Ein Kamerateam begleitet und interviewt den leicht heruntergekommenen Daisato in seinem Alltag, beim Essengehen, Einkaufen, in seiner Wohnung. Er scheint ein ziemlich unspektakuläres Leben zu führen, obwohl die Leute auf der Straße ihn anstarren und Kinder auf ihn zeigen. Doch dann fängt das Team ein, wofür sie gekommen sind: Daisato wird zu einem Einsatz gerufen, direkt von der Regierung – Monster greifen Japan an, und jedes Mal, wenn das geschieht, verwandelt er sich mittels Starkstrom in den Dainipponjin, den Großen Japaner, und bekämpft sie.
„Dainipponjin – Der große Japaner“ ist ein einmaliger Genre-Mix, der das Topos einer Mockumentary stilecht einfängt. Wenn man nichts über den Inhalt weiß, dauert es knapp 20 Minuten bis zum ersten echt großen Überraschungsmoment – der ersten Verwandlung und dem Kampf gegen ein Riesenmonster. Bis dahin erzeugt der Film eine beinahe lethargische Atmosphäre, indem er dem einsamen Mann durch seinen eher tristen Alltag folgt. Er erzählt aus seinem Leben – die Frau hat ihn verlassen, die Tochter sieht er nur einmal im Monat, sein Gehalt könnte höher sein, irgendwer wirft ihm die Scheiben mit Steinen ein. Sogar seine Art zu sprechen wirkt gedehnt und nicht sehr hochsprachlich, sodass man sich wirklich fragen kann, was an diesem Mann so besonders sein soll, dass er interviewt wird. Stilistisch ist das bis dahin voll und ganz überzeugend und trifft den Ton einer ruhigen Dokumentation ziemlich genau.
Wenn dann der erste Monsterkampf startet, lässt der Film sämtliche Found-Footage-Ambitionen schlagartig fallen. Die jeweiligen Monster werden durch einen Erzähler aus dem Off angekündigt, der kurz ihre wichtigsten Eigenschaften beschreibt (keine davon ist übrigens übermäßig bedrohlich, was dem Ganzen einen zusätzlich absurden Touch gibt). Die Spezialeffekte sind hemmungslos schlecht und stammen aus der Mottenkiste der Computertechnik – ob das bewusst so gemacht wurde oder dem begrenzten Budget entsprang, bleibt fraglich. Vielleicht ein bisschen von beidem, denn natürlich passen solche miesen Effekte hervorragend zu einem Film, der ab einem bestimmten Punkt aus seinem Trash-Format keinerlei Hehl mehr macht.
Leider kann die irrwitzige Grundidee nicht über die gesamte Laufzeit hinweg unterhalten. Tatsächlich flacht der Spannungsbogen sogar sehr schnell ab: Die Kämpfe dauern nie sehr lang und wirken nie sonderlich gefährlich oder herausfordernd, selbst wenn der Dainipponjin mal verliert. Außerdem folgt der Film durchgehend derselben Dramaturgie: Mockumentary-Begleitung wechselt sich mit Kämpfen ab. Das wird schon nach dem zweiten Einsatz eher langweilig – da kann selbst die witzige Begegnung mit zwei Stinkmonstern bei der Balz nichts ausrichten. Auch bewegt sich die Geschichte kein Stück voran – Daisato erzählt immer weiter aus seinem Leben, aber selbst dramatische Entwicklungen wie das versehentliche Töten eines hilflosen Babymonsters, das ihm in der Bevölkerung ein überaus mieses Ansehen verleiht, bleibt irritierend folgenlos. Insgesamt dreht sich der Film 105 Minuten lang nur um sich selbst und seine zugegeben irrwitzige Ausgangsidee, ohne jemals von der Stelle zu kommen oder Handlung bzw. Figuren weiterzuentwickeln. Das sorgt dann für eine reichlich langgedehnte und spannungslose zweite Hälfte. Weniger Laufzeit oder mehr Entwicklung wären hier nötig gewesen, um das Interesse des Zuschauenden aufrecht zu erhalten.
Immerhin gefällt der Schluss, so absurd und zusammenhanglos er auch daherkommt: Eine Gruppe amerikanischer Riesen-Superhelden greift ein und verbündet sich mit dem Dainipponjin, inklusive hemmungslosem Hurra-Patriotismus und eintönigen Onelinern. Das macht ebenso Spaß wie die ganze absurd übersteigerte Godzilla-Riesenmonster-Parodie, die immer wieder mit witzigen Ideen punktet (etwa dem senilen ehemaligen Riesenkämpfer, der sich selbst zum Riesen-Opa verwandelt und durch die Städte schlurft).
Insgesamt aber bleibt „Dainipponjin – Der große Japaner“ zu blutleer und inhaltslos, um auf Dauer zu unterhalten. Einige witzige Ideen und absurde Bilder, die man so sicher nicht noch einmal sieht, sind für ausgesuchte Trash-Fans definitiv einen Blick wert, ein echtes Highlight sollte man hier aber nicht erwarten.