Ein Mann nähert sich einem Geldautomaten und wird von hinten niedergeschlagen. Fein säuberlich, ausgestattet mit einer Skelettzeichnung, Tranchiermesser und Beil, trennt darauf hin der Täter diesem einen Daumen ab.
Eli Michaelson (Alan Rickman) ist Chemieprofessor und vor allem Bewunderer seiner selbst. Nichts kann seinem Ego anhaben, jede Kritik prallt an seiner Arroganz ab und die junge Studentin, die ihm in seinem Büro zur Verfügung steht, bekommt trotzdem nur eine 4. "Du fickst doch nicht mit mir, um eine gute Note zu bekommen ?" lautet seine Gegenfrage, als sie sich darüber beschwert.
Barkley Michaelson (Bryan Greenberg) ist das genaue Gegenteil seines Vaters. Obwohl er sein Studium in Princeton mit "summa cum laude" abschloss, schreibt er lieber eine Doktorarbeit über Kannibalismus und hält sich in einem Institut für Sonderlinge auf, wo regelmässig Leseabende stattfinden, in denen Autoren ihre eigenen Texte vortragen.
Sarah Michaelson (Mary Steenburgen) schult als Forensikerin Polizisten und hat es gelernt zwischen ihrem exzentrischen Mann und ihrem unscheinbaren Sohn zu vermitteln. Souverän sieht sie über die Affären ihres Mannes hinweg, weiß ihn in der Öffentlichkeit geschickt zu korrigieren und fördert gleichzeitig ihren Sohn, der vom Vater finanziell extrem kurz gehalten wird.
Max Mariner (Bill Pullman) ist Detective und seine Begeisterung für Sarah Michaelson wird schnell deutlich, als er einen Polizeischüler scharf anfährt, weil dieser zu spät zum Unterricht der Forensikerin kam.
Sehr kurzweilig stellt "Nobel Son" seine Protagonisten vor, mit kleinen Tätigkeitsbeschreibungen unter ihren Namen und signifikanten Szenen, die ihren Charakter auf den Punkt bringen. Die Story kommt schnell in Gang, als ausgerechnet Eli Michaelson der Nobelpreis für Chemie verliehen wird, was ihn noch größer und seinen Sohn noch kleiner werden lässt und seiner Frau zusätzlichen Organisationsaufwand einbringt. Am Abend bevor die Familie nach Stockholm fliegt, hört sich Barkley noch die Vorträge der Autoren an, besonders von City Hall (Eliza Dushku), die es ihm angetan hat.
Seine ungeschickte Art, sie kennenzulernen, scheint seine Chancen gen Null verschwinden zu lassen, aber die leicht abgedrehte, doch sehr attraktive City Hall nimmt ihn, als er feststellt das sein Fahrrad gestohlen wurde, in ihrem Auto mit und als er ihr am Geldautomaten bewiesen hat, dass er tatsächlich kein Geld hat, landet er bei ihr im Bett. Nach einer entsprechend anregenden Nacht kommt Barkley prompt zu spät in sein Elternhaus zurück, wo er feststellen muss, dass seine Eltern schon zum Flughafen gefahren sind. Als er sich noch umsieht, wird er niedergeschlagen.
Und damit betritt der letzte wesentliche Protagonist die Bühne, Thaddeus James (Shawn Hatosy), seines Zeichens ein Multitalent, hochintelligent, aber auch mit reichlich Wahnsinn gesegnet. Was er nun mit der Familie Michaelson veranstaltet, ist zwar konstruiert bis in die letzten Details, aber so verrückt, abwechslungsreich und voller krimineller Energie, dass es eine Freude ist, ihm dabei zuzusehen, wie er der Reihe nach Vater Michaelson, seinen Sohn und den gesamten Polizeiapparat ins Lächerliche zieht.
Bis etwa 20 Minuten vor dem Ende des Films, denn dann bekommt man das Gefühl, ein Anderer hätte den Film gedreht. Durchaus noch im Tempo schnell und abwechslungsreich inszeniert, aber plötzlich scheinen sämtliche Charakterzeichnungen nicht mehr zu gelten. Die Polizei, vor allem in Person des Max Mariner, macht ihre Aufgaben alle richtig, Thaddeus verliert seine bisherige Coolness, Barkley bekommt plötzlich Anflüge von Selbstbewusstsein und seine Mutter zieht sämtliche Fäden im Hintergrund.
Ihr hätte man das schon zuvor zugetraut, aber das sie ihren Mann fallen lässt, mit dem sie nach der Nobelpreisverleihung noch so viel Spaß hatte, passt nicht ins Bild. Anlass hatte er ihr dafür schon zuvor genug gegeben. Nur verkommt dieses kleine Detail am Ende zu einer unwichtigen Fussnote, da Rickmans Rolle, die die gesamte Story erst zum Laufen brachte, am Ende völlig verschenkt wird. Lange Zeit sehenswerter und im Detail origineller Film, der noch einmal auf die beliebte verschachtelte Erzählweise zurückgreift, leider aber zum Schluß Konsequenz und Nachvollziehbarkeit verliert (5/10).