Die befreundeten Wissenschaftler Tango One [ Ekin Cheng ], Blue Szeto [ Kelly Chen ] und C.S. Koo [ Jordan Chan ] arbeiten für die CIA an dem „VR Fighter“ Projekt, in denen innerhalb weniger Tage Untrainierte mit Hilfe von unterschwelligen Botschaften und Hypnose zu Kampfmaschinen ausgebildet werden. Als Alien [ Terence Yin ] Mitarbeiter eines Forschungsprojektes zur Gedankenkontrolle entführt, dabei auch Blue Szeto kidnappet und C.S. Freundin tötet, lassen sich die beiden Übrigen in ihrem eigenen Programm schulen und gehen abseits des Geheimdienstes auf Terroristenjagd...
Spätestens ab 1997 begann man in Hong Kong, sich für eine Weile filmtechnisch Richtung Westen auszubreiten und wenigstens so zu tun, als ob man in punkto Geschichte, Effekte und Inszenierung mit den amerikanischen Produktionen mithalten konnten. Grund dafür war, dass diese nach langen Widerstand seitens der asiatischen Filmkultur nun doch die Spitze auch im heimischen Box Office erlangten und die eigenen Werke auf die rangniederen Plätze verwiesen.
Man wollte die Konkurrenz also jetzt mit den eigenen Mitteln schlagen und dazu noch für den ausländischen Markt gleich mit profitabler, da konventioneller erscheinen; der Schuss ging aber nicht wirklich nach vorne los. Zum einen konnte man gar nicht den Standard erreichen, dazu fehlt neben dem Wissen auch das Geld; und zum anderen hat man diejenigen verwirrt und vergrault, die sich extra die Nische weitab von Hollywood ausgesucht haben und jetzt beileibe nicht das Gleiche nur mit Chinesen in der Besetzung sehen wollten.
Ein Versuch war es vielleicht wert, aber die Ergebnisse Hot War, Skyline Cruisers, China Strike Force und Gen Y Cops sprechen eigentlich für sich und bedürfen keiner weiteren Ausführung. Zwar sind auch diese unterhaltsam, aber nur mit einer hohen Prise schlechten Geschmack verbunden. Nur vermindert kamen hier und da mal Arbeiten heraus, die sich als erfrischende Neuaufbereitung gängiger Elemente darstellten und dann auch ernstzunehmen waren. Dazu gehören Teddy Chans Downtown Torpedos oder Gordon Chans 2000 A.D.; die aber im Gegensatz zu ihren Artgenossen auch nicht gleich alles umkrempeln mussten und sich auch nicht völlig auf Technikgeschwurbel und Computergrafiken verliessen, sondern für ihre Verhältnisse handgemacht erschienen.
Jingle Mas Hot War ist mit am deutlichsten weitab der Wirklichkeit angesiedelt und bewegt sich dann wenigstens konsequent auch gleich im virtual reality Bereich, wo er mit seinem Regisseur allerdings auch hingehört. Ma, der als Kameramann durchaus eine Koryphäe auf seinem Gebiet darstellte und die 90er massgeblich mit abfotographiert hat, feiert hiermit seinen Einstieg auf dem Regiestuhl und bringt sämtliche gängigen Eigenschaften für seine Nachfolgeproduktionen gleich mit. Er entwickelt sich später also nicht weiter, sondern bleibt bei der hier vorexerzierten Arbeitsweise; auszumachen natürlich vor allem in der Optik selber. So sind auch hier die ständigen weissen Räume sowie die unfarbene Kleidung vorzufinden, die mitsamt der weichen, kontrastarmen Beleuchtung dem Film die meiste Zeit komplette Sterilität verleihen und ihn klinisch rein wirken lassen.
Passend dazu wird Kommunikation, Information und Operation immer über Monitore durchgezogen, die wenigen Szenen mit menschlicher Interaktion scheitern permanent; mit der Führung von Schauspielern weiss Ma auch rein gar nichts anzufangen.
Deswegen geht auch das zwischenzeitlich eingesponnene Drama in der Regel daneben, obwohl vom Drehbuch her die Option durchaus erkannt wird: Ein Trio, dass sich seit der frühesten Kindheit kennt, zusammen das Waisenhaus durchgangen ist und sich nur selber einander hat, aber über die Umstände doch getrennt wird. Wobei der eine erst seinen Halt verliert und dann dem anderen noch seinen Partner nimmt und so die Gruppe komplett zerreisst. Könnte wirken, etwas beim Zuschauer auslösen, tu es aber nicht, weil Ekin Cheng keine richtigen Gefühle hinbekommt und entweder überhaupt nichts darstellt oder gleich viel zu sehr übertreibt. Sein ewig untersteller Partner Jordan Chan hat nur in Einzelszenen die Chance, wenigstens etwas zu schauspielern; eine richtige Wechselbeziehung wird ihm ja verwehrt.
Auch dadurch wirkt der Film abseits der Bewegung sehr [blut]leer. Die Grundgeschichte selber geht soweit in Ordnung; besonders die Ausgangsidee der versteckten Botschaften ist erstmal nicht übel, wird hier aber zu selten im Kontext von Steganographie, Kryptographie sowie den klassischen Geheimschriften von Semagramme und Open Code angewendet. Die unterschwellige Wahrnehmung von Reizen und die Maskierung der subliminalen Töne und Bilder wird mit nichtssagenden, sinnlosen Technikphrasen vollgestopft, die ein reelles Wissen darüber nur vortäuschen; ausserdem ist die Zielsetzung zu hanebüchen.
Auch die Locationwechsel stehen für mehr Bemühungen als Können; über Belfast nach Chicago, Miami, Langley, Hongkong, Malaysia und abschliessend Mexikco wird eine vermeintliche Internationalität in Bezug auf die Handlung und die Produktion selber simuliert, ohne einen grossartigen Nutzen daraus zu ziehen. Man befindet sich ja meistens sowieso nur an Innensets oder fährt mal die eh identisch aussehenden Wolkenkratzer ab. Dann sich doch lieber auf einen Standort fixieren und diesen auch ebenbürtig nutzen.
Was auch für das Englisch gilt: Entweder ganz oder gar nicht. Nicht mit Cantonesisch abwechselnd und erst recht nicht durcheinander.
Sicherlich, Ma war hier noch Anfänger und als Debütant und gleich bei einer grösseren Produktion gesetzt kann man nicht erwarten, dass er auf Anhieb alles richtig macht. Aber er sollte wenigstens das Tempo obenhalten; schliesslich befindet man sich vom groben Genre her in einem Actionfilm. Ma setzt dann sehr wohl auf Druck, weiss allerdings nicht, wie man so etwas filmt und lernt es auch nicht mit der Zeit; wenn man sich die darauffolgenden Tokyo Raiders, Silver Hawk und Seoul Raiders ansieht. Sicherlich ist dort die Schuld nicht alleinig ihm zuzschreiben, da er ja fast immer mit einer auf diesem Gebiet untrainierten Besetzung bestraft ist; aber selbst bei Silver Hawk mit Michelle Yeoh im Cast sah es gelinde gesagt nach lauer Luft aus, was er statt Action auf die Leinwand zauberte.
Grund dafür sind beileibe nicht die schlechten Leistungen seiner Choreographen, sondern dass Ma auch hier nach seinem persönlichen Reinheitsgebot arbeitet: Viel in Einzelbilder aufstückelt und wiederholen lässt ohne etwas Neues zu zeigen, mehr auf den Hintergrund konzentriert ist als das was im Fokus stehen sollte und dem Ganzen zusätzlich eine kräftige Dosis Verdünnungsmittel beimischt. Jegliche Härten verschwinden, es wird grundsätzlich nur durch Zuckerwasser und dann in die Bewusstlosigkeit gesegelt.
Hierbei macht man zwar noch einige Ausnahmen, aber die kommen erst zum Finale; damit viel zu spät und auch da sehr in Grenzen. Das Cat 2A rating ist letztlich auch viel plausibler als die deutsche FSK 16.
Zum Glück ist der Spuk der High Tech Reisser mittlerweile wieder vorbei; man konnte sich ja eine kurze Zeit damit amüsieren, wenn man nichts Besseres vorhatte, aber hätte doch lieber was typisches Asiatisches gesehen. Für zweitklassiges Möchtegern – Hollywood ist Zeit und Geld dann doch zu schade.
Dafür gibt es Fernsehfilme.