Der 14. Beitrag aus der Krimi-Reihe „Schimanski“ kehrt ein wenig zu den Wurzeln zurück, denn der unorthodoxe Ermittler haut sich nach über 25 Jahren nochmal zwei rohe Eier ins Trinkglas, wenn gerade keine Pfanne zur Hand ist. Doch der zwangsläufige Rentner ist auch ruhiger geworden, wie der Krimi unter der Regie von Torsten C. Fischer illustriert.
Schimanski (Götz George) gabelt an einer Tankstelle in seinem Kiez eine Vierzehnjährige auf, die ihm eindeutige Angebote macht, während ihr Vater (Matthias Brandt) mit akuter Spielsucht zu kämpfen hat. Derweil untersuchen die Ermittler Hunger (Julian Weigend) und Hänschen (Chiem van Houweninge) den Tod eines Arbeitsvermittlers, bei dem auch Schimanski ein Wörtchen mitzureden gedenkt…
Mit einem erwähnten Zitat von Anton Tschechow „Glück gibt es nicht, nur die Sehnsucht danach“ wird recht gut die Grundstimmung des trostlos gezeichneten Milieus ausgedrückt.
Nicht selten stehen die grauen Blöcke der titelgebenden Siedlung im Fokus, es scheint ein einziger sozialer Brennpunkt zu sein, bei dem die Verwahrlosung durch Hartz IV und Bürokratie-Firlefanz junge Mütter in den Selbstmord treiben könnte. Auch Schwarzarbeit, Veruntreuung und Erpressung spielen eine Rolle bei einem Mordfall, der beinahe etwas zu sehr in den Hintergrund rückt.
Denn die eigentlichen Ermittlungen zeichnen sich nicht gerade durch spannende Entwicklungen aus, zumal der Kreis der potenziellen Täter überschaubar bleibt.
Die entsprechende Person mithilfe von eindeutigen Beweisen auszumachen, ist innerhalb des letzten Drittels wiederum deutlich ansprechender ausgearbeitet, zumal Schimanski immer einen Schritt tiefer ins Detail eindringt als seine Kollegen. Mehr noch: Er kennt eben seinen „Vorgarten“ und weiß, wie die Leute hier ticken.
Mal abgesehen vom stets präsenten George tragen, neben den gut gewählten Lokalitäten und dem unaufdringlichen Score, auch die übrigen Mimen dazu bei, eine gewisse Authentizität zu vermitteln, wobei besonders Matthias Brandt als gebeutelter Familienvater und Julia Jäger als Ärztin und Witwe positiv hervorstechen.
Obgleich Schimanski nicht mehr offiziell als Ermittler tätig ist, erfrischt noch immer die direkte Art der Titelfigur. Sie ist einerseits in Würde gealtert, benutzt deutlich weniger Fäkalsprache und bezieht sogar mal Prügel, andererseits ist der Sinn für Gerechtigkeit in fast beiläufig erscheinenden Handlungsweisen erkennbar, was letztlich doch zum erwünschten Ziel führt. Schade, dass der eigentliche Kriminalfall nur bedingt zieht.
6,5 von 10