Wahrhaftig, über der Karibik liegt ein Fluch – der Hollywoodfluch der Back-to-Back-Produktion, der auch die „Matrix“-Trilogie ereilte.
Hintereinander weg gedreht, aus Gründen der Kosteneinsparungen, sollte so der Preis gedrückt und die Erwartungshaltung geschürt werden.
Dumm nur, dass die Macher meistens unter der Erwartungshaltung zerbrechen, zumindest kreativ gesehen.
Letztendlich ist aus Gore Verbinskis Piratenfilmen nicht dasselbe Fiasko geworden, wie bei den Wachowskis, allerdings ist ein schleichender Verfall auch bei ihm mehr als offensichtlich geworden.
Das ultimative Sommerspektakel sollte es werden, mal wieder „noch größer, noch wilder, noch phantastischer“ – das schon beim Original die Weichen nicht nur auf Johnny Depp, sonder auch auf einer Art verspielten Leichtigkeit lagen, wurde dabei leider übersehen.
Schon der vor einem Jahr präsentierte zweite Teil litt deutlich an einer Überfrachtung mit Figuren und Storyelementen, die man allerdings noch halbwegs unter Kontrolle hatte, für den finalen Knaller allerdings schwimmt das Schiff kieloben.
Nach dem Schlußclou des zweiten Teils (eine Hauptfigur stirbt offenbar, ein Hauptgegner kommt überraschend zurück) war es nötig, die geteilten Handlungsstränge überhaupt erst mal wieder zusammenzuführen. Das hieß aber jetzt, mit dem Drehbuch gleich ein halbes Dutzend Charakterfronten zufrieden stellen.
Da waren Knightley und Bloom, dann der Depp-Strang, Davy Jones, die East India Company, Harrington, der wieder aufgetauchte Barbossa und zum guten Schluß würgte man sich auch noch eine Art Meeresgöttin herauf, die bis dato überhaupt keine Rolle gespielt hatte.
Das führt zu einigen Irritationen: es gibt eine unverhältnismäßig lange Exposition, bis man endlich imTotenreich ankommt, um Johnny Depp zurück in die Handlung zu bringen. 40 Minuten müssen die Zuschauer auf den Publikumsliebling warten und die werden aufgefüllt mit Intrigen, Göttinnen und irgendeinem Quark rund um zu sammelnde Kleinodien der Piratenfürsten.
Wenn endlich alle vorgestellt sind, rückt das eigentliche Problem in den Vordergrund, der Kampf gegen Davy Jones und hier verändern sich alle Vorzeichen aus den vergangenen Filmen deutlich: Harrington wird zur ausgedienten Nebenfigur, Depp steht als skuriler Spaßvogel gänzlich neben der Spur, der Knightley-Bloom-Strang wirkt spröde und später überdramatisch aufgebauscht, Jones selbst wird aufgeweicht und was Barbossa unbedingt da noch musste, ist ein Meisterwerk an Verkomplizierung einer simplen Geschichte.
Das Problem: für Kinder ist dieser Film schon lange nichts mehr, denn obwohl er reichlich Schauwerte liefert, von der großen Schlußschlacht im Strudel bis zu einem Schiffskippen aus Eigeninitiative, bleiben die Motivationen der Figuren oft ein Rätsel.
Hier wird ein Wirrwarr aus Plänen geschmiedet, Allianzen hinterrücks geschlossen oder gebrochen und wer eigentlich was will, wird zunehmend zur Nebensache.
Das alles geht zunehmend zulasten der Zuschauerausdauer, denn fast drei Stunden zwischen dramaturgischem Durcheinander und durchaus passablen visuellen Schmankerln, hinterlässt gegen Ende ein Gefühl der Sättigung, des Beenden-Wollens, es ist schlichtweg langsam gut, weniger ist mehr.
Das wirkt sich selbst auf die Freunde des alles überwältigenden Action aus, die an den langen Ruhephasen zu knabbern haben – tatsächlich wird hier jeder bedient, die Actionfans, die Charakterfans, die Freunde kniffliger Plots und die Fantasyliebhaber, nur gut ausbalanciert ist das alles nicht, „Fluch der Karibik 3“ schreit nach einer halbstündigen Trimmung.
Das ist insofern schade, als Verbinskis Abschlußfilm mit einer tragischen Note am Schluß endlich mal etwas Neues versucht und so kein typisches Happy End hervorwürgt, doch das kann das paradoxe Gefühl, dass man von allem zuviel und zu wenig zugleich hatte, nicht ganz beseitigen.
Insgesamt eine mehrstöckige Torte von einem Sommerblockbuster, deren Überladenheit die Statik leider ziemlich schädigt, obwohl vom Unterhaltungsfaktor her der Film durchaus einiges zu bieten, von guten Gags bis zu spektakulären Bildern.
Letztendlich entschlüpft einem hinterher jedoch eher: „Nu haben wir das auch noch geschafft!“, gefolgt von einem „Ist aber auch gut jetzt!“ – der sichere Beweis, dass man zwischen Teilen vielleicht ein bisschen mehr Zäsur lassen sollte, damit man den Blick für das Wesentliche bewahrt. (6/10)