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Der Film erzählt die Biografie von Bob Dylan, gespielt von Christian Bale, Cate Blanchett, Marcus Carl Franklin, Richard Gere, Heath Ledger und Ben Winshaw, der bereits als 11-jähriger mit seiner Gitarre als Sänger und Songwriter quer durch die Staaten wanderte und später zu einem der bekanntesten Musiker Amerikas aufstieg.

Zugegebenermaßen ist es nicht einfach, das Phänomen, die Ikone Bob Dylan zu begreifen und so dürfte es von Anfang an schwierig für die Macher des Films gewesen sein, auch nur einen einzigen Anhaltspunkt zu finden, wie man dem Musiker näher kommen will. Eine 0815-Biografie wäre sicherlich für die, die sich nicht so gut mit dem Musiker auskennen relativ interessant geworden und hätte seinen eingefleischten Fans das Leben der Ikone noch einmal näher gebracht, wäre dem Musiker aber vermutlich nicht gerecht geworden. Also entschied man sich für einen anderen Weg, aber das, was dabei herauskam ist leider nicht mehr als ein Kunstfilm, nach dessen Ansehen man nicht mehr, vielleicht sogar noch weniger über Dylan weiß als vorher.

Stellenweise ist der Film als Dokumentation aufgebaut, so wird z.B. des Öfteren Julianne Moore eingeblendet, die versucht dem Zuschauer Dylans Einstellungen, sein Denken zu vermitteln, aber im Endeffekt auch nur weiter verwirrt. Darüber hinaus entschied man sich dafür, Dylan von sechs verschiedenen Darstellern spielen zu lassen, die alle andere Fassetten am Musiker aufzeigen. Leider sind eben diese sechs Darsteller in keine Chronologie gebracht worden, so werden die Stationen aus Dylans Leben wild durcheinander geworfen und in jeder Szene sieht man wieder einen neuen Bob Dylan. Es ist fast, als würde der Film mit jeder neuen Szene, mit jedem neuen Dialog eine neue flüchtige Skizze von Bob Dylan zeichnen, die er im nächsten Moment wieder verwirft, weil die einzelnen Bilder von Dylan in direkter Ambivalenz zueinander stehen und sich teilweise gegenseitig widersprechen. Das einzige, was man bei diesem verklärten und komplexen Kunstfilm versteht ist, dass man Dylan gar nicht so recht begreifen kann.

Auch wenn "I`m not there" als ambitionierter, aber im Endeffekt gescheiterter cineastischer Versuch inhaltlich nicht viel bieten kann, überzeugt er wenigstens mit seinem starken Cast. Cate Blanchetts Darstellung ist die mit Abstand beste und die einzige, die einem nach dem Ansehen des Films auf Dauer im Gedächtnis bleiben wird. Blanchett, zuletzt mit "Tagebuch eines Skandals" und "Babel" sehr positiv in Erscheinung getreten, spielt die Rolle absolut überlebensgroß, beinahe beängstigend gut und mit einer Leinwandpräsenz, mit der sie ihre Kollegen mitunter sehr blass aussehen lässt. Heath Ledger, hier in der letzten Rolle vor "Dark Knight" und seinem plötzlichen Tod zu sehen, ist vor allem für das Liebesleben Dylans zuständig und macht sich, wie schon in "Casanova" ganz gut in dieser Rolle. Christian Bale spielt solide aber unauffällig, Ben Winshaw versucht offensichtlich Cate Blanchett zu imitieren, macht sich dabei ganz gut, kommt aber nicht an diese heran, Marcus Carl Franklin ist als junger Bob Dylan sehr sympathisch und damit überzeugend und Richard Gere glänzt als älterer Outlaw mit seiner besten Leistung seit Langem.

Die Inszenierung von Todd Hayens, bisher mit "Velvet Goldmine" und "Dem Himmel so fern" in Erscheinung getreten, ist, ähnlich wie die Story, ambitioniert, bemüht und unkonventionell, aber auch hier geht das Konzept nicht auf. Stellenweise schwarz-weiß, teilweise farbig, rasant geschnitten, zusammenhanglos erzählt und ohne jegliche Chronologie wirkt der gesamte Film von Anfang bis Ende Konfus. Damit kommt natürlich überhaupt kein Spannungsbogen zustande, die Dramaturgie lässt zu wünschen übrig und "I´m not there" bietet darüber hinaus keinen sonderlich hohen Unterhaltungswert, dem Zuschauer keinen emotionalen Einstieg und ist stellenweise sogar so schrill und skurril, das er zu nerven beginnt. Der Soundtrack besteht aus diversen Stücken von Dylan, so bleibt wenigstens ein Wermutstropfen.

Fazit:
"I`m not there" zeichnet lediglich ein paar flüchtige Skizzen von Bob Dylan, die direkt wieder verworfen werden, so ist man nach dem Ansehen des Films kein bisschen schlauer als vorher. Damit scheitert der unkonventionelle und ambitionierte Versuch, der Ikone gerecht zu werden, wobei immerhin der starke Cast, allen voran Cate Blanchett, in diesem zusammenhanglosen und dramaturgisch ungeschickten Drama überzeugen kann.

46%

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