Deutschland im Jahre 1980. Die Schmuddelfilmwelle ist immer noch im vollen Gange, Schulmädchenreporte, Hausfrauenreporte und noch wesentlich schmuddeligerer Kram, läuft in den Kinos auf und ab und spielen Millionen und Abermillionen von deutschen Märkern ein. Was kann da noch kommen? Oder genauer gesagt, wer kann da noch kommen? Ein junger Regisseur namens Robert van Ackeren wusste genau, wen er den Deutschen in seinem Film "Deutschland Privat" zeigen will, nämlich die Deutschen selbst, so wie sie leben und sich lieben. Privataufnahmen mit Super 8-Filmen waren derzeit gerade Mega-In und so rief van Ackeren die Leute auf, ihm doch die schönsten Aufnahmen zu schicken, damit er sie in seinem Film, der nichts anderes ist, als eine Zusammenstellung von 23 unterschiedlichsten Super 8-Film-Aufnahmen, präsentieren kann. Herausgekommen ist dabei eine interessanter Einblick in das Leben der 80er, der nach 50 Minuten eine steile Wendung nimmt.
Denn wie vielen bekannt sein dürfte, wird auch "Deutschland Privat" gerne zum Erotik-Genre gezählt und sitzt bei der BPJM nach wie vor auf dem Index. Und das auch nicht von ungefähr, hat Robert van Ackeren seinen Filmen doch in zwei Teile geteilt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Erst heißt es "Deutschland Privat" und danach "Heimliches Deutschland". Erst wird es harmlos, um danach volle Breitseite die regelecht versaute Seite Deutschlands zu zeigen, ohne sich dabei auch nur an ein Tabu zu halten. Abgesehen von der Unterteilung gibt einen roten Faden dabei nicht wirklich zu entdecken. Die Super-8-Filme könnten unterschiedlichster Natur kaum sein.
"Deutschland Privat", dem van Ackeren mit ca. 50 Minuten Laufzeit den überwiegenden Teil seines Films widmet, ist dann auch wirklich äußerst harmlos und bietet eine Ansammlung von Urlaubsfilmen, Weihnachtsfilmen, sowie auch den leidlichen Versuchen von Amateurfilmern, wie sie auf herrlich schräge Art versuchen, so etwas wie einen wirklichen Kurzfilm zu drehen. Dabei gibt es z. Bsp. Filme wie "Suspence", in dem Mutter und Tochter auf der Couch sitzen und dann plötzlich ein Geräusch hören. Als die Mutter nachschauen geht, woher das Geräusch kommt, macht unserer Kameramann natürlich heftig einen auf spannende Kameraführung, nur um dann zu enthüllen, dass nichts anderes als ein blödes Karnickel an allem Schuld war. Oder auch der Bodybuilder, der sich minutenlang beim Muckis zeigen filmen läßt, und dass auch durchaus einmal nackt. Dann Mama und die ganze Familie beim ersten FKK-Besuch, die Familie bei der alljährlichen Weihnachtsfeier, die Familie beim Geburtstag feiern, oder der versnobte Kunstfilmfreak, der hier mal kläglich versucht, einen jener Film auf die Beine zu stellen. Es ist mitunter wirklich zum Brüllen komisch, was die Leute hier so alles mit ihrer Kamera gefilmt haben und mit welchen Ideen sie ihre Filme ausgeschmückt haben, um sie interessant wirken zu lassen. Zudem dann auch noch der Mut, das Ganze einem Kinoregisseur für seinen Film in die Hände zu drücken. Man kommt mitunter aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, genauso wenig wie aus dem Staunen. Und wenn man diesen Teil seinen Kiddies zeigt, dann werden sicher selbst diese verstehen, was für eine Lebensfreude doch mitunter in den 70ern und 80ern in Deutschland vorhanden war.
Spätestens nach der 50 Minute sollte man seine Kinder dann aber brav aus dem Zimmer schicken, denn sobald der Teil "Heimliches Deutschland" beginnt, ist es vorbei mit der Harmlosigkeit, vorbei mit der Jugendfreiheit. Denn aus dem bis dahin recht gemütlich wirkenden Streifen, wird plötzlich Hardcore und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn laut van Ackeren haben ihm die Leute vor allem Super 8-Filme pornografischer Natur zugesendet und somit enthüllt er dem Zuschauer nun noch für eine gute halbe Stunde den Blick in das Sexualleben der Deutschen, welches regelrecht einem Hochglanzporno entsprungen sein könnte und hier nun absolut zensurfrei dem Zuschauer gezeigt wird. Wir dürfen u.a. dabei zusehen, wie ein einsames Pärchen sich am Silvester-Abend vernascht oder wie der Papa die Mama beim heftigen Onanieren filmt und umgekehrt. Dann eine weitere Hausfrau, wie sie einige, mit Masturbationsmomenten versetzte, Verrenkungen auf dem Fußboden absolviert und noch eine Frau, wie sie sich erst ihre Muschi rasiert, bevor sie sich ebenfalls, mit einem Dildo, in höchste Gefühle rubbelt. Und natürlich dürfen auch hier wieder einige Absurditäten nicht fehlen. So gibt es auch einen kurzen Film, in dem nur erigierte Penise gezeigt werden, erst verhüllt, dann unverhüllt und der Film von einem Mann, wie er sich mit einigen Anstalten den Bauch klebrig wichst, natürlich immer mit dem Blick star in die Kamera. Den krönenden Abschluss bildet dann das S/M-Pärchen, welches sich entweder ein Gewicht an die recht Schamlippe hängen lässt oder sich die Eier mal so mir nichts dir nichts um 360° verdrehen lässt, je nach Geschlecht. Appetitlich ist das Ganze dabei natürlich nur selten anzusehen, zum Brüllen animiert aber auch das hier Gezeigte allemal.
Damit dieses Sammelsurium auf gerade einmal 80 Minuten passt, werden die meisten Filmchen hier allerdings nur kurz angeschnitten und haben somit eine Laufzeit von 2 bis max. 10 Minuten. Dennoch wirkt keines dieser Filmchen irgendwie zu kurz oder unpassend, allesamt lassen sie das Lebensgefühl der Deutschen in den 80ern aufflammen und legen einen Blick auf die damaligen Zeiten unverhüllt frei. Auch wenn der Streifen seine Wirkung von damals sicherlich nicht mehr erreicht und heutzutage eigentlich nur noch durch seine Kuriosität überzeugen kann, so ist das Ganze dennoch mehr als interessant anzuschauen, auch wenn man nicht umher kommt, sich darüber mitunter wirklich dreckig zu amüsieren.
Fazit: "Deutschland Privat" ist eine mehr als interessante Zusammenstellung von insgesamt 23 kurzen, privaten Super 8-Filmen, die die Deutschen, von der harmlosen Geburtstagsfeier bis zum heftigen S/M-Sex, wirklich in allen möglichen Situationen präsentiert, in die der Deutsche vor allem damals, aber auch heute noch, geraten konnte. Ein Sammelsurium, dass heute zwar eher zum kaputtlachen animiert, dabei aber dennoch bei so manchem Kind der 70er & 80er für wilde Flashbacks sorgen dürfte. Es war halt alles in allem doch eine schöne und eine freie Zeit, die man mit diesem Mega-Hit der 80er-Jahre (der Film soll über Jahre hinweg in den Kinos gelaufen sein) noch einmal vor die Glotzer bekommt. Sollte man gesehen haben, egal aus welchem Grund!
Wertung: 6/10 Punkte