Mit „Das Lächeln einer Sommernacht" präsentierte Ingmar Bergman, Schwedens Meister des finsteren Psycho-Dramas, Mitte der 50er Jahre eine federleichte Komödie, deren ernstere Untertöne immer wieder durch spitzzüngige Dialoge und eine spannende Intrigenstory aufgehellt werden.
Der Film erzählt von dem Anwalt Egermann, der seine alte Affäre, die Schauspielerin Désirée Armstadt, nie vergessen konnte, Als sie wieder in der Stadt weilt, treffen sich die beiden erneut. Erschwert wird das emotionale Tauziehen zwischen den beiden durch Armstadts neuen Geliebten und Egermanns Sohn, der sich in die eigene, blutjunge Stiefmutter verliebt hat. Und dann ist da noch das so freche wie hübsche Hausmädchen...
Der muntere Reigen aus emotionalen Verstrickungen, erotischen Anbandelungen und diversen Versteck- und Ränkespielen macht enorm viel Spaß, wenn man sich auf das etwas komplexe Figurenkonstrukt einlässt. Allerdings ist das gar nicht so schwer, da Bergman die Figuren so elegant wie prägnant einführt und die verschiedenen Ansprüche und Wünsche gekonnt gegeneinander ausspielt. Typisch für den Regisseur ist auch hier die enorme Dialoglast des Films, allerdings fällt das deutlich unterhaltsamer aus als in den meisten seiner ernsten Werke, da diese Dialoge hier ein Feuerwerk an scharfen Wortduellen und vor allem immer wieder sexuellen Andeutungen entzünden. In einer Zeit, in der Sexualität im Film aufs Allerschärfste überwacht und unterdrückt wurde, geht Bergman mit Mut und Esprit bis an die äußersten Grenzen dessen, was gesagt - und gezeigt werden durfte: Die Szene, in der sich Armstadt hinter einer Trennwand ein Bad gönnt und danach abtrocknet, dürfte jedem Zuschauer eindrücklich im Gedächtnis bleiben. So viel Haut wurde selten im Film gezeigt, ohne wirklich etwas zu zeigen - ein kleines Meisterstück in Sachen erotischer Aufladung.
Auch die sympathischen Figuren punkten mit ihren starken Dialogen, die zwischen existenziellen Sorgen - wen soll man lieben, wie soll man sich verhalten, woran soll man glauben - und spritzigen Wortgefechten hin und her pendeln. Wenn sich Egermann und sein neuer Rivale zum ersten Mal begegnen (allein schon deshalb eine herrlich absurde Szene, weil Egermann im Schlafanzug des Rivalen da steht), liefern sie sich ein verbales Duell, das sich gewaschen hat. Und die finalen Ränkespiele auf dem Anwesen einer gut betuchten Dame können sich mit den Liebeswirren klassischer Romane problemlos messen. Selbst die bedrohlichsten Entwicklungen werden dabei bis zum Ende durch absurd-ironische Brüche ins Heitere verkehrt, sodass der Film bis zum Ende durchgehend Spaß macht, trotz einer zeitweilig etwas durchhängenden Dramaturgie und fehlender Gag-Dichte.
Und trotzdem gelingt es Bergman, bei allem Wortwitz und absurder Situationskomik, bei aller Ironie über die Lächerlichkeit der Handlungsweisen seiner Figuren, das Ernste der Geschichte immer wieder durchschimmern zu lassen. Wie so oft bei ihm geht es auch hier um verlorene Lebensentwürfe, um Lebenslügen und die Frage, ob und wie man aus fest eingerichteten Konstrukten des eigenen Seins ausbrechen kann. Dass der Sohn Theologie studiert und Pfarrer werden will, aber von allen Figuren am stärksten unter seinen Trieben leidet, ist dabei nur ein Punkt. Auch die oberflächliche Eleganz der feinen Gesellschaft wird gnadenlos als Blendwerk demaskiert, hinter dem Leidenschaften, Egoismus, Eifersucht und Unsicherheit lauern.
Formal bleibt „Das Lächeln einer Sommernacht" trotz schöner Schwarz-Weiß-Fotografie und eines angenehm zurückgefahrenen Soundtracks ein weniger eindrückliches Bergman-Werk. Dafür unterhält er blendend mit seinen grandiosen Dialogen, den überspitzten Figuren und einer Story, die mit Liebeswirren und erotischen Anspielungen irgendwo zwischen Jane Austen und „Gefährliche Liebschaften" kreist. Eine wunderbar amüsante Komödie über die unerträgliche Lächerlichkeit des menschlichen Seins.