bedeutende Rolle wie ein Elektro-Schocker und diverse Überwachungskameras, sowie die Tatsache, dass beide Kontrahenten eine immer stärker werdende Gewaltbereitschaft ins Spiel bringen.

Gewalt ist hier ohnehin ein Stichwort, denn in diesem Zusammenhang bleibt eine Szene fast so schockierend in Erinnerung wie die Feuerlöscher-Szene aus „Irreversible“. Ansonsten halten sich extremere Gore-Momente zurück, mit Folterszenen bekommt man es hier nicht zu tun.

Zugegeben, die Grundlage dieses Psycho-Thrillers lässt kaum Originalität zu und kommt beinahe altbacken und ausgelutscht daher.
Doch innerhalb der Umsetzung hat Regiedebütant Franck Khalfoun annähernd alles richtig gemacht. Die Protagonisten handeln glaubwürdig und lassen kaum logische Schwächen sichtbar werden, die beängstigende Atmosphäre eines menschenleeren Parkhauses kommt gut zur Geltung und bei alledem weiß man nie, ob nicht vielleicht doch noch irgendeine Gemeinheit in Sachen Brutalität losgelassen wird.

Manchmal lässt man sich als verwöhnter Zuschauer auch mit simplen Mitteln abspeisen und ist im Nachhinein dennoch zufrieden. „P2“ ist einer, der eben dieses Kriterium erfüllt: Schlichte Story, glaubhafte Charaktere, gelungener Schauplatz und das alles ohne Schnörkel erzählt mit phasenweise hoch spannenden Momenten und recht derben Gewaltszenen angereichert.
Der nächste bitte…
7 von 10

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