Wenn ein Film mit der Tagline „Zwei Trottel, ein Job, keine Regeln“ wirbt und als Untertitel auch noch mittels „Showdown im Supermarkt“ einen drauf setzt, dann erwarte ich so einiges.
Nahrungmittelschlachten, Kundenverstümmelungen, fiese Tricks und Geschmacklosigkeiten – schließlich habe ich es hier darstellerisch mit Seann William Scott zu tun, der dem schwanzfixierten Deppentum in Hollywood ganz neue Möglichkeiten eröffnet hat – und an seiner Seite der zwar zeitweilig sehr solide, aber auch durch kreuzdoofe Redneckkomödien beliebt gewordenen John C.Reilly.
Sieht man dann aber, daß die Komödie an den US-Kinokassen mit nicht mal 200.000 Dollar Einspiel kurzerhand begraben und vergessen wurde, dann ist was im Busch: entweder haben die Amis ein Ereignis versäumt oder wir sitzen einem verzweifelten Etikettenschwindel der Produktionsfirma auf, die nicht weiß, wie sie das fertige Produkt anpreisen soll, ohne das es auf Desinteresse stößt.
Leider neigt sich die Waagschale hier letzterem zu, einem prinzipiell gar nicht mal so uninteressanten Film, der jedoch aufgrund einer Reihe kreativer Fehlentscheidungen gänzlich sein ursprüngliches Ziel verfehlt.
Steve Conrad, so kann ein Blick in die Filmographie verraten, der diesen Film gedreht und geschrieben hat, ist nämlich nicht der Mann für die albernen Komödien, sondern ein Fineliner für eine bestimmte, aber nicht eben sonderlich massenwirksame Form der Tragikomödie, wie er mit „The Weather Man“ bewies.
Und auch „The Promotion“ sollte wohl etwas ganz anderes werden: eine leise Tragikomödie, etwas sentimental, über zwei Menschen, zwei Männer in der modernen Gesellschaft, die nur kleine Rädchen in einem bereits total entmenschlichten Konzern sind, der aber wiederum glaubt, die Menschlichkeit gepachtet zu haben. Diese Männer arbeiten in einem scheinbar traurigen, würdelosen Job und kämpfen um eine bessere Stellung, die aber auch nicht viel mehr Ansehen verspricht. Es sind relativ kindliche, schwache Männer, die starke Frauen an ihrer Seite haben, welche eben das nicht betonen. Und alles, was sie sich wünschen, ist einmal stark und erfolgreich, ja männlich zu sein.
In den Händen zweier passender Darsteller hätte das sicherlich für den Arthaussektor funktioniert, doch wenn ich so eine leise, tragische Geschichte transportieren möchte, wähle ich natürlich nicht S.W.Scott als meinen Hauptdarsteller, dem vermutlich noch in 20 Jahren anhängen wird, daß man von ihm erwartet, im nächsten Moment einen Hundehaufen zu verspeisen und einem Bier-Sperma-Mix nachzuspülen.
Scott gibt sein Bestes (und das ist wahrlich nicht viel) als der weichliche Loser, der den Zuschauer jedoch nicht anrührt in seiner Verlorenheit, sondern in seiner selbstmitleidigen Jämmerlichkeit und seinem nerdigen-dämlichen Look binnen weniger Sekunden zu Tode nervt.
Reilly dagegen, durchaus fähig, ein Mime von Rang zu sein, legt seinen Richard als einen Art traumwandlerisches Alien an, dessen bisweilen lethargisches Verhalten meistens mit seiner kanadischen Herkunft erklärt wird. Tendenziell traut man der Figur mehr zu, aber auch hier herrschen meistens nur seltsames kindliches Selbstmitleid und der permanent unwirksame Umgang mit einem Selbsthilfeaudiobook, dessen Voiceover praktisch den erklärenden Rahmen für die generelle Situation bietet.
Ein Duell zwischen diesen Figuren kommt jedoch nie zustande, denn der Zweikampf ist ein totes Rennen, das sich nie entscheiden kann, ob es denn nun überhaupt starten soll. Bei zwei nervtötenden und unsympathischen Figuren muß man sich zwangsläufig für eine entscheiden und das beeinflußt „The Promotion“ auch noch dahingehend, daß man von Scott ständig das Voiceover hören muß, während für Reilly nur die Bilder und das Audiobook sprechen. Eine Verbindung kann man zu den Figuren nie aufbauen, denn beide verhalten sich nur zaudernd, zögernd, ständig Rückzieher machend – bleiben dem Bild des „modernen schwachen Mannes“ also treu.
Hier und da setzen sie sich in ihrem akuten Ungeschick zwar mal in die Nesseln, reißen einen peinlichen Witz oder scheitern brachial an ihren eigenen Karriereplanungsversuchen, aber das war es dann auch schon. Meistens fügen sie sich den Schaden immer selbst zu, hadern wieder mit dem Gewissen und dem Schicksal oder sinnieren flach in der Gegend herum.
Und das macht es dann um so schlimmer, daß der Film schlicht und ergreifend nicht witzig ist, selbst da, wo er es wohl offensichtlich sein soll. Umständlich konstruiert, zäh geplottet, falsch geschnitten – wirken manche Szenen zu kurz, manche zu lang; das Voiceover verspricht immer wieder Aktionen, die dann nie statt finden und das Gestochere führt beim Publikum nicht zu Mitgefühl, sondern nur zu Verachtung, weil sie sich nicht durchsetzen können, weder beim Chef, noch beim Untergebenen, nicht bei der Firma und schon gar nicht bei den Ehefrauen.
So schleppt man sich durch ein ungewolltes Wrack von Film: die Anlage ist lustig gemeint, wirkt aber nur enervierend; der Kern ist tragisch, wirkt aber meistens nur somnambul. Wirkliche Lacher bringen nur kleine Inserts oder unwichtige Nebencharaktere: ein Entwickler, der erfolglos einen Bremschip an Einkaufswagen testet; ein dicker Angestellter, der sich in der Auslage bedient; ein renitenter Ausländer mit Gutscheintick, nicht zuletzt die Banjo spielenden schwulen Nachbarn. Dazwischen der Plot, das unendliche Jammertal.
Und so versteht man, daß es dem Regisseur wohl eine Herzensangelegenheit war, dies alles zu drehen, aber dabei wohl mal wieder glatt vergessen wurde, daß zu Tragik Herz gehört und das Einfühlungsvermögen notwendig ist, aber Zugang erfordert. Wer soll diesen Film ansehen und aus welchem Grund – außer sich selbst in einer arbeitslosen Existenz gewiß zu sein, so auch nicht leben zu wollen. Die paar satirischen Spitzen gegen die US-Gesellschaft reißen es jedenfalls nicht raus und so adressiert sich der Film praktisch an ein unpersönliches Niemandsland irgendwo zwischen (irritierend) immer komplett gefüllten Regalen des Handlungsortes.
Wundert es da noch jemanden, daß niemand weiß, wie man „The Promotion“ promoten soll? (3,5/10)