"Are you prepared for what's next?" - Davy Jones
Der Blockbustersommer der Fortsetzungen geht mit dem finalen Teil der Pirates of the Caribbean - Trilogie munter weiter, und ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen, alle Teile nochmal in einem Triple zusammen zu genießen. Nach dem überraschend guten ersten Teil (8/10) mit einem innovativ quirlig durchgeknallten Johnny Depp und der konsequent ausgebauten Achterbahnfahrt des zweiten Teils (7/10) folgt nun also das Schwergewicht der Reihe: satte 170 Minuten sind es geworden, und auch sonst ist alles irgendwie nochmal mehr geworden...
Nachdem Elisabeth (Keira Knightley) Captain Jack Sparrow etwas heimtückisch in die Welt von Davy Jones - einem Ort an dem man nicht sterben kann sondern immerwieder Qualen erleiden muss - schickte, plagen sie große Schuldgefühle. Diese bieten immer mehr Nährboden für eine klaffende Schlucht zwischen dem geplanten Paar Elisabeth und William Turner (Orlando Bloom), die die Ziele der beiden immer weiter voneinander entfernt. Doch mit Hilfe von Sparrows Dschungelfreundin kann nicht nur Captain Barbossa (Geoffrey Rush) zurückgeholt werden, sondern es wird auch eine Crew und ein neues Schiff gefunden, die die Seemänner an das Ende der Welt der Sterblichen bringt, um Jack zurückzuholen. Dieses ist auch dringend notwendig, wurde doch der Große Rat der Bruderschaft der Piratenfürsten einberufen, zu denen sich nunmal auch Jack zählen kann. Gemeinsam müssen sie einen Weg finden, Davy Jones mitsamt seiner Flying Dutchman sowie den machtbesessenen Lord Cutler Beckett (Tom Hollander) von der East India Trading Company zu bezwingen, die ihnen dicht auf den Fersen sind. Doch jeder der Beteiligten treibt sein eigenes Spiel und verfolgt ganz eigene Interessen...
Schon die Anfangsszene von Pirates of the Caribbean - Am Ende Der Welt macht es deutlich: Eine harmlose, quietschbunte und vergnügliche Disneyachterbahnfahrt wird nach dem etwas düsterer geratenen zweiten Teil auch der Dritte nicht. Aber keine Sorge, eine Achterbahnfahrt ist es trotzdem geblieben.
Gore Verbinski mitsamt Jerry Bruckheimer im Rücken zückt im zunächst geplanten finalen Teil noch einmal alle Register, greift einige geknüpfte Handlungsstränge auf und fügt auch jede Menge weitere hinzu. So werden die Hintergründe des Davy Jones genauer erläutert und eine Gottheit ins Spiel gebracht, die einst die Weltmeere beherrschte. Doch auch zwischenmenschlich tut sich einiges. Jack fragt sich, was er eigentlich genau erreichen will in diesem Spiel, William ist nachwievor an das Versprechen gebunden, seinen Vater zu befreien, und Elisabeth hat auch ihre eigene Vorstellung, wie die anstehenden Probleme am Besten zu lösen sind. So denken übrigens auch die weiteren Hauptfiguren des Filmes. Vielleicht erkennt man hier schon das Hauptproblem des dritten Teils, die Drehbuchschreiber sind vor lauter Plottwists und Stimmungsschwankungen wohl etwas ins Trudeln gekommen und wissen zwischenzeitlich wahrscheinlich selber nichtmehr so genau, was welcher Charakter eigentlich gerade macht - und vorallem warum. Das wirkt sich natürlich auch auf den Zuschauer aus, der vorallem in der Mitte des Filmes doch arg mit den unterschiedlichen Motivationen der Hauptfiguren zu kämpfen hat, vorallem weil eine ganze handvoll dazugekommen ist. Durch teilweise inhaltlich verbundene Szenen, die leider zeitlich zu weit entfernt sind, verliert man teils den Durchblick - nur um ihn in der nächsten Szene temporär wiederzuerlangen.
Doch ist das denn nun das Todesurteil für den dritten Teil ? Ein entschiedenes Nein! Das Gute am dritten Teil ist, dass er wunderbar unterhalten kann - Logikbrüche und -lücken durch die selbst die Black Pearl hindurchfahren könnte dahingestellt. Auch angefangene Storyverzweigungen, die sich dann doch im Sande verlaufen sollte man besser einfach ignorieren. Denn eigentlich geht es auch garnicht so sehr um den Inhalt, das darf einem immer wieder bewusst werden, wenn die Achterbahnfahrt ständig erneut Fahrt aufnimmt und einen durch die nächste wahnwitzige Actionszene katapultiert. Da wird gekämpft, geschossen, Material verpulvert und die Special Effects - Maschinerie tut ihr Bestes dazu. Ein wahrer Augenschmaus und der Inbegriff des strahlenden, pompösen Popcornkinos!
Wenn die Achterbahnfahrt gerade etwas langsamer geworden ist, wird man mit meist wirklich guten, wenn auch teils recht albernen Gags bei der Stange gehalten - hier kann natürlich vorallem Johnny Depp seiner selbsterschaffenen Rolle freien Lauf lassen und gegenüber Teil 2 sich noch deutlicher austoben. Mitunter gerät das ziemlich schräg, aber in Davy Jones Welt kann man sich nunmal einiges Abgefahrenes erlauben. Durchaus einer der ganz wenigen wirklich neuen Faktoren gegenüber den Vorgängern, zwar etwas verwirrend aber dennoch eine willkommene Abwechslung.
Und dann dieses Finale! Gerade wenn man unter Umständen etwas ärgerliche Gedanken über Storyführung und -erzählung sammelt, wird man festlich für die bereiteten Probleme entlohnt. Der finale Kampf zwischen der Bruderschaft und der Armada der East India Trading Company gerät zu einem fulminanten 30-minütigen Effektfeuerwerk der Superlative, wer da nicht in den Sitz gepresst wird muss wohl blind sein. Eine mitreissende Akustik von Multitalent Hans Zimmer, gigantische Bilder mitsamt absolut dekadenten Kamerafahrten und ein für einen Disneyfilm so nicht erwartetes Ende spülen die meisten Zweifel an diesem Film über Bord... denn irgendwie gings doch schon immer nur um die pure Unterhaltung, oder ?
So vermochte mich Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt auf ganzer Linie zu überzeugen. Sich über Story zu ärgern wäre müßig und verdirbt den Spaß an tollen, abgefahrenen und herzlichst übertriebenen Actionszenen, wegen denen man doch eigentlich gekommen ist - abgesehen von dem fast schon legendär wirkenden Captain Jack Sparrow. Bruckheimer präsentiert wieder einmal das pure Popcornkino der Extraklasse, das die Stärken einer großen Leinwand bestens auszuschöpfen weiß und zwar immer mal wieder an die Grenzen des Harmlosen geht, aber sie nie überschreitet und so jederzeit leicht bekömmlich bleibt. Genau wie den Vorgängern muss auch dem dritten Teil ein recht ordentlicher Wiederanschauungswert zugesprochen werden, was man hoch anrechnen darf. Die Palette der Innovationen ist jetzt endgültig ausgeschöpft, dafür gibt es zuviele Ähnlichkeiten zwischen Teil 2 und 3, doch man verabschieded sich mit einem Gewitter - und irgendwie fragt man sich, wurde das Kino nicht genau für so etwas geschaffen ?8 / 10