Zeit für Poe-tischen Budenzauber, doch was hier der Quelle einer spannungstauglichen Kurzgeschichte entspringt, ist die Gabe, einen Zuschauer mit nahezu kompletter Inhaltslosigkeit in den Schlaf zu wiegen, mal gut, dass er nach 77 Minuten ein Ende hat.
Ohnehin bleibt vom Original wenig übrig, da ging der Schrecken primär von dem unheimlichen Haus aus, - hier ist das Interieur halt vorhanden und es bleibt bis zum Schluss ohne Gruselwirkung, ein Gefühl von Beklemmung entsteht zu keiner Zeit.
Hierin langweilen uns drei Figuren: Jill, die nach dem plötzlichen Tod ihrer Freundin Maddy zur Beisetzung anreist, Schriftsteller Rick Usher, mit dem Jill bis vor drei Jahren liiert war und die knarzige Haushälterin Thatcher, Typ Schnake mit Ohren.
Der Verfall des Anwesens als Synonym für den Untergang einer degenerierten Adelssippe, - Roger Corman und Vincent Price konnten das anno 1960 recht atmosphärisch auf den Punkt bringen, - was Regisseurin Hayley Cloake nicht in Ansätzen gelingt.
Schwarzweiß-Fotos, ein kahler Baum und Blutspuren auf einer Treppe, - super Gruselstimmung. Dazu steht Jill regelmäßig nachts auf, weil sie eine Figur gesehen haben will, die dem Betrachter zumeist verborgen bleibt, ansonsten stellt sich innerhalb der Ereignislosigkeit nicht ein Moment Suspense ein.
Hauptfigur Jill ist völlig uninteressant und eindimensional, Schriftsteller Usher ein pröpeliger Herr, der überhaupt nicht aus dem Quark kommt, weil er – wie es allen aus der Familie seit Generationen ergeht – an Neurasthenie leidet. Der Knabe ist so voll von somatoformen Störungen, dass er zum Schlafen sogar in den Floating Tank steigt, sich regelmäßig Spritzen (die auch gerne mehrfach in Nahaufnahme) von seiner wortkargen Haushälterin geben lässt und ansonsten nur glibberige Satzgeflechte von sich gibt, weil das wohl irgendwie an Poe anlehnen soll.
Die latente Bewegungsarmut wird nach schier endloser Wartezeit mit einer Ohrfeige (!) durchbrochen, wenn man einmal von körperlichen Annäherungsversuchen, mit Lippen-Schmödder und belanglosem Bömbeln absieht.
Da passiert einfach überhaupt nichts und die Hüllkurven-Loops als Sounduntermalung sind trauriges Indiz dafür, dass sich Szenen ohne Aussage schlicht mehrfach wiederholen.
Gegen Finale ändert sich das nur geringfügig, da kommen vermehrt Spritzen zum Einsatz, ein „Geheimnis“ kündigt den Mega-Plot-Twist an und am Ende fliegt noch jemand aus dem Fenster, während das Haus, im Vergleich zum Original, völlig unbeschadet bleibt.
Dilettantismus also auf jeder Ebene, da herrscht null Gefühl für Stimmung, kein Gespür für Dramaturgie und selbst Szenen, die bewusst auf Spannung und Atmosphäre setzen, flattern ohne jegliche Wirkung an einem vorüber.
Die beste Szene ist, als Jill Familienfotos derer von Usher zu einem Familienstammbaum arrangiert, - endlich mal ein Vorgehen mit mehreren Schnitten und einer Kamera, die sich bewegt.
Der Rest ist lahm ohne Ende, das Geheimnis des Hauses Usher verkommt zu einem faden Familiendrama ohne Sinn für die Figuren, auch wenn für die wenigen Außenaufnahmen passable Blaufilter eingesetzt werden, - Stil hat das Ganze überhaupt nicht.
Wenn ich aus einer Laune heraus eine Handvoll Weintrauben an die Wand pfeffere, nur um zu sehen, ob ich hinterher die richtige Farbmischung zum Überstreichen hinbekomme, macht das mehr Sinn, als diese völlig verkorkste Poe-Umsetzung.
2 von 10