Review

Nach dem grandiosen Erfolg von "Fluch der Karibik" (2003) beschloss Produzent Jerry Bruckheimer die Trilogie direkt zu komplettieren, indem er beide Sequels am Stück abdrehen ließ. Was bei Matrix nicht funktionierte klappt auch bei der Wiederauferstehung des Piratenfilmes nicht richtig.
So fing die Kritik am zweiten Film ("Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2") schon damit an, dass keine sinnvolle Überleitung des Geschehens geschaffen werden konnte und hörte erst mit dem unglaublich unglaubwürdigen Cliffhanger im Finale auf.
Der dritte Film nun soll Abhilfe schaffen, indem er die Geschichte endlich sinnvoll zu Ende bringt und gleichzeitig die vielen Logiklöcher aus dem Vorgänger schließt. Das zumindest ist der Wunsch vieler Fans.

Diesem Wunsch soll gerecht werden, indem man hier endlich konsequent vorgeht und Ankündigungen aus dem Vorgänger Wirklichkeit werden lässt.
So befindet sich das Herz von Davy Jones nun in den Händen von Cutler Beckett (Tom Hollander), welcher diesen fortan befehligt und die Effektivität der Piratenjagd dadurch enorm steigert.
Gleichzeitig versucht die längst ans Herz gewachsene Crew der Black Pearl den schnuckeligen Piratencaptain Jack Sparrow (Johnny Depp) aus seinem Delirium zu befreien.

Eigentlich noch nichts Neues, aber der Zuschauer freut sich nunmal seit dem bitteren Ende des zweiten Teils genau darauf, wird aber mit den ersten Minuten des neuen Filmes vorerst nur entgeistert dreinblicken. Wo man den Charme versprühenden Piratencaptain Sparrow erwartet wird man mit öden Exekutionen und Piratenpatriotismus bestraft. Auch wenn die Szene für den weiteren Verlauf nicht unwichtig ist, weiß der Zuschauer bereits seit dem ersten Film, dass das Piratenleben rund um Port Royal kein Zuckerschlecken ist. Trotzdem wird gerade diese Szene als Einleitung benutzt und eröffnet damit eine Geschichte rund um belanglose Nebenhandlungen und Dialoge.

Nicht dass die folgende Szene eine der Belanglosigkeiten wäre, aber man merkt bereits hier, dass in viel zu viel Zeit viel zu wenig passiert. Sparrows Rettungsteam, angeführt vom Piratenschurken Barbossa (Geoffrey Rush), befindet sich in Singapur, um Sao Feng (Chow Yun Fat), einen der Piratenfürsten um Hilfe zu bitten. Herzlich empfangen wird bei den grimmigen Asiaten allerdings niemand und so bekommt man bald erste gelungene Actioneinlagen zu sehen. Natürlich wird zuvor noch ein wenig rumgealbert, so stolpern die beiden Piratenidioten Pintel und Ragetti in das ein oder andere Missgeschick und auch Elizabeth Swann (Keira Knightley) hat endlich mal einen richtig coolen Auftritt.
Die Festung Sao Fengs ist im typischen Asia Stil gehalten und entsprechend fällt das Filminventar aus. Alles scheint auf Hongkong Superstar Chow Yun Fat ausgelegt zu sein, bis auf sein Charakter. Natürlich spielt er auf konstant hohem Niveau, doch hätte ich mir mehr Screentime und vor allen Dingen vielleicht die ein oder andere Anspielung auf alte John Woo Filme gewünscht, mit denen er so groß rauskam.

So jedenfalls verlässt Sao Feng relativ schnell wieder die Bühne und macht Platz für Captain Jack Sparrow - endlich. Dieser befindet sich nach seinem tragischen aber heldenhaften Ende bekanntlich in der Unterwelt. Die Interpretation einer Unterwelt ist ebenso bescheuert wie interessant. Ein Schiff, dessen Crew aus Jack Sparrows besteht. Eine wirklich grausame Vorstellung, die eigentlich viel Potenzial für herrliche Lacher bietet, letztendlich aber nur aus banalen Gags besteht, die so aus einem Puppenspiel hätten kommen können. Nebenbei erinnert die Drehweise des bislang extrem guten Regisseurs Gore Verbinski schwer an einen langweiligen Werbespot, etwa wenn er Sparrows schnüffelnde Nase im Close Up zeigt. Schade, der berühmte erste Auftritt des geliebten Captains wurde hier eindeutig überreizt und man sehnt sich nach den anderen Figuren, wie etwa Sao Feng, der ein tolles Debüt hatte oder auch Elizabeth, die nach ihrem Einstand im Saal lauthals gefeiert wurde.

Diese befindet sich auch glücklicherweise auf direktem Wege zum Rand der Welt. Angeführt vom zum Wahnsinn neigenden Barbossa werden also erstmal langweilige Gebiete durchsegelt, unter anderem eine Schneelandschaft, natürlich mit vielen Bergen und einer Schneise. Alles nur Blickfang und Demonstration vermeintlich toller Kameraaufnahmen. Dass das Ende der Welt nicht eben ums Eck liegt kann sich der Zuschauer auch ohne überflüssige Bootsfahrt denken.

Womit man aber nicht rechnen mag ist die spektakuläre Ankunft am Zielort samt genialem Zusammentreffen mit Jack. Hier legt der Kapitän einen ähnlich imposanten Auftritt wie bereits im ersten Film hin und wird anschließend urkomisch empfangen. Genial wie Barbossa und Sparrow bereits hier ein konkurrierendes Kapitänsduo bilden und damit eine Reihe guter Gags ankündigen.

Diese Beziehung erstreckt sich in der Tat über den gesamten Film und entfacht so ein Feuerwerk flotter Sprüche und imposanter Slapstick. Genau das ist es was man von einem Johnny Depp als Piratenkapitän erwartet und ab sofort wird er den Erwartungen auch gerecht. Das fängt bei einem dämlichen Blick an und hört mit seinem ewigen Gerede auf, Jack ist einfach die Garantie für tollen Humor.
Auch Barbossa ist eine echte Bereicherung für die Crew. Geoffrey Rush beherrscht es perfekt den grimmigen Piraten zu verkörpern und in Sachen Humor fast auf einer Wellenlänge mit Depp zu liegen.

Die beiden können sich noch so gut ergänzen, leider ist der Charakter Barbossas mit viel zu viel gutem Willen in den Film gerutscht. Die Erklärung fällt extrem banal aus und reiht sich damit ganz gut in die Nische für belanglose Nebenhandlungen. Diese Nische wird im weiteren Verlauf ganz schön voll, schwappt aber glücklicherweise nicht über und so reiht sich auch der dritte Teil noch ganz gut in eine Trilogie extrem unterhaltsamer Filme.

Die Überlänge aber bleibt trotzdem unerklärlich. Weil die neue Piratenjägerallianz eine noch nie dagewesene Gefahr für Piraten darstellt müssen die Piratenfürsten zusammengetrommelt werden, um die Krise gemeinsam überwinden zu können. Das klingt leider sehr viel interessanter als es im Endeffekt ist. Zwar trifft man sich in einer Festung, spricht über Probleme und witzelt ein wenig, doch das was dann folgt entspricht ganz und gar nicht dem was man sich unter der angekündigten Schlacht ausgemalt hat.

Piratenfürsten aus allen Regionen der Erde hissen die Flaggen, die gesamte Flotte der East India Trading Company inklusive der Flying Dutchman blasen zum Angriff und eine Göttin sorgt für Gewitter. Was man schließlich zu sehen bekommt ist ein Kampf zwischen zwei Schiffen in einem Strudel, der in seiner Länge und effektvollen Inszenierung der vielleicht großartigste Seekampf der Filmgeschichte ist, letztendlich aber nur ein Bruchteil dessen darstellt, was Regisseur Verbinski mit seiner genialen Kameraarbeit andeutet.
Enttäuschung hin oder her, die Schlacht ist eine echte Augenweide und die vermutlich komplexeste Actionszene der Trilogie. Jack Sparrow und seine Crew nehmen den direkten Kampf gegen Davy Jones, den Fischmännern und einen Bruchteil der Männer unter Becketts Befehl auf. Kanonen donnern, Säbel rasseln und auch mit Sprüchen wird nicht gegeizt, die zwar oftmals überdurchschnittlich gut ausfallen, mit dem Heiratsantrag von William Turner (Orlando Bloom), aber ein weiteres Beispiel für den banalen und naiven Humor bieten.

Glücklicherweise sind das nur Einzelfälle, die sich leider über die gesamte Spieldauer immer mal wieder einschleichen, aber dann in der Regel auch von einem echten Kracher übertönt werden. Einen Sturmangriff auf die Lachmuskeln wie etwa das Mühlrad aus dem Vorganger, oder die Schmiede aus dem ersten Teil gibt es hier leider nicht wirklich, einzig der Kampf zwischen Sparrow und Davy Jones auf den Schiffsmasten erinnert an die urkomischen Kampfszenen, kommt aber an bereits Gesehenes nicht ganz heran.

So verhält es sich auch mit den Effekten, die zwar erneut konstant auf höchstem Niveau sind, verhältnismäßig aber kläglich scheitern. Wo man im direkten Vorgänger noch den genial animierten Kraken hatte, wird dieser hier mit einem Gewitter und Strudel gekontert, verglichen ein wenig unspektakulär. Ansonten hat man die Fischmänner im Wesentlichen übernommen und um einen vielleicht zwei bereichert, die wenig spektakulärer sind und ihren Auftritt mit dem Ableben rechtfertigen. Das ist alles keineswegs unspektakulär oder etwa deplaziert, aber es ist eben auch nichts Neues.

Neu hingegen sind viele Kostüme, was aus der Zusammenkunft der Piratenfürsten resultiert. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf asiatischen Kleidern, die nicht nur von Sao Feng und seiner Crew, sondern später auch von Elizabeth getragen werden. Ein ganz feiner Zug, denn in diesem Film blüht Keira Knightley richtig auf, gewinnt erstmals an Notwendigkeit und darf sich in prächtiger Piratenkluft zeigen.

Analog dazu geht Orlando Bloom als William Turner ein wenig unter, was mir persönlich sehr gut gefällt, weil er lange Zeit überhaupt keinen Nutzen hat, kein großartiger Piratenheld ist und auch das Geschehen nur äußerst selten mit tollen Sprüchen bereichert.

Eine echte Bereicherung ist schließlich das Ende, welches sowohl tragisch als auch komisch ist und sicherlich einen guten Abschluss einer tollen Trilogie abgibt.

Der Film als Ganzes ist leider nicht das furiose Finale geworden, was ich mir erwünscht hatte, übernimmt stattdessen Stärken und Schwächen der Vorgänger. Teilweise bescheuerte Gags, viel zu viele Belanglosigkeiten und der misslungene Auftritt Jacks stehen grandioser aber spärlich gesäter Action, sympathischen Charakteren (hier insbesondere und erstmals Knightley) und einem Großteil sehr guter Comedy gegenüber. Dank der sehr viel rasanteren zweiten Hälfte des Filmes schließt sich "Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt" der sehr guten Bewertung der Vorgänger an und komplettiert eine sensationelle Filmtrilogie - hoffentlich.

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