Will man nicht unbedingt den leicht abgenutzten „Rashomon“-Vergleich bringen, dann lässt sich „8 Blickwinkel“ am besten derart pitchen: „11:14“ mit Terroristen.
Es geht hierbei um einen Attentat auf den US-Präsidenten Ashton (William Hurt) während einer Rede Spanien, welches mehrstufig abläuft, neben Schüssen auf den Präsidenten auch die Zündung einer Bombe inmitten einer Menschenmenge beinhaltet. Der erste gezeigte Blickwinkel gehört von daher noch der halbwegs außenstehenden Presse, verkörpert durch Rex Brooks (Sigourney Weaver). Nach Ende des Attentats spult „8 Blickwinkel“ rund 15 Minuten zurück, um das Geschehen aus anderer Perspektive zu zeigen.
Weitere Fokalisierungsinstanzen sind unter anderem Secret Service Agent Thomas Barnes (Dennis Quaid) und Tourist Howard Lewis (Forest Whitaker). Jeder Blickwinkel bringt mehr Licht ins Dunkel des Anschlags...
Allerdings muss man direkt anmerken, dass „8 Blickwinkel“ sein Konzept in der zweiten Hälfte aufgibt, nachdem man 5 Blickwinkel abgearbeitet hat – stattdessen arbeitet „Vantage Point“, wie sich der Originaltitel nicht auf die Menge an Blickwinkeln festlegt, im Schlussakt dann mit multiperspektivischer Sicht, fokalisiert das letzte Geschehen gleich durch verschiedene Ebene. Sicher keine schlechte Wahl, da es schwer wäre, den Plot in diesen separaten Schritten zuende zu erzählen, aber gleichzeitig ein wenig enttäuschend, dass man das Konzept verlässt.
Das Problem des Figurenpanoptikums liegt dann eher auf anderer Ebene: Bei kaum einer Figur blickt man so recht in die Tiefe, man erfährt z.B. nichts von den tieferen Motivationen des Schläfers, wann und warum er rekrutiert bzw. eingeschleust wurde usw. Zudem killt man im letzten Drittel diverse Figuren dermaßen salopp hinweg, dass sich der Zuschauer an kaum an sie gebunden fühlt. Schade, da das Rätselraten in der ersten Hälfte schon recht spannend ist, jede neue Erzählperspektive den Blick mit Details neu justiert und das schrittweise Aufdecken des Stufenplanes der Terroristen für einige Twists sorgt.
Während der Schlussakt dies dann fallen lässt, wird gegen Ende dann die Actionkeule vorgeholt und da zeigt sich Stunt Coordinator Spiro Razatos wieder auf der Höhe seines Könnens. Die Hotelerstürmung zeigt einen rohen, kraftvollen Kampf eines Einzelnen gegen eine Übermacht, in welcher der bessere Agent durch List, Anschleichen und Zielgenauigkeit größere Gegnermengen überwältigt. Zum anderen wäre da die Autojagd mit halsbrecherischen Stunts, einer mitten im Geschehen befindlichen Kamera und reichlich Blechschaden, die ebenfalls für ordentliche Adrenalinschübe gen Ende sorgt.
So ist „8 Blickwinkel“ dann putzige Unterhaltung, von Dennis Quaid in einem Interview auch explizit als unpolitischer Film bezeichnet. Insofern finden sich zwar US-kritische Einsprengsel, z.B. zum US-Verschulden des Attentats, es bleiben Einsprengsel. Auch bei der Zeichnung der Terroristen ist „8 Blickwinkel“ durchaus ambivalent. *SPOILER* Zur Truppe gehören Araber wie Weiße, ein Araber entpuppt sich als lediglich gezwungener Killer, da man seinen Bruder hat. *SPOILER ENDE* Allerdings bleibt die Motivation der Terroristen enttäuschend wenig beleuchtet, gegen Ende wird es sogar etwas lächerlich. *SPOILER* Der Chef-Terrorist, der bereits zig Agenten und Zivilisten allen Alters an diesem Tag getötet hat, traut sich dann nicht ein kleines Mädchen zu überfahren, sondern schrottet lieber die Karre und wird dadurch gestellt. War gerade Gutmenschen-Minute im Terroristenlager? *SPOILER ENDE*
Auf den Cast ist dafür Verlass. Gerade Dennis Quaid kann den Agenten trotz fortgeschrittenen Alters noch sehr überzeugend verkörpern, aber auch Matthew Fox an seiner Seite schlägt sich gut. William Hurt und Sigourney Weaver sind leicht unterbeschäftigt, aber in Ordnung, Forest Whitaker läuft erst gegen Filmende zu höherer Form auf. Durchweg gelungen ist hingegen die Performance von Eduardo Noriega.
Unterm Strich ist „8 Blickwinkel“ solides Thrillerkino, dass dank seiner anfänglichen Erzählweise, der gelungenen Umsetzung und seiner zwei schicken Actionszenen gefällt. Leider mangelt es den Charakteren an Tiefe, um echtes Zuschauerinteresse zu wecken, und im letzten Drittel sind einige Längen sowie Logikpatzer zu beklagen, die das Vergnügen leider trüben.