Review

2003 war es, als Disney und Jerry Bruckheimer die Runde machten, dass sie eine Freizeitparkatraktion verfilmen wollten. Von vieler Seiten belächelt aber auch durchaus mit Interesse beobachtet, entwickelte sich bereits der erste Film zu einem mächtigen Kassenknüller. Keine Frage also, dass auch dieser Streifen in die Fortsetzung gehen würde, so geschehen im letzten Jahr. Und dieses mal sollten wirklich alle Blockbuster-Dämme brechen, mit mehr als 1 Milliarde Dollar Einspielergebniss weltweit, konnte sich der Film auf dem dritten Platz der erfolgreichsten Filme aller Zeiten behaupten. Doch die ersten Abnutzungserscheinungen machten sich schon breit und so manche Neuerungen, wie z. Bsp. die extrem spürbare Verdüsterung des Geschehens, sowie das Einführen mancher nichts sagender und zum charmanten Vorgänger eher unpassender Matschmonster, konnte nicht wirklich bei jedem auf Freude stoßen. Und der dritte Teil führt diesen Qualitätsrückgang konsequent fort, auch wenn sich insgesamt dennoch ein einigermaßen gelungenes Finale über dem Zuschauer ergießt.

In punkto Story kann man z. Bsp. auf den ersten Blick erfreut feststellen, dass man die Geschichte des Vorgänger einigermaßen passend weitergesponnen hat, was aber wohl auch kein Wunder sein dürfte, da man ja beide Teile hintereinanderweg gedreht hat. Jack Sparrow befindet sich nun also "am Ende der Welt" und seine alten und neuen Piratenfreunde machen sich auf die Suche, um ihren Captain zu retten, mit Hilfe der mysteriösen Calypso. Jack ist allerdings bereits von Wahnvorstellungen befallen, lässt sich aber nur zu gerne von seiner Crew in ein neues Abenteuer entführen, bei dem es u.a. darum geht, die Piratenschaft vor dem Untergang durch Davy Jones zu bewahren, der, durch Cutler Beckett und dessen Besitz von Jones Herzen, dazu gezwungen wird. Ganz ohne fremde Hilfe wird das wohl nicht gehen, doch auch auf hoher See kann eigentlich niemand niemanden trauen... Und genau hier drin finden wir auch schon den eklatanten Schwachpunkt dieses Films, doch dazu gleich später mehr. Alles in allem hat die Story jedenfalls wieder Biss, besitzt interessante Szenarios und allerhand Elemente, die das geneigte Mainstream-Publikum durchaus unterhalten können. Auf Logik, Sinn und Verstand setzt man da sowieso eher weniger, der Fun am Zusehen ist es, der regiert.

Und dieser Spaß ist durchaus vorhanden, teilweise vielleicht sogar noch etwas mehr als beim Vorgänger. Während man dort nämlich fast nur noch auf die düstere Note des Treibens gesetzt hat und dadurch den Witz ein wenig unter den Tisch fallen ließ, blödelt Jack Sparrow und sein Gefolge hier doch wieder ein wenig mehr durch die Gegend und das wiederum mehr als gekonnt. So sind z. Bsp. Jack Sparrows schizophrene Wahnvorstellungen "am Ende der Welt" absolut zum Brüllen und bilden, auch aufgrund der brillanten Inszenierung jener Szene, schon das erste Highlight dieses, sonst eher highlightlosen, Teils der PotC-Reihe. Und auch später soll er immer wieder einmal in seinen Wahn verfallen und dabei sogar mal sein Hirn (im wahrsten Sinne des Wortes) in die Hand nehmen, um daran zu lecken. Des weiteren ist auch das tuckige, leicht angesäuselte Verhalten Sparrows wieder spürbar deutlicher vorhanden, was dem Fun-Faktor ebenfalls gut tut. Kleinere Aussetzer und Ausflüchte in all zu klamaukige Gefilde, kann man da locker übersehen.

Was die Action angeht, sieht es allerdings schon ein wenig trauriger aus, denn in den gut 169 Minuten, die dieser überlange Streifen geht, entfallen gerade mal gut 70 Minuten auf dieses Genre und das ist dann vielleicht doch ein bisschen zu wenig. Auch wenn sich deshalb während des Films noch keine wirklichen Längen breitmachen, so vermisst man das Getöse hier und da doch schon ein wenig. Wenn es aber zur Sache geht, ja dann kracht es doch gewaltig. Die Actionszenen sind durch die Bank weg extrem furios ausgestaltet worden und bieten mitunter Eyecandy pur. Selten waren in letzter Zeit die CGI-Effekte so bombastisch und pompös in Szene gesetzt, wie hier, ohne dass einem das Gezeigte auch nur eine Sekunde auf die Nerven gehen mag. Offene Münder sind garantiert, wenn sich die (Piraten-)Schiffe deftige Duelle auf dem offenen Meer liefern, wenn die Kanonen krachen und wenn sich zum Schluss ein Wetterchen über dem Wasser entfacht, das jede Stadt und jedes Schiff im normalen Leben sofort in seine Einzelteile zerlegen würde. Es ist einfach nur gigantisch, was sich da im Kino (und erst recht später im Heimkino) abspielt!

Das der Streifen aber dennoch unterm Strich der schwächste Teil der Reihe ist, dafür sorgen einige bittere Kritikpunkte, die zwar insgesamt nicht so zahlreich sind, aber das Gezeigte dennoch spürbar nach unten ziehen. Zum einen liegt das an den ständigen Wirrungen und Wendungen, die die Macher hier eingebaut haben. Im Grunde ist zwar nichts gegen ein paar geschickte Wendungen einzuwenden, doch hier zeigt sich eher, wie man mit allzu vielen Drehungen das Publikum eher verärgern kann. Immer wieder stellt sich irgend jemand als Verräter dar, und immer wieder derjenige, mit dem man nun gar nicht gerechnet hat, was aber eher daran liegt, dass es oft schlichtweg unglaubwürdig ist. Wer am Schluss nun die Guten und wer die Schlechten sind, lässt sich jedenfalls nicht mit eindeutiger Mehrheit sagen, was bei so einem Hirn raus-Spot an-Film aber nicht sonderlich befriedigend wirkt.

Des weiteren hat man sich auch zum Schluss hin ein wenig übernommen. Wie schon erwähnt bilden sich im Verlauf der Handlung eigentlich keine wirklichen Längen, doch zum Ende hin kann man sich dann leider doch immer wieder mal dabei ertappen, sich endlich das Ende herbeizuwünschen. Nicht nur das der (sonst eigentlich brillante) Showdown wenigstens hier und da ein wenig gestutzt gehört, so wirken vor allem noch die gut 20 Minuten danach, welche mitunter sogar durch die übliche Hollywood-Kitschschiene gezogenen wurden, erheblich deplatziert. Ohne die Charaktere noch in die üblich sicheren Gefilde zu wiegen, kommt wohl kein großer Hollywood-Streifen mehr aus.

Und wie schon im Vorgänger wurde es auch mit der Düsternis-Note wieder, für mein Empfinden, übertrieben. Nicht das ich etwas gegen düstere Streifen habe, doch hier passt es einfach nicht so recht, zumindest nicht in dem Übermaße. Der erste Film zeichnete sich vor allem noch durch den naiven Charme aus, der der Freizeitparkaktion recht nahe kam, doch hier ist es nun mit der Familienfreundlichkeit endgültig passe. Kopfschüsse, aufgespießte Menschen, freiliegende Gehirne, all das dürfte dem jungen Publikum, für die Depp diese Filme ja eigentlich ursprünglich machen wollte, nicht immer leicht verdaut im Magen liegen. Da hätte man es hier und da doch ein wenig zurückschrauben können und wieder den amüsanten, familienfreundlichen Piratenfilm durchblitzen lassen, der PotC einmal war. Aber nun gut, alle Kiddies, die wenigstens 14 Jahre oder älter sind, werden sicher dennoch ihre diebische Freude daran haben, zumal die Humorkomponente, wie schon erwähnt, darunter ja dieses mal nicht wirklich gelitten hat.

Positiv hingegen ist allerdings noch die Musik zu erwähnen, die Hans Zimmer einmal mehr hinzu gesteuert hat. Schon der Score des ersten Teils gehört (in Zusammenarbeit mit seinem "Schüler" Klaus Badelt) mit zu seinen besten Arbeiten, doch so schön dieser auch klingt, in der Fortsetzung wurde er nur schnöde kopiert und, für meinen Geschmack, auch ne Spur zu oft eingesetzt. Hier allerdings variiert Zimmer seinen Score erstaunlich stark und setzt das bekannte Theme auch nur noch äußerst selten ein. Dabei wirkt vor allem die Musikuntermahlung zu den Schlachtgemälden unglaublich pompös und ergibt ein regelrechtes Fest für die Ohren. Der Kauf der Score-CD lohnt sich dieses mal jedenfalls wieder absolut.

Na und die Darsteller dürfen selbstverständlich auch nicht vergessen werden. Johnny Depp, zum dritten Mal in die Haut des Piraten Jack Sparrows geschlüpft, spielt erneut mit einer derartigen Freude am Beruf, dass man seine Szenen ein ums andere Mal geniest. Dann der großartige Geoffrey Rush, dieses mal zwar nicht ganz so böse wie im ersten Teil, dafür aber wieder ein ums andere Mal hervorragend in seinem Spiel. Auch ihm merkt man nur allzu deutlich an, das er es geniest, wieder dabei zu sein. Etwas verhaltener dagegen die bezaubernde Keira Knightley, die zwar immer noch eine hübsche Abwechslung unter den rauen und dreckigen Hallunken gibt, aber dieses Mal irgendwie recht müde agiert. Und Orlando Bloom hat man auch schon besser erlebt. Aber nun gut.

Fazit: Akzeptables, wenn auch teilweise enttäuschendes, Finale, der wohl, am Ende, erfolgreichsten Blockbuster-Trilogie überhaupt. Die Story wurde ordentlich weitergesponnen, die Inszenierung ist erneut auf höchstem Niveau und im Gegensatz zum Vorgänger ist auch der Spaßfaktor wieder in etwa auf der Höhe, wie beim Original. Dafür verärgern einen aber die ständigen und mitunter auch völlig überzogenen Wirrungen und Wendungen in der Handlung und das der Film irgendwie auch ne gute halbe Stunde zu lang ist, vor allem durch das überzogene Finale, tut dem Ganzen auch nicht wirklich gut. Der pompöse Score, sowie die herrlichen Darstellerleistungen von Depp und Rush, hieven das Ganze dann aber dennoch locker in den Bereich zwischen 6 und 7 Punkten. Einen vierten Teil soll es aber bitte nicht mehr geben!

Wertung: 6,5+/10 Punkte

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