Review

Männer, die rot sehen

Wer würde sich nicht auf Anhieb Hals über Kopf (oder sollte man sagen Schritt über Herz?) in Kelly LeBrock verknallen?! Das kann man weder Gene Wilder noch Steven Seagal übel nehmen. Und in einem der wenigen Filme, wo Wilder zeitgleich Protagonist und Regisseur war, verfällt sein Charakter dieser Frau in roter Unterwäsche voll und ganz - und kann sofort an nichts mehr denken außer diese Sexbombe besser kennen zu lernen und am besten in's Bett zu bekommen. Und das obwohl er eigentlich glücklich verheiratet ist und die Betrügereien seiner Kumpel Schlimmstes erahnen lassen und abschrecken sollten… 

Gene treibt's Wilder?

Eigentlich hatte ich einen anderen Film mit dem sehr ähnlichen Titel „The Lady In Red“ auf dem Zettel, aber nun im Nachhinein bin ich über dieses Missverständnis sehr glücklich. Was habe ich bei Wilders „Die Frau in Rot“ gelacht! Viel mehr als ich je gedacht hätte. Die Ansichten auf das Betrügen und sexuelle Eskapaden sind aus heutiger Sicht stark veraltet, was sie aber keineswegs unlustiger macht. Wilder könnte ich stundenlang zuhören und zugucken bei seinem tollpatschigen, unglücklichen und undurchdachten Unsinn. Ihm lassen wir das dauerndes „Denken mit dem dritten Bein“ locker und schmunzelnd durchgehen. Dazu die absolut umwerfende LeBrock, sexier geht’s wirklich kaum. Plus ein köstlicher Stevie Wonder-Soundtrack mit Bangern (ganz klar in Parodie-Territorium) wie „Don't Drive Drunk“. San Fran gibt sogar minimale Hitchcock-Vibes. Die Nebendarsteller sind wunderbar und das Timing der Jokes stimmt meist auffällig gut. Eine Sex Farce, die zugleich nicht gut und doch auch irgendwie super gealtert ist. Jedenfalls einer der lustigeren Filme von denen du noch nie gehört hast, so viel steht fest. Das Ende cheatet sich passend zum Thema etwas heraus und eine richtige Geschichte ist das nicht, geschweige denn mit Figurenentwicklungen und Konsequenzen. Aber als aberwitziger und enorm kurzweiliger Comicstrip über Hormone und die fatale Anziehung der Geschlechter noch immer ein Hit. 

Fazit: diese Frau in rot vergisst man(n) nicht so schnell… „The Woman In Red“ ist eine köstliche Betrügersexkomödie, die ganz famos mit Geschlechterrollen und Klischees spielt, heutzutage in dieser Form kaum noch machbar wäre und doch irgendwie fortschrittlicher wirkt als der jetzige Zeitgeist. Eine missverstandene (?) und unterschätzte Sternstunde von Gene Wilder - als Schauspieler sowie Regisseur! 

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