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"Ich weiß was ich vorhin gesagt habe, aber hier läuft noch etwas anderes."

Der Präsident der Vereinigten Staaten Ashton (William Hurt) ist auf dem Anti-Terror-Gipfel im spanischen Salamanca für eine Rede vorgesehen. Noch bevor er mit dieser zu beginnen vermag, strecken ihn 2 Schüsse zu Boden. Im Tumult dieses Chaos versuchen die beiden Secret-Service-Agenten Thomas Barnes (Dennis Quaid) und Kent Taylor (Matthew Fox) Herr der Lage zu werden. Barnes erhält Hinweise durch ein aufgenommenes Video des amerikanischen Touristen Howard Lewis (Forest Whitaker) und macht nach der Explosion einer unter dem Podium befindlichen Bombe im Übertragungswagen des Senders GNN, der unter der Leitung von Rex Brooks (Sigourney Weaver) steht, eine erschreckende Entdeckung.

"8 Blickwinkel" gesellt sich zu den neuzeitlichen Pseudo-Echtzeit-Thrillern mit einem innovativem Element: Der gerade mal einstündige Handlungsrahmen wird mehrere Male aus verschiedenen Blickwinkeln beteiligter Personen erzählt. Nach ca. 10 minütigen Abschnitten spult die Handlung zurück auf Anfang und behandelt eine andere Person bzw. einen anderen Personenkreis der am Schauplatz des Attentats auf den Präsidenten teilhabenden Meute. Nach einer fünften Wiederholung präsentiert sich dann bereits die formelle Lösung des wendungsreichen Thrillers.

Temporeich beginnt der stark starbesetzte Film und hält dieses hohe Tempo durchgehend bis zum Ende. Sogar eine leichte Steigerung im letzten Drittel ist vorhanden. Diesen Umstand verdankt er dem wiederholten Erzählstil und den, leider immer wieder gleich aussehenden, brachialen Explosionen und Verfolgungsjagden.
Minimalistische aber detailreiche Ausstattung sowie tolle Effekte fördern die Atmosphäre, die einzelnen Abschnitte fügen sich nahtlos zusammen, gut platzierte Wendungen sorgen für den entprechenden Überaschungsmoment.
Trotz wenig Spielraum entwickelt sich schnell eine Sympathie zu den Charakteren. Ganz besonders die Figur von Forest Whitaker als zuvorkommender, charmanter Tourist tritt hierbei heraus, auch wenn sie für die Handlung selbst eigentlich nicht notwendig gewesen wäre.

Somit hätte "8 Blickwinkel" ein temporeicher, atmosphärischer Thriller mit innovativem Aspekt sein können, wenn er nicht einige markante Mängel vorzuweisen hätte.
Nach bereits einer Stunde sind alle Verhältnisse zueinander geklärt und das Verwirrspiel verpufft wirkungslos durch eine simplifizierte Lösung. Was darauf noch folgt ist ein standardisiertes Finale mit einem erzwungen beigeführten "FSK 12 Happy End" was amerikanischer und vorhersehbarer nicht hätte sein können. Im Grunde wurde ein völlig unspektakulärer Plot in eine innovative Form gepresst, der es aber nach wie vor an Originalität und Komplexität mangelt.
Die Figuren sind austauschbar und nicht alle Subplots handlungsfördernd bzw. notwendig, was insbesondere durch den Wegfall Sigourney Weaver gegen Ende auffällt.
Es hagelt Anschlussfehler, beispielsweise wird eine Aufnahme hinter einem Gitter ohne selbiges abgespielt.
Die Charaktere bleiben durchgehend blass und undurchsichtig und sind von ihrer Ausführung mangelhaft sowie klischeehaft aufgezogen. Der Spielraum für etwas mehr Charaktertiefe mag fehlen, mit ein paar mehr Rückblenden hätte man dieses Defizit aber wieder wett machen können. Eine Intention der Gegenspieler fehlt völlig. Sie sind eben einfach nur böse.
Zudem nehmen ein paar nicht plausible Aktionen der Charaktere den Realismus.

Regisseur Pete Travis konnte einige Hollywood "Sternchen" für sich gewinnen. Die Riege bewegt sich über erfahrene Film-Darsteller wie William Hurt, Sigourney Weaver, Dennis Quaid und Forest Whitaker zu Serien-Neulingen wie Matthew Fox bis hin zu ausländischen Stars, im einzelnen Edgar Ramirez, Eduardo Noriega und Zoe Saldana. Alle bieten eine souveräne Darstellung ihrer Charaktere, einzig Forest Whitaker tritt, durch seine etwas charmantere Rolle gegenüber den anderen, ein wenig aus dieser Charakter-Allerlei-Masse heraus. Allerdings verbleiben alle auf einem äusserst durchschnittlichen Niveau ihrer schon gesehenen Leistungen.

Der Eindruck ein intelligentes Actionkino erlebt zu haben wird durch eine zu simple Lösung und allzu durchschnittliche Leistung in allen Bereichen verworfen. Erstaunlicherweise kommt während den knapp 90 Minuten kaum Langeweile auf was "8 Blickwinkel" seinem adrenalinhaltigem Tempo zu verdanken hat. Kann man gesehen haben, muss aber nicht.

5 / 10

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