Nein, besser als Teil 2 ist der neueste Spross aus der Bruckheimerschen Piratenrevivalserie nicht und an Teil 1 reicht er schon gar nicht heran. Wo dieser noch mehr oder weniger innovativ war und frischen Wind in das leidige Geschäft der Sommerblockbuster brachte, natürlich massiv unterstützt durch einen großartigen Johnny Depp als Tuntenpirat Jack Sparrow, wirkte Teil 2 schon fast zu tumb logisch fortgesetzt (größer, lauter, länger) und sich zu sehr auf die Figur des Captain Sparrow verlassend. "At Worlds End" - der übrigens unmittelbar im Anschluss an "Dead Mans Chest" im Kasten landete - setzt den Abwärtstrend der Serie weiter fort.
Größtest Manko ist dabei das wirre und teilweise fast schon peinliche Drehbuch. Zwar gibt es einige nette Ideen (Jacks Gefängnis in der "anderen Welt" sowie eine gelungene Anspielung auf den Italo-Western) aber auch totalen geistigen Dünnschiss wie z.B. die lächerliche Verwandlung der Calypso oder die zwanghaft klischeebehafteten Piratenfürsten. Negativhöhepunkt ist dabei eine Szene am Schluss in der Keira Knightlys alter Ego Elizabeth Swann anscheinend beweist wie unglaublich kniegeil sie ist.
Große Worte über die Story zu verlieren ist sowieso sinnlos, da wie schon bei Teil 2 erstaunlich viele Handlungsstränge eingebaut worden sind, die aber im Summe nur knapp über dem Niveau einer durchschnittlichen Telenovalestory liegen. Wer hier wen wann und wieso hintergangen hat interessiert früher oder später sowieso niemanden mehr, ergo hofft man einfach nur mehr, dass man wenigstens ein paar gute Sachen von Jack Sparrow zu sehen bekommt und die Action endlich Fahrt aufnimmt, da der Film diesbezüglich erstaunlich schwachbrünstig daherkommt. Klar gibt es hie und da wiedermal einen Säbelkampf oder wummernde Piratenschiffaction, aber insgesamt fehlt dem Film doch einiges an Schwung der durch die seltene Action, abgesehen vom hervorragend inszeniertem Ende, nicht unbedingt beflügelt wird. Man mags zwar kaum glauben, aber irgendwann mitten im Film habe ich mir doch tatsächlich einen Michael Bay als Regisseur gewünscht der den einen oder anderen Abschnitt wenigstens actiontechnisch gerettet hätte.
Die Schauspieler tun alle Ihren Job, wobei klarerweise Johnny Depp sich hervortut und einige Male für humoristische Glanzpunkte sorgt, manchmal aber auch ein wenig wie eine bemühte Parodie seiner Figur aus Teil 1 wirkt.
Orlando Bloom verkörpert dem gewohnten Milchbubi und Keira Knightly ist zwar ansehnlich, die ihr vom Drehbuch aufgezwungene penetrante Frauenpower steht ihr aber nicht wirklich. Geoffrey Rush als Captain Barbossa reißt mir persönlich zwar ein bisschen zu oft unnötig dramatisch die Augen auf, war aber neben dem Deppschen Sparrow schon seit jeher mein Lieblingscharakter der Serie. Die restlichen Darsteller arbeiten auf Durchschnittsniveau, sodass man nicht wirklich was aussetzen könnte. Kleines Highlight ist der Auftritt von Keith Richards als Jack Sparrows Vater, wobei auch hier wie bei fast allen Cameos in großen Hollywoodproduktionen schon fast kindisch penetrant auf die Beschäftigung des Promis im realen Leben angespielt werden muss.
Die handwerkliche Umsetzung des Films ist genauso wie man sich es von einem sommerlichen Blockbuster erwartet: die Effekte sind erstklassig (da dürfte ILM ein Oscar winken), die Soundeffekte wuchtig und an der Kameraarbeit gibt es auch nichts auszusetzen. Nur Hans Zimmer versandet mit seinem Score (nicht nur hier) zusehends in der Durchschnittlichkeit, mehr als "nicht störend" ist seine musikalische Untermalung auch hier wieder nicht. Szenisches Highlight des Films ist meiner Meinung nach der explosive Abgang von Lord Cutler Beckett, übrigens gekonnt fies-schleimig gespielt von Tom Hollander.
Fazit: Ein wie schon sein Vorgänger zu lang geratener Sommerblockbuster der sich leider zu viel auf das drehbuchtechnisch schwächelnde Zugpferd Jack Sparrow verlässt. Für mich ein langatmiger Film mit einem effektheischendem, aber stellenweise arg peinlichem Drehbuch.
Wem der 2. Teil gefallen hat der dürfte auch hier trotzdem nicht entäutscht
werden und dank offenem Ende stehen bestimmt noch ein paar weitere
Sequels auf der Matte die aber unbedingt einen Richtungswechsel und massiv bessere Drehbücher brauchen um nicht unter die 5-Punkte Marke zu rutschen.
5,5 - 0,1(für den sinnlosen Abspanngag) / 10