Der alternde Musiker von Aschenbach (Dirk Bogarde) verfällt in Venedig der Ausstrahlung eines blonden Jünglings (Björn Andrésen). Der Junge bemerkt die beharrliche Gegenwart des Musikers und belohnt sie tatsächlich mit sanftem Wohlwollen. Während von Aschenbach mit verbotenen Gefühlen und unaufhaltsamen Alterserscheinungen kämpft, geht das Gerücht um, Venedig drohe einer Choleraepidemie anheimzufallen…
Scheinbar beiläufig lässt die Kamera ihren Blick über sorgfältig ausgearbeitete Tableaus schweifen und macht den Zuschauer zum verstohlenen Beobachter vornehmer Damen und tollender Kinder, aufgeregter Gouvernanten und eilfertiger Diener, zum Kundschafter ebenso unscheinbarer wie aufschlussreicher Geringfügigkeiten. Inmitten des oberflächlichen Getues, mit dem die feine Gesellschaft gegen das vergehende Venedig anzuhandeln scheint, wird der Jüngling zum verführerischen Blickfang, von dem – einmal erspäht – kein Loskommen mehr ist, denn er kündet von einem versäumten Lebensglück, das nicht mehr aufzuholen ist und doch nachträglich geträumt werden muss. Freilich hält die nach künstlerischer Vollkommenheit strebende Selbstdisziplin des Musikers, die der Film in wortreichen Rückblenden ausführlich rügt, Visconti nicht davon ab, sich seinerseits jede spontane Laune zu versagen und eine formale Akribie aufzuerlegen, die das traurige Los der Hauptfigur zu doppeln scheint: zugleich bewundernswert begabt und bedauernswert zwanghaft zu sein.