Disney und Bruckheimer lassen Verbinski endgültig freie Hand und der Mann mischt alles zusammen, was für das Blockbuster-Kino vorgeschrieben ist und übertreibt es ein bisserl.
Die ersten 30 Minuten des Films sind wirklich gut und machen Laune - volle Kante Effekte und Ausstattungs-Wahnsinn, echt gut.
Leider versuchen sie danach, eine Geschichte zu erzählen: und plötzlich sind es Heldentum, Liebe und selbstverliebte Schauspieler, die alles ausmachen - der Tod eines jeden guten Filmes! Dem düsteren Anfang werden zunächst ungebremste Albernheiten entgegengesetzt, um dann am Ende einen unendlichen FX-Overkill zu starten, der nur von unsagbar altbackenen Romanzen durchkreuzt wird.Dass das Drehbuch nicht nur sehr einfallslos ist, sondern auch den Fehler macht, seine vielen Handlungsstränge am Ende recht wirr überschneiden zu lassen, ist eine typische Folge des Alles-übertreffen Wollens. So müssen für manche Sequenzen andere, eigentlich zeitgleiche Aktionen mal eine halbe Stunde auf Eis gesetzt werden, weil die Erstere so bombastisch übersteigert wird. Die erwähnten Romantikszenen sind für einen Filmfreund schwer erträglich und haben ihren Höhepunkt in einer erstaunlich dummen Sequenz, bei der die knochige Keira und der blass bleibende Orlando Bloom während der Schlacht heiraten - ein Paar Kinder fanden es lustig. Bloom trägt seinen Rehblick erstaunlich unentschlossen durch den Streifen, während Johnny Depp eine seiner schwächsten Rollen zum dritten Mal, dieses Mal noch exzessiver, zelebrieren darf - sein Charakter stellt im Grunde längst die Parodie seiner Selbst dar und ist darauf bedacht, dem Publikum blos kein Umdenken zuzumuten. Geoffrey Rush holt natürlich wieder einige Kohlen aus dem Feuer, doch seine Texte sind auch aus dem Standard-Drehbuch-Seminar.
Lustig ist auch, dass man gleich Horden-weise Running Gags eingebaut hat, die im Minutentakt das anspruchslose Publikum mit billigen Lachern versorgen - Hauptsache, die fangen nicht an zu denken. Im Grunde zeigt Verbinski damit ja seine Professionalität - Running Gags gehören ja seit Jahrzehnten zum Standard eine kommerziellen Erfolges, nur leider zeigt er zugleich seine Leidenschaftslosigkeit und dadurch, dass er so viele davon einbaut (neben dem obligatorischen Affen gibt es dieses Mal auch gleich noch den Papagei obendrauf und neben dem trotteligen Piraten-Paar gibt es nun ein weiteres Paar von der Flotte...) zeigt eine rechte Hilflosigkeit.Teilweise ist es schockierend, wie sehr sich die Macher auf ihre Standards verlassen: Effekte ohne Ende und bekannte Darsteller: sobald der Film mal eine Minute ruhiger wird, befindet man sich in der Keira-Kneightly und J. Depp - Show. Aber, nun ja, ich sollte nicht vergessen, dass diese Filme nur gemacht werden, um leicht zu beeinflussenden Jugendlichen das Geld aus den Taschen zu ziehen - da ist der Film erste Sahne!
Beste Szene des Filmes: Alles, in dem die Fisch-Menschen-Truppe auftritt - wie ein Computer-Trick gewordener Zeichentrickfilm.Schlimmste Szene(n): das viel zu lange Finale; eine absolut leichenfledderische Idiotenszene, in der Western parodiert werden sollen, inklusive einer Parodie auf Morricone-Soundtracks - völlig sinnlos und uninspieriert! Dazu kommen die erwähnte Heirat, welche die aufgebaute Dramatik der Lächerlichkeit Preis gibt und das Ende, wo Bloom den Kiddies im Auditorium auch mal zeigen kann, wie man eine Frau zum Lächeln bringt...
Fazit: Nein, der Film ist NICHT langweilig! Er ist nur dumm, schlecht geschrieben und zeigt allzusehr, dass Hollywood für Geldmacherei und nicht für Filmkunst steht - obwohl sie alle Möglichkeiten haben wird immer nur der Standard erweitert. Dennoch spreche ich eine Empfehlung aus für Eltern, die ihre Kinder den nächsten Monat mal im Piratenkostüm rumlaufen sehen wollen. Schade, der Anfang ist echt gut.P.S.: Welcher Schnelldenker wohl zugelassen hat, dass der Streifen Überlänge haben darf?