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<!--StartFragment-->Und das alles ohne einen einzigen Tropfen Rum - Karibik-Fluch zum dritten 


Keith Richards hat die Premiere des letzten „Fluch der Karibiks“ vorwiegend schlafend verbracht. Gut, der Mann ist über 60 und stürzte auch schon mal vonBibliotheksleiter oder Palme, da kann man auch die Premiere eines Films, in dem man selber einen Kurzrolle spielt, verschlafen. Die Fairness dem Altrocker gegenüber gebietet es jedoch zuzugeben, dass dieser Film auch für rüstige junge Menschen ein probates Schlafmittel darstellen kann. 

Woher kommt dieser Piraten-Hype und warum sieht man sich den dritten Teil einer Blockbuster-Serie an, wenn man im ersten Teil, der noch leidlich unterhaltsam war, eingeschlafen ist und im zweiten Teil außer gähnender Langeweile vor allem mit überlängegeschuldeten Gesäßschmerzen zu kämpfen hatte? Dieser Kinosommer hat wenig mehr zu bieten als dritte oder gar vierte Teile merchandisingträchtiger Popcorn-Streifen, und wenn man nicht ins Programmkino geht sieht man sich eben den Film an, dessen erste Teile man schon gesehen hat, in der Hoffnung das zu verstehen und genießen zu können was einem da an bewegten Bildern geboten wird. 

Die Bild-Zeitung hat diesen Film für gut befunden, Rekord-Zuschauerzahlen und Johnny Depp in der Hauptrolle sind ebenfalls überaus starke Argumente. Also überwinde auch ich mich das sehen zu wollen und verstoße damit gegen 2 eherne Gesetze meiner Kinoehre: keine von Disney oder von Jerry Bruckheimer produzierten Filme anzusehen. Dieser Film, produziert von einer unseligen Allianz aus Disney und Jerry Bruckheimer (O-Ton Bruckheimer: "Zwei Explosionen sind besser als eine."), stellt also einen doppelten Verstoß dar.

Nach einer gefühlten Ewigkeit Werbung, u.a. für künftige Reißer wie "Transformers" oder den neuen Nicolas-Cage-Tempelritter-Schmarrn geht es los. Die erste halbe Stunde plätschert belanglos vor sich hin. Ständig werden wie selbstverständlich Handlungsfäden aufgenommen, von denen man nicht weiß wo sie herkommen, oder ob und wie diese an den 2. Teil, an den man sich nur noch spärlich erinnern kann, anknüpfen sollen. Der einzige Wiedererkennungswert besteht in einigen gewohnten Gestalten wie Orlando Bloom und Keira Knightley und einer Reihe mehr oder minder markanter Knallchargen in Nebenrollen, die bereits durch die ganze Reihe geisterten.

Wo will dieHandlung hin und wo bleibt eigentlich Oberpirat Jack Sparrow? Ach ja, der wurde ja am Ende des 2. Teils von einer Riesenkrake verspeist. Ihn zurück ins Reich der Lebenden zu befördern nimmt gute 15 Minuten in Anspruch. Dem gehen ermüdende, langwierige Diskussionen voraus ob man ihn überhaupt wieder ins Leben zurückholen soll, daran scheinen in der Piratenszene die wenigsten Interesse zu haben. Ein chinesischer Ober-Pirat, dargestellt von Chow Yun-Fat (drehte früher mit John Woo Hong-Kong-Ballerfilme wie "Hard Boiled"und sorgt nun für einen größeren Absatz in China, wo der zweite Teil aufgrund von angeblichen homosexuellen Tendenzen verboten wurde), hat aus persönlichen Gründen offenbar besonders große Vorbehalte gegen eine Reanimierung Sparrows. Wofür man Sparrow eigentlich braucht bleibt nebulös, man holt ihn schließlich, nach einer gelungenen surrealistischen Sequenz im Totenreich, trotzdem wieder zurück in die hiesigen irdischen Gefilde.

Spätestens jetzt wird es völlig wirr. Explosionen, ständig wechselnde Fronten und Allianzen, immer neue Pläne und Ziele und dazwischen gestreute, mit bedeutungsvoller Miene vorgetragene Dialogtrümmer, die sich schwer und kryptisch anhören, aber den Sinngehalt heißer Luft haben. Die Hauptattraktrion Johnny Depp hat nur sporadische, meist recht kurze Auftritte, in denen er routiniert seine Tuntennummer abspult, die im dritten Aufguss nur noch leidlich amüsant rüberkommt. Keith Richards hat einen kleinen Cameo übernommen und liefert einen talentfreien Kurzauftritt als Sparrows Vater ab, klimpert ein wenig auf seiner Gitarre und ist dann, dem Allmächtigen sei es gedankt, recht schnell wieder weg von der Bildfläche.

Am Ende, als alle Schlachten geschlagen sind, fragt man sich noch immer wer hier eigentlich zweieinhalb Stunden aus welchem Grund gegen wen gekämpft hat und worin jetzt eigentlich nach all dem Remmidemmi die Lösung der Story besteht. Das alles kommt von Nichts und führt zu nichts und wenn Sparrow am Ende des Films einen gediegenen Schluck Rum zu sich nimmt, wünscht man sich man hätte das schon vor Beginn des Films getan. Der Drehbuchautor dieses Films gehört jedenfalls aus dem Verkehr gezogen, was hier an Story und Continuity aufgeboten wird ist ein Witz und zwar ein schlechter. Filme wie dieser sind einfach nur stumpf heruntergedrehte Produkte, Filme zum Bild auf der Cornflakes-Packung. Depp hat schon angekündigt auch für eventuell folgende weitere Sequels zu Verfügung zu stehen, warum er sich für so etwas hergibt bleibt jedoch schleierhaft. Möge uns ein vierter Teil dieser sinnentleerten Kinosaga, die ganz nett begann, aber schnell immer schlechter wurde (wie Matrix und dutzende weitere Kinosagen), erspart bleiben.

Fazit: 3 Gnadenpunkte, allein wegen Johnny Depp, denn Rest vergessen wir besser schnell wieder.<!--EndFragment-->

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