Nachdem der zweite Teil die Handlung des Ersten gekonnt und recht spannend mit neuen Handlungssträngen und (guten) Charakteren erweiterte, konnte man gespannt auf den dritten Teil sein. Die Effekte sind Top so wie sie schon immer waren und der Humor wird ebenfalls geschickt wie eh und je eingesetzt, wie zum Beispiel der "untote" Affe. Das wars dann aber auch schon.
Mir stellten sich unter anderem nach dem zweiten Teil folgende Fragen: Wo ist Jack Sparrow und wie kommt er da wohl wieder weg? Wie ist Barbossa wieder zum Leben erwacht? Nur um mal Zwei zu nennen. Keiner meiner Fragen wurden auch nur annähernd beantwortet. Anstelle dessen bekommt man ein Drehbuch vorgesetzt das vor sinnlosen Szenen, völlig unnötigen neuen Charakteren (Jack Sparrow's Vater, Calypso) und schon fast an den Haaren herbeigezogenen Verwicklungen nur so wimmelt.
Als Beispiel für nicht vorhandene Logik und sinnlosen Szenen sei hier mal die abstrakte Welt genannt, aus der Jack Sparrow befreit wird. Diese wird als der schlimmste Ort überhaupt bezeichnet mit verloren Seelen und allem was zu so einem Ort eben dazugehört. Wie sieht er nun aus? Ein schöner weisser Strand mit glasklarem Wasser. Na einen schlimmeren Ort kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Dafür das dieser Ort ja nun offenbar das Ende der Welt sein soll und immerhin Teil des Titels ist, nimmt der Part trotzdem nur ca. 20-30 Minuten des Films ein, der immerhin eine Laufzeit von fast 3 Stunden hat. Die Crew fährt einen Wasserfall herunter, holt Jack Sparrow, und fährt wieder zurück. Keine Actionszenen, keine Kämpfe, absolut Nichts. Hier wäre doch zum Beispiel ein Kampf mit dem Riesenkraken (der übrigens im ganzen Film nicht vorkommt) stimmig gewesen.
Die Rolle des Vaters von Jack Sparrow macht einen völlig deplatzierten Eindruck. So als habe man sich am Schluß gedacht: "Mensch weißte was noch cooler wäre?" "Nein, was denn?" "Keith Richards als Vater wär doch der Hammer! Komm, den bauen wir noch schnell irgendwo ein!" Das ihm dann auch noch eine Gitarre umgehängt wird, auf der er spielt, ist dann einfach nur noch albern. Die Rolle der Calypso ist ebenso misslungen. Sie wird als absolut gnadenlose, grauenvolle Piratengöttin beschrieben und was sehen wir dann von ihr? Einen Wasserstrudel, der es noch nicht einmal fertig bringt, zwei Schiffe, die sich direkt in ihm befinden, in die Tiefe zu reissen. Zum Teil könnte man solche Fehler ja verschmerzen, aber hier sind es definitiv zuviel davon, hinzu kommt, dass der Rest auch nicht stimmt.
Die Liste der Fehler dieses schlechten Drehbuchs könnte ich noch beliebig fortführen. Jetzt kann man natürlich sagen "Hirn ausstellen und sich unterhalten lassen". Der Film ist aber teilweise so schlecht nachzuvollziehen, dass man dann völlig den Faden verliert. So wird dem Film auch jegliche Spannung genommen. Denn Jeder verrät Jeden zu jeder Zeit und irgendwann weiß man gar nicht mehr warum und wer das Herz von Davy Jones haben will um das es geht.
Auch die (gut gemachte) Action ist recht rar gesäht und wenn, dann wirkt sie grösstenteils aufgesetzt. Eigentlich findet sie nur am Schluss des Films statt und das nicht einmal angemessen. Hier hätte man als grosses Finale eine Schlacht aller Piraten gegen die Company inszenieren können. Schade. Hier wurde dann das letzte übriggebliebene Potenzial verschenkt.
Auf die schauspielerische Leistung gehe ich hier mal nicht soviel ein, denn aufgrund fehlender Schlüsselszenen der einzelnen Charaktere kann keiner der Schauspieler (ausser Johnny Depp) sein Talent entsprechend preisgeben. Es sei denn man zählt die schwachsinnige Heiratsszene von Will und Elizabeth während des letzten Kampfes dazu, die (natürlich) auch völlig deplatziert und sinnfrei ist.
Fazit: Ein beispielhaft schlechtes Drehbuch voll mit sinnlosen Szenen, überflüssigen Charakteren und teilweise kaum nachvollziehbarer Handlung. Dazu kommt die wenig vorhandene Action. War der zweite Teil noch eine logische, nachvollziehbare, um gute Charaktere und Handlung erweiterte Fortsetzung, geht hier im dritten Teil fast alles schief! Immerhin gibts noch einen Punkt für Chow-Yun Fat als Pirat, einen Punkt für die wirklich klasse Effekte und einen Punkt für Johnny Depp, der immer noch fantastisch seine Rolle als Jack Sparrow spielt.