Der deutsche Regisseur Uwe Boll ist bisher nicht unbedingt bekannt dafür, Perlen der Filmkunst abzuliefern. Das hat aber auch damit zu tun, dass er sich in seiner bisherigen Hollywoodkarriere bisher nur der Verfilmung von Videospielen widmete - mit haarsträubenden Ergebnissen, wie filmische Totalausfälle wie „House of the Dead" und „Alone in the Dark" beweisen. Und nun „Postal". Eine Verfilmung des in Deutschland indizierten First Person Shooters, indem ein frustrierter Nobody - genannt „Postal Dude" - sich durch seine Heimatstadt Paradise City, einem krassen Gegenentwurf zum amerikanischen Way of Life, metzelt.
„Oh Gott" könnte man stöhnen, „was hat man dann hier bloß zu erwarten, wenn man bloß einen Shooter verfilmt!". Sofort werden Erinnerungen an „Doom" wach, wo einzig eine kurze Egoperspektiven-Sequenz den Geist des Spiels atmete. Doch „Postal" ist anders. Zwar nur mit einem Minimum an Story gesegnet, gelingt es Bolls Werk dennoch, eine derb- oder besser: krasshumorige Ballerfarce zu entwickeln, die hin und wieder einige Brüller bereit hält. Da gerät die ohnehin dümmliche Story um Al-Qaida-Terroristen und eine apokalyptische Hippie-Sekte, die beide in einem Themenpark namens Little Germany teure „Krotchy"-Spielfiguren stehlen und damit ihre Schulden tilgen wollen, was in einem riesigen Blutbad endet zur Nebensache.
Ja, „Postal" ist Trash in Reinkultur und so mies, dass er gerade deswegen so viel Spaß macht. Im Themenpark Little Germany reihen sich beispielsweise alle deutschen Klischees um Nationalsozialismus und Lederhose tragende Bayern aneinander, um ironisch gebrochen zu werden. Uwe Boll höchstpersönlich tritt als - nun ja - er selbst auf und verrät, wie er seinen Film finanzierte: mit Nazigold. Die Anschläge des 11. Septembers - so erfährt man gleich zu Beginn - sind nur das Ergebnis eines riesigen Missverständnisses um die Anzahl der Jungfrauen im Paradies, die man aufgrund von inflationär verübten Selbstmordanschlägen nicht mehr für jeden Terroristen garantieren kann. Der dumpfbackige George W. Bush und Osama - genannt „Sammy" - Bin Laden sind beste Kumpels, kollaborieren bei der Sprengung von Öl-Pipelines und laufen am Ende Hand in Hand über ein Feld. Ein Coffee Shop in Paradise City trägt gar den Namen „Grind Zero" und bei einer extrem überstilisierten pathetischen Ansprache nach den Gemeinsamkeiten unter den Menschen fällt der Satz „Wir alle hassen Juden". Der political Correctness wird also des Öfteren herrlich deftig ans Bein gepisst.
Doch gerade die fehlende Intellektualität, mit der dies passiert, stößt bitter auf. Dazu gesellen sich dann unerträglich niveaulose Scherze über adipöse promiskuitive Ehefrauen, die nur selten die feuchte Stelle finden und den morgendlichen Toilettengang eines Hippiekommunenführers inklusive des Zeigens seines Genitals. Die Charaktere um den heldenhaften „Postal Dude" (Zack Ward, „Transformers") sind allerdings ultraflach und die kleine Rolle von Ralf Möller („Gladiator") als debiler Polizist mit Sprachproblemen wundert doch sehr. Dass die Story Löcher und Längen aufweist, die die offensichtliche Substanzlosigkeit noch weiter manifestieren, schaffen auch einige hübsche, knapp bekleidete Mädels, die immer wieder durchs Bild laufen, nicht zu kaschieren.
Mit dem Videospiel „Postal 2" - auf dessen Motiven dieser Film lose basiert - hat das wahrlich wenig zu tun. Einzig eine als Schalldämpfer verwendete Katze und einige bösartige Gags sind explizit dem Game entnommen. Am Ende bleibt „Postal" ein launiges Feuerwerk gegen jegliche politische Korrektheit - oder einfach nur dumm. Ich für meinen Teil habe mich des Öfteren köstlich amüsiert.
Fazit: Dieser Film spaltet die Gemüter. Die einen werden „Postal" für seinen extrem derb-krassen Humor sowie seine ausufernde Brutalität und zelebrierte Dummheit hassen, andere werden ihn genau deswegen lieben. Es fallen große Löcher und Substanzarmut im Drehbuch sowie schauspielerische und inszenatorische Defizite auf (so zum Beispiel bei den recht monoton und billig geratenen Shoot-Outs) - soviel lässt sich objektiv festhalten. Für mich ein vergleichsweise recht gelungener Uwe Boll-Film - was allerdings nicht gerade ein Gütesiegel darstellt.
Daher auch meine Wertung auf der Boll-Skala:
Trash-Faktor: 8 von 10
Eigentliche Klasse des Films: 2 von 10
Unterhaltungswert: 5 von 10
Macht unterm Strich 5 von 10 Punkten und ist nur für seeehr tolerante Kinogänger, die sich mal wieder herzhaft anarchisch amüsieren möchten, geeignet.