Dem Fluch der Karibik geht in seiner dritten Runde so ziemlich die Puste aus.
Mit Ende des zweiten Teils war man ja bereits darauf gefasst, dass Titelheld Jack Sparrow erst einmal aus den Tiefen der Unterwelt befreit werden müsste, doch auch danach stellt sich bei weitem nicht das erhoffte Actionfeuerwerk ein. Im Gegenteil, während der knapp 170 Minuten Laufzeit entsteht streckenweise sogar Langeweile.
Im Groben beschränkt sich die Handlung auf den Kampf zwischen Gut und Böse.
Also Sparrow, Will Turner, Elizabeth Swann, Barbossa nebst Nebenfiguren gegen Lord Cutler Beckett und Tentakel-Pirat Davy Jones.
Bis man diese Figuren einigermaßen unter einen Hut bringen kann, vergeht eine ganze Weile, und es dauert dann doch eine halbe Stunde, bis man Jack Sparrow erstmals zu Gesicht bekommt.
Zumindest kann sich diese surreal anmutende Sequenz in allen Belangen sehen lassen, da werden Jack in zigfacher Ausführung, eine gelungene Hintergrundkulisse und hervorragend gestaltete Effekte mit Krebsen präsentiert.
Doch so stimmig funktioniert der Rest leider nicht, auch wenn die Maskeneffekte wieder herausragend sind und das eingespielte Darstellerteam um Johnny Depp mit fast durchweg guten Leistungen (Orlando Bloom wirkt etwas blass und müde) punktet.
Denn der Storyverlauf bietet leider nicht allzu viele Schauwerte und zudem bleiben wahre Actionhighlights aus.
Da verhandelt man kurz in Singapur, bestreitet eine Schiffsreise durch Eiseskälte und befreit Jack. Danach ist Will Turner mit der Suche nach seinem Vater beschäftigt, während Elizabeth nicht weiß, ob ihr Vater noch lebt.
Ferner befasst man sich noch mit Fragen, wo denn das Herz von Devy Jones ist, wer die Göttin Calypso ist und welche Macht sie hat und wer beim Treffen der Piratenfürsten zum König gewählt wird.
Dabei mangelt es vor allem im Mittelteil an Bewegung und dramaturgischen Spitzen, während Dialoge das Geschehen bestimmen.
Die Figuren taktieren viel, es werden Bedingungen gestellt, Gegenwerte gefordert und Machtpositionen ausgepokert.
So wird die anfängliche Begeisterung rasch getrübt, weil man zu lange auf abwechslungsreiche Passagen wartet.
Da sich die meisten Szenen auf hoher See abspielen und nur vereinzelt Landgänge eingebaut werden, verstärkt diese Tendenz den negativen Einheitseffekt.
Erst zum Showdown, als bei stürmischem Regen eine Meeresschlacht mit Feuergefechten, Schwertkämpfen und Seilschwingen über schwindelerregende Höhen stattfindet, kommt wieder ordentliches Tempo auf und es geht angenehm drall zur Sache.
Neben diesem Finale, einigen Kampfszenen relativ zu Beginn und dem Erscheinen/Verwandeln der Göttin Calypso werden jedoch selten optische Leckerbissen geboten.
Zudem mangelt es an humorigen Einschüben, von denen es hier vergleichsweise wenige gibt.
Selbstverständlich kann Johnny Depp wieder mit großartiger Situationskomik nebst passenden Gesichtausdrücken punkten, doch er steht viel zu selten im Vordergrund und überlässt den vielen anderen Figuren das Feld. Zwar liefert Sweety Knightley den ein oder anderen Schmunzler, doch im Weiteren verläuft der Stoff relativ trocken.
Am Ende bin ich schließlich doch nicht so begeistert, da dieser dritte Teil in keinem Punkt an seine Vorgänger heranreicht.
Es mangelt an Bewegung, Abwechslung und fantasievollen Höhepunkten, darüber hinaus entstehen besonders im Mittelteil nicht unerhebliche Längen, die das etwas ideenlose Finale mit langem Ausklang kaum auszubügeln vermag.
Eine weitere Fortsetzung kann ich mir, zumindest unter diesen Umständen, nicht vorstellen.
Ich schätze, es hat sich ausgesegelt.
5 von 10