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Like A Dragon


Inhalt: Hitzewelle über Tokio und die Menschen spielen verrückt. Erzählt wird eine Geschichte, oder viel mehr einzelne Episoden welche lose miteinander verknüpft sind. Man trifft den frisch aus dem Knast entlassenen Kiryu und eine Göre, dessen Mutter er finden will. Zwei trottelige Bankräuber, welche eine leere Bank ausrauben wollen. Einen Masochistisch veranlagten Waffenhändler. Genervte Polizisten. Einen koreanischen Berufskiller. Einen Baseballschläger schwingenden Yakuza-Clan und deren Anführer Majima. Des Weiteren spielen 10 Milliarden Yen eine große Rolle obwohl sie gar nicht vorhanden sind und dann wären da noch die Teenager deren neuestes Hobby es ist kleine Läden ihrer Tageseinnahmen zu berauben. Liest sich schräg und erinnert bei Sichtung irgendwie an Marathon-Zapping an einem schlechten Fernsehabend, ist aber ein unterhaltsamer Actionflick geworden, dem ein Videospiel namens YAKUZA zu Grunde liegt.

Genau das richtige Metier für Romcomfilmer Takashi Miike (Audition, DOA, Fudoh)! Haha. Nein im Ernst hier darf er sich mal wieder wie ein kleiner Junge im Sandkasten austoben und machen was ihm beliebt. Offensichtlich war ein größeres Budget vorhanden, weshalb sich optisch ein Bonbon entfaltet. Kunterbunt geriet dieses, von Hitzewallungen überrannte, Tokio. Da sich die Geschehnisse innerhalb eines Abends entwickeln und man quasi nen Echtzeitfilm sieht, spielt sich alles im dunklen ab. Ganz entgegen der Annahme viel vom dreckigen Großstadtmoloch zu sehen, eröffnet sich eine schillernde Welt aus Farb-, und Lichtspielen. Tokio aus der Vogelperspektive erinnert dann auch mehr als einmal an Videospiele. Leuchtreklamen, Straßenzüge, Shoppingmeilen, alles leuchtet geradezu pervers und sticht und brennt sich nachhaltig in die Augen. Mittendrin all diese Charaktere, deren Wege sich kreuzen und dabei nicht zwangsläufig einem Kontakt unterliegen. Der Plot ist kein Plot. Dramaturgie ergießt sich über den Bordstein und kommt wenn sie gebraucht wird, soll aber nicht konsequent aufgebaut oder gar gehalten werden. Filmische Grundregeln gibt es hier nicht bzw. unterliegen Miike der sie gekonnt ignoriert. Fans wird dies im höchsten Maße freuen, auch wenn sein plakativer Gewaltpegel ungewohnt gezügelt vor die Kamera knallt. Doch passt dies, denn der Film versteht sich nicht als beinharter Reißer und will schon gar nicht das Yakuza-Genre neu erfinden. Vielmehr überwiegt hier ein beißender Humor, welcher „Normalkonsumenten“ schon mal das Lachen zum Zwerchfell zurück schickt. Beispiel gefällig: Majima’s Gang knüppelt sich, auf der Suche nach Kiryu, seelenruhig durch Shinjuku und haut die Fußgänger reihenweise um, während zur selben Zeit die zwei Bankräuber darüber streiten wer die erste Geisel abknallen muss. Fast schon skurril oder wenigstens grotesk was der Zuschauer hier lustig finden soll. Hirn abschalten darf generell empfohlen werden, denn Overacting, Gags „Made in Asia“, Drama, Action, Handkantengekloppe und eben die „witzigen“ Gewaltausbrüche dürften leicht einem Videospiel entnommen worden sein, oder umgekehrt. Egal, denn auf dieser Ebene funktioniert der Film meines Erachtens ausgesprochen gut. Man sollte auch nicht den Fehler begehen und „LIKE A DRAGON“ als einen Takashi Miike Film zerlegen und anfangen zu interpretieren, denn er wird die Meinungen so oder so spalten und sich letzten Endes trotzdem in die Liste seines Filmschaffens einfügen.

Die Darsteller rocken im wahrsten Sinne des Wortes und spielen, ihrer Videospielumwelt, entsprechend locker und überzeugend. Keiner fällt negativ ins Gewicht, was aufgrund der sehr vielen involvierten Charaktere wahrlich ein Kunststück darstellt, da es locker 20 Figuren sind. Der Score wird durch harte Gittarenriffs treibend eingesetzt und verleiht so mancher Actionsequenz eine pulsierende Note, zumal vor allem bei den Fights Flammen dem Ganzem powermovelastige Explosionen zugestehen und dies wieder ein unwiderlegbarer Beweis dafür wäre, hier einen echten Takashi Miike-Film gesehen zu haben. Nicht mehr, nicht weniger.

Fazit. Sehr lockerer Actionquatsch von Takashi Miike, dessen Daseinsberechtigung lieber nicht erörtert werden sollte und welcher jedem Zuschauer Tränen in die Augen treiben wird, vor Freunde oder vor Grausen!

7/10

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