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Willkommen zu einer weiteren Episode von : Guilty Pleasure. Heute geht es um einen Film, der besonders bei den Comicfans unglaublich verhasst ist : Spider-Man 3. Tobey Maguire spielt hier zum letzten mal die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft und er bekommt es hier diesmal nicht mit 1 Bösewicht zu tun, er bekommt es auch nicht mit 2 Bösewichten zu tun, sondern gleich mit 3 Schurken. Wobei nur einer von den Dreien als richtiger und harter Schurke durchgeht. Der hauptsächliche Grund, weshalb Spider-Man 3 nicht besonders gut aufgenommen wurde war, dass er mit der Comicvorlage eigentlich nicht mehr viel gemeinsam hat. Ich persönlich hatte nie viel mit den Comics zu tun, aber die Zeichentrickserie (ca. 1994) habe ich sehr intensiv verfolgt und gehörte damals zu meinen Lieblingsserien im Vormittagsprogramm. Und vergleicht man nur die Serie mit diesem Film, so kann man doch mehrere kleine Gemeinsamkeiten erkennen, auch wenn der Film im Großen und Ganzen völlig eigene Wege geht. Etwas schade nur, dass dieser Film nicht gerade wie ein finaler Teil wirkt, da vor allem das Ende noch viel Freiraum für weiter Möglichkeiten offen gelassen hat. Ich weiß ich gehöre damit zur absoluten Minderheit, aber jeder Mensch, der Filme liebt, hat irgendwo einen persönlichen "Guilty Pleasure". Somit kann ich ganz klar sagen : Ja, ich mag "Spider-Man 3", nein ich mag "Spider-Man 3" sogar sehr und kommt für mich sogar fast an Teil 1 heran, wäre da nicht die eine, wirklich ultimativ gravierende Schwachstelle.

Eigentlich ist Peter Parker alias Spiderman der glücklichste Mann der Welt. Er hat seine Traumfrau erobert, er kämpft weiterhin erfolgreich gegen das Böse und er hat sogar vor, Mary Jane einen Heiratsantrag zu machen. Doch gleich mehrere Schwierigkeiten stellen sich ihm in den Weg. Harry Osbourne, einst Peters bester Freund, kennt nun die wahre Identität von Spiderman und möchte endlich, als neuer "Green Goblin", seine Rache an den Spinnenmann vollziehen. Nach einem schweren Kampf verletzt sich Harry schwer, sodass er sein Gedächtnis verliert und sich nicht mehr an frühere Geschehnisse erinnern kann. Doch kaum ist ein Problem sporadisch gelöst, schon bahnt sich das Nächste an. Peter und Tante May erfahren, dass der wahre Mörder von Onkel Ben, Flint Marko, aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und mit aller Macht an einer Menge Kohle heran kommen will. Bei seiner Flucht passiert ein tragischer "Unfall" und Flint Marko wird zum Sandman und hat die volle Kontrolle über den Sand. Als wäre das nicht genug, bahnt sich auch schon eine weitere Bedrohung an. Ein schwarzer, klebriger Schleim (genannt Symbiote) heftet sich an Peters Moped und ergreift wenig später Besitz von ihm. Fortan kämpft er als "schwarzer Spiderman" weiter und ist um Einiges stärker als zuvor. Doch je länger er diesen Anzug trägt, umso böser und kaltherziger wird er und als er sich dem Sandman gegenüber stellt hat er nur noch eines im Kopf : Rache. Aber auch Mary Jane plagen Probleme. Sie wird immer neidischer auf Peters "Erfolg", während sie am Broadway eher Misserfolge einfährt. Zu guter Letzt wäre da noch Eddie Brock, der eine ernstzunehmende Konkurrenz für Peter als Fotograf zu sein scheint. Doch das Schicksal von Eddie Brock führt alle Protagonisten zu einem dramatischen Kampf um Leben und Tod. Wird Spiderman (oder Peter) mit all diesen Problemen fertig werden?

In "Spider-Man 2" gab es viele kleine Szenen, die mir völlig gegen den Strich gegangen sind, doch hier im Dritten Teil gab es eigentlich kaum eine Szene, über die ich mich geärgert habe. Nur eine gravierende Schlüsselstelle, zu der ich gleich noch komme, endete für mich in einer Enttäuschung, doch der ganze Rest ist Entertainment vom Feinsten und lässt die Schauspieler noch stärker agieren, als in den Teilen zuvor. Gewöhnlich verderben ja zu viele Köche den Brei, aber das Problem gibt es hier eigentlich kaum. Die Effekte sind hier einfach traumhaft schön, was sicherlich nicht verwunderlich ist, da es sich hier schließlich mit weitem Abstand um den teuersten Film der gesamten Reihe handelt. Auch hier merkt man noch praktisch gar nichts von der schwindeligen Wackelkamera, die paar Jahre später ja sehr modern wurde, von daher bete ich inständig, dass "The Amazing Spiderman" nicht mit solch einer Kamera ausgestattet sein wird. Ok, die Abweichungen vom Comic kann man dem Film selbstverständlich ankreiden und ich verstehe jeden Fan, der von diesem Film enttäuscht wurde. Aber für mich funktioniert er auch so wunderbar, ja sogar die "Emo-Peter-Phase" fand ich einfach herrlich schräg und die Liebeleien zwischen Peter und M.J. sind sogar ziemlich romantisch für eine Comicverfilmung. Immerhin gab es für mich manche kleine Stellen, die mich sofort an die alte Zeichentrickserie erinnert haben. Beispielsweise die erste Verwandlung von Spiderman in Black-Spiderman war nahezu identisch mit der Szene aus der Serie der 90er. Auch das dramatische Ereignis in der Kathedrale (einer der absoluten Höhepunkte, sowohl im Film als auch in der Serie) hat man hier eindrucksvoll in Szene gesetzt und erinnert wahrlich an alte Zeiten. Und auch "Green Goblin Jr." dürfte man noch aus der alten Serie erkennen, der aber optisch rein gar nichts mehr mit dem alten "Kobold" zu tun hat. Mit Ausnahme vom Ende, wo das Ganze ein klein ZU kitschig wurde und mit Ausnahme einer bestimmten Figur, hatte ich hier einfach nichts zu meckern und fühlte mich für über 2 Stunden mehr als zufriedenstellend unterhalten.

Alle bekannten Gesichter sind natürlich auch hier wieder dabei. Tobey Maguire liefert hier die beste Performance als Spiderman ab, was besonders an seiner wandlungsfähigen Ausstrahlung liegt, die speziell in der "Black-Spiderman-Phase" zur Geltung kommt. Ich weiß, viele finden diese Phase äußerst peinlich, was sicherlich auch zutreffend ist, aber genau das sollen ja diese Szenen vermitteln. Er verhält sich peinlich, er pfeift auf Alle um sich herum und hat nur das herrliche Ziel, M.J. rasend vor Wut zu machen. Nur die kleine Tanzeinlage in der Bar war dann vielleicht doch etwas überzogen. Kirsten Dunst beweist auch hier wieder, was für eine großartige Schauspielerin sie ist und glänzt sogar als Broadway-Sängerin (sofern sie ihren Part wirklich selbst singt). Auch James Franco als Harry Osbourne erlebt in diesem Film seinen Höhepunkt und hat wirklich viele facettenreiche Momente in Petto. Einerseits überzeugt er hier total als "Best Friend" und es ist wirklich fast schon herzzerreißend, wenn man dann zu sehen bekommt, was für eine fiese Sau er im Gegenzug verkörpern kann. Thomas Haden Church darf hier den Sandman verkörpern und seine Rolle war sicherlich auch ein großer Kritikpunkt vieler Comicfans. In "Spider-Man 3" ist Flint Marko ein vom Schicksal gebeutelter Mann, der all die Schandtaten nur begeht, um seiner kleinen kranken Tochter das Leben zu retten. Soweit ich weiß, ist der Sandman im Comic einfach nur ein reinrassiger böser Bube, der permanent nur bedrohlich ist. Mir gefiel aber diese Version vom Sandman sehr und er wurde hervorragend und unfassbar authentisch von Thomas Haden Church verkörpert. Zudem ist der Sandman in seiner vollsten Pracht das absolute Nonplusultra, was die Effekte in diesem Film angehen. Kommen wir nun zum wahrscheinlich größten Kritikpunkt in diesem Film : Eddie Brock oder auch Venom. Venom war in der Zeichentrickserie der wahrscheinlich gefährlichste Gegner nach Carnage, mit dem es Spiderman jemals zu tun bekommen hat. Deswegen war ich sehr gespannt, wie sie dieses unfassbar unheimliche Monster auf die Leinwand zaubern. Leider war Venom nicht nur viel zu kurz dabei, er war auch noch viel zu klein und schrie permanent wie ein Alien. Venom ist eigentlich ein richtiger Hüne, der Spiderman ordentlich durch die Mangel nimmt. Aber hier ist Venom fast gleichgroß wie Spidey und hat überhaupt nicht diese unheimliche Ausstrahlung wie das Original. Topher Grace darf man hierbei eigentlich gar keinen Vorwurf machen, er spielt permanent gut, nur hat seine Performance nun wirklich nichts mit dem Eddie Brock gemeinsam, den ich eigentlich in diesem Film sehen wollte. Selbstverständlich darf hier auch Bruce Campbell wieder nicht fehlen, der hier diesmal einen französischen Kellner spielt. Einfach fantastisch!

Ja, die Meisten werden diesen Film sicherlich nicht mögen. Trotzdem spreche ich eine klare Empfehlung für diesen Film aus, da er für mich seinen Zweck absolut erfüllt und die Spiderman Trilogie zwar nicht perfekt abschließt, aber dafür für ordentlich Feuerwerk am Ende sorgt. Wer Teil 1 und 2 gesehen hat, kommt an diesem Film sowieso nicht vorbei. Wenn man den enttäuschenden Venom und den etwas kitschigen Satz "I forgive you" ausblenden kann, bekommt man hier einen hervorragenden Superheldenfilm, der sogar ziemlich traurig am Ende wird. Also, anschauen und selbst ein Bild machen und sich nicht zu sehr von diversen Kritikern beeinflussen lassen!


Fazit : Tobey Maguire hängt also sein Kostüm an den Nagel. Wer weiß, vielleicht darf man ja doch auf ein Comeback hoffen, das wäre ja nicht das erste mal, dass ein wahrer Hero zurückkehrt (Sean Connery - George Lazenby - und wieder Sean Connery). Im Finale lässt es Maguire jedenfalls nochmal ordentlich krachen. Aus meiner Sicht ist "Spider-Man 3" einfach Top!


8,5/10

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