Sam Raimi brachte im Jahre 2002 die erste Verfilmung der menschlichen Spinne in die Kinos und sollte damit den Startschuss für einen Haufen weiterer Comicverfilmungen bilden, die nach dem immensen Erfolg der Spinne wie Unkraut aus den Löchern schossen. Die vielen Verfilmungen standen dabei immer mehr unter den kritischen Augen der Comicfans, die es dabei zufrieden zu stellen galt. Nicht immer wurden dabei die hohen Erwartungen erfüllt („Hulk“), doch spülten die Filme immer wieder Unmengen an Geld in die Kassen der Hollywood-Produzenten. Lichtblick dabei war jedoch der Spinnenmann, der mit seinen bisherigen Filmen weltweit über eine Milliarde einspielte und zu den erfolgreichsten Comicverfilmungen überhaupt zählt; und zu den teuersten: Kostete Teil 1 noch humane 135 Mio. Dollar, so gaben die Produzenten für Teil 2 schon 200 Mio. aus. Der Dritte setzt dem Ganzen noch eins drauf, und verschlang unglaubliche 300 Mio. Dollar und ist somit der teuerste Film der bis dato gedreht wurde. Bei den immer höher werdenden Kosten für seine Filme, bestand für Sam Raimi auch ein immenser Druck den hohen Erwartungen der Fans gerecht zu werden, da vor allem der zweite Teil die Fanlager spaltete: So waren vor allem die Actionfans irritiert, aufgrund der extrem breitgetretenen Liebesgeschichte zwischen Peter Parker und Mary-Jane. Mit dem dritten Teil wollte Sam Raimi dann alles besser machen und setzte nach den enttäuschenden Testvorführungen sogar Nachdrehs an, da die Fans mehr Action sehen wollten. Leider scheint gerade dieser Aspekt der Beinbruch für die zweite Fortsetzung der Spider-Man-Saga zu sein:
Der Film fängt mit dem wieder einmal schön animierten Vorspann sehr beeindruckend an und macht Appetit auf Venom; und wieder einmal wird dem Zuschauer in Bildern die Vorgeschichte vor Augen geführt. Schon kurz danach erwartet den Zuschauer die erste größere Actionszene, welche grandios choreographiert ist und den Startschuss für weitere 90 Minuten Non-Stop-Action bietet. Ein Showdown jagt dabei den Nächsten. Man möchte meinen, Raimi wollte nun vor allem die Actionfans zufrieden stellen…
Doch schleichen sich dabei immer wieder unangenehme dramaturgische Brüche ein, die den Filmspaß sichtlich trüben. Gelang es Raimi in Teil 1 noch hervorragend die comichafte Überheblichkeit mit viel Humor und Ernsthaftigkeit zu bandagieren, so wirken die komischen Szenen hier wie aufgedrückt und möchten sich nicht so recht ins Gesamtbild einfügen, wodurch der Film zunehmend unharmonischer wirkt.
Aber auch das schwankende Erzähltempo mach dem Film sichtlich zu schaffen: Wirken die ersten 90 Minuten noch sehr schnell; ja sogar gehetzt, so stellt sich im zweiten Teil des Films eine leise Langeweile ein, und Raimi besinnt sich auf das langsame Erzähltempo des zweiten Teils zurück. Ohnehin wirken hier einige Szenen absolut deplatziert. Raimi scheint sich nicht so recht entscheiden zu können, in welche Richtung er seinen Film einschlagen möchte. Komik und Ernsthaftigkeit finden keine richtige Balance zueinander und der Actionpart ist gen Null gefahren.
Der finale Showdown bleibt dann leider auch hinter den Erwartungen zurück und der Schluss ist relativ vorhersehbar.
Trotz aller Kritik - welche so ähnlich ja auch schon die beiden Vorgänger bezeichnete - handelt es sich immer noch um ein sehr spaßiges Filmchen, welches dem hohen Erwartungshalt aber nicht standhalten kann. Raimi konnte sein Gespür für differenzierte Erzählungen nicht demonstrieren, bietet aber einmal mehr spektakuläre Action, die handwerklich erstklassig umgesetzt ist und durch den druckvollen Sound noch spektakulärer wirkt. Für Heimkinofans sowieso uneingeschränkt zu empfehlen, werden wahrscheinlich gerade diejenigen enttäuscht werden, die eine glaubwürdige Weiterentwicklung der Saga erwartet haben…
6/10