Ein Präsident mit zwei Einschüssen, wofür mindestens drei Tatverdächtige in Frage kommen, doch erst nach dem vierten Perspektivenwechsel zeigt der fünfte Blickwinkel die komplexen Umstände des Attentats.
Das kleine Verwirrspiel dreht von Beginn an auf und sorgt mit seinem konstant hohen Tempo und den clever gesetzten Cliffhangern für zusätzliche Spannung, die schon fast darüber hinweg täuschen, wie unglaublich konstruiert doch einige Stränge zusammengeführt werden.
Mehrfach spulen die einzelnen Episoden zum Ausgangspunkt zurück: Es ist 12 Uhr Mittags im spanischen Salamanca, 150 bedeutende Staatsleute haben sich zum Politgipfel eingefunden, um über den weltweiten Terror zu verhandeln. Der Platz ist gefüllt mit neugierigen Zivilisten, Polizisten, dem Secret Service, einem Übertragungswagen und den Drahtziehern des Attentats.
Noch während der US-Präsident die Menge begrüßt, schmettern ihn zwei Schüsse nieder, kurz darauf erfolgt eine gewaltige Explosion, die Menge gerät in Panik, doch innerhalb dieser kristallisieren sich eine Handvoll Figuren heraus, deren Zusammenspiel die Umstände des Geschehens Stück für Stück ans Tageslicht bringt.
Eine nicht unerhebliche Rolle spielt Barnes (Dennis Quaid), der Agent des Secret Service, der dem Präsidenten bereits vor einem Jahr das Leben rettete und nun abermals auf Täterhatz geht.
Dazu ein TV-Team unter der Leitung von Sigourney Weaver, ein naiver Tourist mit Handkamera (Forest Whitaker), ein dubioser spanischer Polizist, eine verdächtige Frau mit Tasche, eine Mutter mit Eis essendem Kind und Verräter aus den eigenen Reihen.
Sie alle decken auf und zeigen wie die Fäden zusammenlaufen. Einem Puzzle gleich fügen sich die Episoden zu einem Ganzen, welches eine Menge haarsträubender Zufälle und mangelnde Handlungslogik mit sich bringt.
Da kann man während einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd durch die dicht befahrenen Straßen noch mehrere Gespräche mit dem Handy führen, andere sind schneller auf den Beinen als durchtrainierte Agenten, hochmoderne Technik arbeitet auf den Zentimeter genau und ist grundlegend fernbedienbar und bei alledem verlieren sich die wesentlichen Protagonisten bei der Menge panischer Menschen nie aus den Augen.
Um nicht zuviel zu verraten, spart man sich an dieser Stelle besser einige Worte über die Rolle des US-Präsidenten.
Leider kann der Spannungsbogen und zeitgleich das originelle Konzept der Handlung nicht bis zum Ende aufrecht erhalten werden, besonders im letzten Drittel verkommt der Plot, trotz brauchbar choreographierter Action und rasantem Tempo, zu einem konventionellen Thriller, der kaum mehr Überraschungen parat hält.
Auch wenn sich die vielen bekannten Darsteller redlich mühen, das Drehbuch formt aus den anfänglich geheimnisvollen Charakteren zu austauschbare Stereotypen, als auf beiden Seiten, Gut und Böse, Beweggründe zu erläutern und Entwicklungen aufzuzeigen.
Nach einem atemberaubenden Einstieg und spannender Figureneinführung macht sich letztlich also doch ein wenig Enttäuschung breit, da die gute Ausgangsposition nicht kongenial umgesetzt wurde und man sich doch ein wenig mehr Finesse hinter dem Sujet erhoffte.
Glücklicherweise mangelt es dem Geschehen zu keiner Zeit an Bewegungsarmut, so dass einige Unzulänglichkeiten zwischen wehender Gardine und Chipcard-Übergabe nicht allzu sehr ins Gewicht fallen.
Nicht ganz ausgegoren, über weite Teile jedoch mit viel Drive und Romms Bomms in Szene gesetzt.
7 von 10