Es gibt ja den einen oder anderen Regisseur, dessen Namen man immer mal wieder aufschnappt, bei dem sich irgendwo in den hintersten Gehirnwindungen etwas regt, wenn er denn mal wieder unter "Directed by ..." über den Bildschirm flimmert. Einer dieser Fälle was meine Wenigkeit angeht: Dwight H. Little. Dieser ist mir selten bis nie mit wirklich überragenden Filmen aufgefallen, aber zumindest meint man, da mal ein, zwei oder auch drei nettere Streifen mit diesem Namen in Verbindung gebracht zu haben. Ein kurzer Blick in die OFDb zeigt: Ach ja, richtig - "Halloween 4" (sicherlich nicht der Überfilm der Reihe, aber ein durch und durch solider Slasher), "Zum Töten freigegeben" mit Steven Seagal (wiederum nicht der beste Film seiner Art, aber um Längen besser als vieles, für das unser aller Lieblingsmoppelchen später noch seinen Namen hergegeben hat), der rundum unterhaltsame "Mord im Weißen Haus", sowie diverse Folgen guter oder zumindest bekannter TV-Serien ("Bones", "24", "Prison Break") gehen auf das Konto des guten Mr. Little. (Ausrutscher wie "Tekken" oder das erste "Anaconda"-Sequel lasse ich der Argumentation wegen jetzt einfach mal unter den Tisch fallen.)
Und dann fällt einem unvermittelt "Rapid Fire" in die Hand, als man beim Durchstöbern der Multimedia-Regale einer bekannten Kaufhauskette vor jenen Actionfilmen hängen bleibt, die in Deutschland lange Zeit indiziert und womöglich sogar nur geschnitten erhältlich waren und in letzter Zeit neugeprüft und anschließend von Fox in der "Action Cult Uncut"-Reihe neu auf den Markt geworfen wurden. "Rapid Fire" ... ja, da dämmert was. Öfter mal von gehört, nie so wirklich für interessiert, aber für den Preis einfach mal mitgenommen ...
... und diesen Mehr-oder-weniger-Blindkauf nicht bereut. So ist es sicherlich nicht allzu übertrieben, hier von Littles bestem Film (so weit) zu sprechen, bietet "Rapid Fire" doch alles, was ein R-Rated-Actioner der frühen Neunziger so haben muss: einen Hauptdarsteller, dem man abnimmt, so richtig auf die Kacke hauen zu können, gut choreographierte Martial-Arts-Sequenzen, schick gemachte Shoot Outs und die eine oder andere blutigere Szene. Das alles ist reichlich vorhanden, wobei besonders das Tempo des Films heraussticht: Obwohl "Rapid Fire" schön actionreich daherkommt, verliert er sich nie darin, sondern lässt auch seinen Charakteren Zeit sich zu entwickeln, fügt einen eher dramatischen, Charakter-orientierten Subplot ein und bietet so eine schicke Abwechslung zum reinen Geballer anderer, ähnlich gelagerter Genrevertreter.
Rein inhaltlich betrachtet ist dabei natürlich auch dieses Filmchen hier keine Offenbarung - der junge Student Jake Lo (Brandon Lee) beobachtet auf einer Veranstaltung zu wohltätigen Zwecken, wie der Mafioso Serrano (Nick Mancuso) einen Bediensteten seines Widersachers, dem Drogenschmuggler Tau (Tzi Ma), kalt macht. Daraufhin gerät er mitten zwischen die Fronten: Serrano will ihn so schnell wie möglich tot sehen, das FBI braucht ihn dringend als Zeugen, da ein Gerichtsverfahren gegen Serrano ansteht und dieser so geschickt vorgeht, dass man ihm nichts nachweisen kann. Jake wird bis zur Verhandlung ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen, aber natürlich sind auch einige der FBI-Agenten von der Mafia geschmiert, sodass Jake nur knapp einem Attentat entkommt, wobei ihm der Cop Mace Ryan (Powers Boothe) zur Hilfe kommt. Dieser braucht Jake, um an seinen "Erzfeind" heranzukommen, Serranos Widersacher Tau, den er seit zehn Jahren unschädlich zu machen versucht. Bald müssen die beiden unterschiedlichen Charaktere - Jake, dessen Vater in China beim Erfüllen dessen, was er für seine Pflicht hielt, starb, und Ryan, der an der erfolglosen Jagd nach seinem Kontrahenten zu zerbrechen droht und in dem Jake seinen Vater wiedererkennt - ihre Probleme beiseite legen.
Diese charakterlastigen Szenen und Sequenzen nehmen jedoch - glücklicherweise? - nie einen zu großen Anteil ein, sondern sind mit einem guten Gespür für Dynamik mit den Actionsequenzen verknüpft, sodass "Rapid Fire" einen schönen Fluss bietet und angenehm straight-forward erzählt ist. Das ist nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass Little mit diesem Film ein Händchen dafür beweist, die Action so zu gewichten, dass eine schöne Abwechslung zwischen Martial-Arts-Duellen und Schusswechseln besteht, wobei beide handwerklich hervorragend in Szene gesetzt wurden (der Endkampf zwischen Brandon Lee und Al Leong gehört sicherlich zu den besten Fights der frühen Neunziger).
Ansonsten bekommt der Fan mit "Rapid Fire" eigentlich genau das, was er erwartet - aber das eben auf hohem Niveau und mit Extras. Während andere Versuche, Action mit Charaktergeschichten zu vermischen eher in die Hose gingen, gelingt es Dwight Little hier ganz hervorragend, zumindest das nötigste an schauspielerischen Fähigkeiten aus seinen Darstellern herauszukitzeln, sodass der Subplot um Jakes Gefühle zu seinem toten Vater, seiner Beziehung zu Karla, einer Mitarbeiterin Ryans, und Ryan selbst sowie seinem Unwillen, Verantwortung zu übernehmen, nicht wie so oft in diesem Genre zu einer selbstzweckhaften Farce verkommt, sondern den Charakteren ein Mindestmaß an Tiefe verleiht und so einen klaren Mehrwert für den Film darstellt. Auf darstellerischer Ebene überrascht hier neben Lee vor allem Powers Boothe, der zwar überwiegend düster-trübe aus der Wäsche schaut, seinem Charakter aber zumindest einige nachvollziehbare menschliche Züge verleihen kann.
So ist "Rapid Fire" unter dem Strich sicherlich kein Meisterwerk - aber er ist ein solider Actionfilm, der jede Menge gut inszenierte, handfeste Action bietet, aber darüberhinaus auch durch seine Charaktere und deren Geschichten überzeugen kann und so aus der durchschnittlichen Masse der Hard-Boiled-Actionfilme der frühen Neunziger heraussticht wie Steven Seagal bei den Oscarverleihungen. Oder so.
(8/10)