Mit dem großen Finale der ursprünglichen "Fluch der Karibik"-Trilogie legt Regisseur Gore Verbinski einen Film vor, wie er heutzutage typisch für Hollywood-Action ist: Alles zielt ins Gigantomanische, ohne sich groß Sorgen um Glaubwürdigkeit zu machen. So ist auch der beinahe dreistündige dritte Teil "Am Ende der Welt" eine schier endlose Achterbahnfahrt aus Spezialeffekten, Kampfszenen und dramatischen Wendungen, die so üppig ausstaffiert werden, dass die Handlung teilweise auf der Strecke bleibt.
Durch die Sucht nach immer größeren Schauwerten verliert Teil drei einige der Attribute, die den ersten Film noch so unterhaltsam gemacht hatten: Der Humor verfällt zusehends in reinen Klamauk und Captain Jack Sparrow ist endgültig zur Parodie seiner selbst verkommen - seine Selbstgespräche mit imaginären Doppelgängern und sein verwirrtes Gehabe wirken so aufgesetzt, dass sein quirlig-dreistes Auftreten keinerlei Charme mehr besitzt. Die charismatischste Figur ist hier eindeutig der von Geoffrey Rush verkörperte Captain Barbossa, den eine Magierin aus dem Totenreich zurück geholt hat.
In dieses muss die Mannschaft um Barbossa, Elizabeth Swann (Keira Knightley) und Will Turner (Orlando Bloom) aber sogleich zurückkehren, um Jack Sparrow eigenhändig aus seiner Wüstenhölle zu befreien (eine absolut groteske Szene, die deutlich macht, mit welch abgedrehten Ideen hier versucht wurde, die Vorgänger an Verrücktheit zu überbieten - und das nur mit dem Ergebnis, einen immer wieder extrem seltsam scheinenden Film geschaffen zu haben). Dass das alles nicht sonderlich viel mit Logik zu tun hat, mag angesichts einer so fantasievollen, mit mystischen Geschichten und Seemannsgarn gefüllten Story noch verzeihlich sein; dass aber die gesamte Handlung mit zahlreichen Figuren und kaum überblickbaren Verwicklungen für Verwirrung sorgt, gibt dem Film inhaltlich den Todesstoß. Der Versuch, eine komplexe Story dadurch zu gestalten, dass jeder Charakter hier seine eigenen Motive für seine Handlungen hat und sich Bündnisse sehr schnell wieder ändern können, ist lobenswert. Allerdings läuft der Zuschauer mehrmals Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Wenn sich kurz vor dem Finale noch einmal alle Parteien zu einem Gespräch treffen, weiß man gar nicht richtig, wer jetzt genau welche Ziele verfolgt und dafür wen verrät. Und dass der gruselige Davy Jones (Bill Nighy) nicht mehr der Ozeane beherrschende Dämon aus dem zweiten Teil, sondern quasi das Schoßhündchen der britischen Marine ist, nimmt ihm sehr viel von seiner Intensität. So schleichen sich immer wieder trotz der hastigen Ortswechsel langatmige Passagen ein.
Immerhin: Optisch ist "Fluch der Karibik 3 - Am Ende der Welt" immer wieder ein bombastisches Erlebnis. Sei es die grelle Wüste, das nebelverhangene Totenreich oder der mörderische Mahlstrom, in dessen Schlund das Finale stattfindet - die Spezialeffekte überzeugen mehr denn je und bieten reihenweise atemberaubende Bildkompositionen. Auch gibt es viele sehr gelungene Szenen, wie etwa den Trick zur Rückkehr aus dem Totenreich mit dem umgedrehten Schiff oder Keith Richards supercooler Auftritt als Jack Sparrows Vater. Und Fans können sich über die Hochzeit zwischen Elizabeth und ihrem Will (mitten im tosenden Schlachtgetümmel!) freuen.
Doch so sehr der dritte Teil sich um eine Steigerung in allen Belangen bemüht, verwundert es umso mehr, dass die Actionszenen nicht annähernd mit der akrobatischen Sensation und originellen Inszenierung der ersten beiden Filme mithalten können. Das knapp halbstündige Finale kracht und tost, ist aber so wild geschnitten und mit so zahlreichen Kämpfern bestückt, dass man kaum die Übersicht behält. Und wirklich spektakuläre Stunts gibt es hier eigentlich gar nicht. Dafür wurde in Sachen Brutalität in einigen Szenen kräftig zugelegt.
Letztendlich sind es die technisch über alle Zweifel erhabene Inszenierung, die liebgewonnenen, in den meisten Szenen immer noch sympathischen Figuren und die tragischen Akzente in den Nebenhandlungen (etwa die verzweifelte Liebe von Davy Jones), die "Fluch der Karibik 3 - Am Ende der Welt" am Leben erhalten. Auch wenn die zahlreichen Verrisse, die er eingeheimst hat, durchaus nachvollziehbar sind.