Der Category III-Boom war bereits im Abklingen, als Ivan Lai der Fangemeinde The Peeping Tom vor den Latz knallte. Von all den Spätbeiträgen zu diesem kontroversen Genre (Category III ist zwar an und für sich eine Altersfreigabe, da aber viele Filme speziell auf dieses Rating hin inszeniert wurden, ist es durchaus legitim, die entsprechenden Exploitationfilme als eigenes Subgenre zu klassifizieren) ist The Peeping Tom, neben Ebola Syndrome, Intruder und Her Vengeance, einer der besten (auch wenn er den eben genannten nicht das Wasser reichen kann).
Ivan Lai begann seine Regiekarriere Ende der 1980er-Jahre mit Thank You, Sir, bevor er in den 90ern mit einigen heftigen Category III-Krachern zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Auf seine Kappe gehen, neben The Peeping Tom, u. a. Erotic Ghost Story III, Daughter of Darkness, Daughter of Darkness II, Ancient Chinese Whorehouse, A Fake Pretty Woman und The Imp. Im Zentrum von The Peeping Tom steht Chen (Mark Cheng Ho-Nam, Raped by an Angel), ein so eiskalter wie gerissener Sadist, der seine sexuelle Vorliebe bis zum Exzeß auslebt. Chen ist Fußfetischist, und er begnügt sich nicht damit, weibliche Füße zu liebkosen und an deren süßen Zehen zu nuckeln, nein, er schneidet die Extremitäten gleich ab und sammelt sie.
In der Eröffnungsszene, die fast zur Gänze in ein kaltes Blau getaucht ist, fällt er nachts auf einem menschenleeren Parkplatz über eine junge Frau her, vergewaltigt sie anschließend in seinem Versteck und tötet sie schließlich, indem er ihr mit einer handlichen Kreissäge die wohlgeformten Beine absägt. Sie ist bereits sein siebentes Opfer, und dem ermittelnden Polizisten Inspektor Chang (Michael Tse Tin-Wah) fehlt jede Spur. Da bringt sich der arrogante und oft mit einer Videokamera bewaffnete Psychopath selbst ins Spiel, als er bei einem wilden Shootout auf die schöne Polizistin und Inspektor Changs Freundin Cheng Hsuen (Jade Leung Chang) und ihre ebenso hübschen Beine aufmerksam wird. Ein grausames Katz-und-Maus-Spiel beginnt, in dessen Verlauf noch einige Menschen ihr Leben lassen werden.
Hauptdarstellerin Jade Leung, die es bei der Miss Asien-Wahl 1990 immerhin ins Semifinale schaffte und sich früher als Kellnerin durchs Leben schlug, kennt man am ehesten als taffe Actionheldin in Filmen wie Black Cat, Satin Steel oder Raging Angels. In The Peeping Tom macht sie eine gute Figur als in die Enge getriebene Polizistin, deren Widersacher ihr immer zumindest einen Schritt voraus ist. Sie droht an den sadistischen Spielchen, die Chen mit ihr treibt, zu zerbrechen: "Why don't you let me die?" jammert sie an einer Stelle verzweifelt, wie ein Häufchen Elend auf dem Boden hockend. Mark Cheng gibt mit seiner roten Brille einen ordentlichen, emotionslosen Serienmörder ab, obwohl seine Charakterisierung zu wünschen übrig läßt. "Killing a man or an ant makes no difference to me", sagt er. Wieso er tut was er tut, bleibt außen vor.
Im Gegensatz zu vielen Exploitationfilmen made in Hongkong verzichtet The Peeping Tom auf ein Comic Relief; die einzige, ansatzweise "lustige" Szene ist der Bericht eines Nachrichtensprechers ("His perversion has caused panic to many girls in HK especially those with beautiful legs"), der im Anschluß über den Täter herzieht und damit mehr abbeißt, als er schlucken kann. Ivan Lai gelingen einige tolle Set-Pieces, wie z. B. die Sequenz im Trophäenraum, die perverse Show, die der Psychopath vor der gefesselten Hsuen abzieht, oder der packende Showdown auf dem Dach. Auch an ein paar schönen Suspense-Szenen darf man sich als Zuschauer erfreuen, da Chen ein Faible für Home Invasions hat (er schleicht sich gerne in fremde Wohnungen, macht es sich dort gemütlich und beobachtet die nichtsahnenden Frauen eine Zeit lang, bevor er erbarmungslos zuschlägt). Und da sich Chen nicht nur aufs Zuschauen beschränkt, wird auch heftig vergewaltigt. Diese Szenen hinterlassen einen äußerst unangenehmen Beigeschmack, nicht nur, weil sich die Opfer kaum wehren, sondern vor allem, weil sie mit ihrem Gestöhne den Eindruck erwecken, sie würden sogar ihren Spaß dran haben (Ausnahme: die Vergewaltigung der von Rachel Tucker gespielten Blondine, der einzigen Nicht-Asiatin im Ensemble).
Der Einsatz von Gore ist kurz und prägnant und sorgt für einige nette Schockmomente. Purer Selbstzweck ist hingegen die Szene, in der sich Hsuens Schwester Kelly (Nomoto Miho) ausgiebig duscht und ihren Körper genußvoll einseift. Da sie ihre kleinen Brüste ebenso wenig vernachlässigt wie ihre stark behaarte Intimregion, jubelt der Voyeur im Zuschauer. Mit der Logik nimmt es der visuell ansprechend gestaltete Film nicht sonderlich genau, und das dumme Verhalten der überwiegend unfähigen Polizisten verwundert doch einigermaßen. Wenn man sich daran nicht stört, bekommt man mit The Peeping Tom einen recht spannenden, sleazigen und ausgesprochen perfiden Exploitation-Thriller serviert, der zumindest Genrefans zufrieden stellen sollte. Und für Fans der hübschen Jade Leung ist dieser Schocker sowieso Pflichtprogramm.