"Tritt Achilles nicht in die Ferse, sondern in den Arsch - falls er ihn hinhält" - treffender hätte der schnauzbärige Partisanenanführer das Motto von "Kommando Schwarzer Panther" nicht auf den Punkt bringen können. Denn in diesem Machwerk von Italo-Regisseur Umberto Lenzi lassen sich gleich ganze SS-Divisionen nur allzu bereitwillig den Hintern versohlen - und das von einer handvoll Partisanen, die von zwei amerikanischen Agenten angeführt werden. Ihr Ziel: Sie wollen einen schwedischen Wissenschaftler kidnappen, der mit den Nazis kollaboriert und ihnen mit seiner Erfindung doch noch den Endsieg ermöglichen könnte.
Es kommt, wie es kommen muss. Vergesst Stalingrad, vergesst den D-Day: Der Krieg geht den Deutschen ausgerechnet in der jugoslawischen Pampa endgültig verloren. Nicht auszurechnen, wie bescheuert die Nazis aus der Wäsche geschaut hätten, wenn die beiden verwegenen Spione schon früher nach Europa beordert worden wären. Womöglich wäre der deutsche Sturm in einem lauen Lüftchen verpufft. Gegen das Engagement der beiden Herren aus Übersee war das Unternehmen Eiche, die Befreiung Mussolinis, der reinste Kindergeburtstag: Deutsche Panzer werden mit Handgranaten geknackt, Züge werden gekapert und pulverisiert, ganze Artellerienester mit einem beherzten Krauch über eine offene Wiese ausgehoben und deutsche Bordelle mal eben mit einem Bauerntrick geentert. "Hose runter!", blökt Oberagent Chefeagent Rose (Peter Hooten) und - schwupps - geht die Operation in die nächste frivole Runde. Mit den schnittigen Wehrmachtsuniformen am Leib kommen unsere Helden in jede noch so bewachte Festung hinein. Kein Wunder, dass dieser Trick gleich ein paar Male bemüht wird. Nur einer kann dieses gerissene Spiel durchschauen: Major Dietrich. Der Choleriker mit der pulsierenden Monsterschlagader kann zwar wenig lichte Momente vorweisen, doch einmal hat der gute Mann doch aufgepasst: "Die Nase! Die Haarfarbe! Jetzt weiß ich's! Du bist eine Jüdin! Die arbeitet im jüdischen Untergrund!".
Ein Dialogfetzen zum mit der Zunge schnalzen! Und mit solchen Sternstunden des gesprochenen Wortes kann "Kommando Schwarzer Panther" auch weiterhin punkten. Weisheiten am laufenden Band. "Ich habe jetzt begriffen, dass der Krieg eine Pestbeule ist", faselt der schwedische Kollaborateur in die Kamera. Für diese Erkenntnis hat es einen Film wie "Kommando Schwarzer Panther" gebraucht. Doch Major Dietrich spricht dem Wissenschaftler gleich jegliche Zurechnungsfähigkeit ab: "Sie sind Schwede! Die Schweden haben seit dem 17. Jahrhundert keinen Krieg mehr geführt. Ihnen fehlt jegliche Notwendigkeit und Logik!" Aber Hauptsache, der Mann ohne Notwendigkeit und Logik bastelt seit Jahren an der ultimativen Waffe für den Endsieg.
Aber warum sich großartig beschweren? Derartige Szenen sind schließlich nur bloßes Bewerk. Das Hauptaugenmerk liegt auf den ausufernden Actionsequenzen. Die sind auf den ersten Blick sogar recht gefällig ausgefallen. Wenn der Etikettenschwindel nicht so offentsichtlich wäre. Denn wo "Kommando Schwarzer Panther" draufsteht ist nicht viel "Kommando Schwarzer Panther" drin. Sämtliche Action besteht aus externen Filmaufnahmen, die aus anderen Machwerken wegstibitzt wurden. Das
würde auch die Tatsache erklären, warum bei einem Luftangriff dreimal die gleiche Hütte in Flammen auf geht. Und warum das Fluchtflugzeug in zwei unterschiedlichen Ausführungen zu sehen ist.
Bei so viel filmischem Dilettantismus bleibt eigentlich kein Auge trocken, man könnte diesem Streifen sogar einen unfreiwiligen Unterhaltungswert attestieren - wenn "Kommando Schwarzer Panther" nicht all denjenigen, die den Krieg wahrhaftig erlebt oder sich auch nur ansatzweise ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt haben, ins Gesicht spucken würde. Wenn Bilder von Leichenbergen Betroffenheit suggerieren sollen, aus dem Off aber quirrlig-fesche Synthie-Sounds vernehmbar sind - dann ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit beinahe erreicht. (2/10)