„Uwe Boll wird dereinst die Speerspitze westlicher Kultur bilden“
-unbekannter Philosoph, vermutlich aus Griechenland
Ich habe ja schon lange die Waffen gestreckt. Seinerzeit noch ernsthaft erbost über die Verhunzung des potentialbeladenen „Alone in the Dark“, schon grundsätzlich amüsiert, aber immer noch auf Besserung hoffend anlässlich des „House of the Dead“, konnte ich mich spätestens mit „Bloodrayne“ nicht weiter der Tatsache verschließen, dass das nichts mehr wird mit uns Doc und der Qualität. Und er selbst wohl auch nicht, denn nachdem es ihm nicht mehr genügte, per Internet herbeizitierten Hänflingskritikern im Boxring die Fresse dick zu hauen, ging er sein Opus Magnum an, den alles und jeden beleidigenden Antiblockbuster: POSTAL, die Zelluloidkackwurst. Mit der Absicht in die Welt gelegt, alle Geschmacksgrenzen nach unten zu korrigieren und das Absurd-Schlechteste zu sein, das sich im Regal der Videotheken finden lässt.
Tatsächlich aber dürfte der Film das mit Abstand Beste sein, was sein Macher bislang fabrizierte. Tja, wie man’s macht, man macht’s verkehrt.
Von einem unbändigen, dadurch aber schon wieder putzigen Willen zum Tabubruch getrieben, spult sich der Film recht manierlich ab, ohne seinen oblatendünnen roten Faden vom nervenaufreibenden Tagesablauf des „Dudes“ zu verlieren. Diesbezüglich unterscheidet er sich, obwohl einmal mehr eine Computerspieladaption, schon gewaltig von seinen, alle Regeln der Narration brachial aushebelnden Vorgängern. Geldnot, Jobsuche, Gang zum Sozialamt, kriminelle Machenschaften, Amoklauf, Apokalypse – diese rundum nachvollziehbare Ereigniskette schmiert uns Boll hier mit POSTAL, dem Pausenbrot zwischen zwei guten Filmen.
Ist dabei aber viel zu gebremst, um seinem irrlichternden Thema wirklich beizukommen. Fährt seine Apokalypse sozusagen mit angezogener Handbremse an die Wand. Knallen kann es auf diese Art natürlich nicht. Sauber ausgeleuchtet und maßvoll geschnitten, wird der von durchaus brauchbaren darstellerischen Leistungen getragene, antizipierte Skandal umso offensichtlicher. Alles wirkt zu gewollt, inszeniert (!), erwischt einen nie kalt. Wie auch der Humor einfach keine Ebene findet, auf der er über die Lauflänge funktionieren kann. Mal ganz lustig, häufig nicht, oft schlicht peinlich. Bolls Absolutheitsanspruch gemäß wird einfach alles in den Topf geworfen, um die ultimative Satire zu erschaffen. Das Ergebnis kann man mit einem gesellschaftskritisch zugedrückten Auge wohlwollend als adäquate Verbildlichung alltäglichen Wahnsinns lesen, dürfte allerdings besser damit fahren, sich an das Sprichwort bellender, aber nichtbeißender Hunde zu halten.
Denn dass Boll immerhin sogar den Amoklauf-Charakter der Vorlage ignoriert, indem er seinen Helden erst in allerhöchster Not(-wehr) zur Waffe greifen lässt, wirkt schon erstaunlich zurückgenommen für einen Film, der doch angetreten war, sie alle zu verärgern und anzuspucken. Und so etwas vom Regisseur von „Uwe Bolls Amoklauf“ (obwohl es nicht der Doc selbst ist, der dort austickt, auch wenn’s der Titel nahe legt).
Wen wundert es da noch, dass der Dude schließlich die finale Großschießerei unterbricht, um eine minutenlange Rede pro Nächstenliebe zu halten. Für die der Regie-Maestro sogar während seines DVD-Kommentars ergriffen innehält. Da wird aus alles-scheißegal-Boll plötzlich Humanity-Uwe. Wahnsinn.
Nehmen wir uns also ein Beispiel an Bolls Ode an das Weltbürgertum, und zollen wir gleichzeitig seinem Hang zum nicht-immer-Verständlichem Tribut. Jagen wir das Fazit via Übersetzungstool durch die Sprachen dieser Welt, übersetzen es ins Deutsche zurück und verkünden die Wahrheit über POSTAL:
Der Film ist eine respektlose Post-9/11-Mentalität Aufarbeitung der Massenmedien. Und zur gleichen Zeit auf der Grundlage der Computerspiel.
Terroristen als normale Bürger bekommen ihre Fett weg. Es gibt viele blutige Exchange, ein Katze Schalldämpfer und Ralf Moeller in Unterhosen. Die Special Effekter sind anständig, die Geschichte ist angenehm dumm. Bøll spielt sich zwischen ihm und räumt ein, alle mit Nazi-Gold zu finanzieren. Aber er erschossen, was sehr Ironie selbst ist oder sein sollte. Am Ende explodiert alles. Und der Regisseur hat eine Nachricht: Zwischen wilden Kampf gegen das Feuer ist nach wie vor die Menschlichkeit aufgerufen.
Gehirn und Bier auf die Devise, wenn man im Kreis seiner Lieben diesen Film sieht.